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Gefahr auf dem Abreiteplatz: verminderter Schadensersatz bei Reitunfällen

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Im Reitsport steht die nächste Turniersaison an. Nach längerer Pause können Reiter und Pferd nun zeigen, was sie im vergangenen Winter erarbeitet haben. Eines sollte dabei jetzt schon feststehen: Vorsicht auf dem Abreiteplatz! Wer sich hier als Reiter falsch verhält, riskiert nicht nur einen Verweis von der Turnierleitung, sondern auch bei Reitunfällen einen verminderten Schadensersatz. So hat das OLG Koblenz entschieden (Urteil vom 07.01.2017, Az. 1 U 422/15).

Der zugrunde liegende Sachverhalt wird vielen Turnierreitern bekannt vorkommen: Auf einem Abreiteplatz überholte eine Reiterin im Galopp auf dem dritten Hufschlag eine Reiterin, die auf der gleichen Hand mit ihrem Pferd im Schritt auf dem ersten Hufschlag ritt. Dieses Pferd erschrak, schlug nach hinten aus und verletzte dabei die herannahende Reiterin schwer. Sie musste operiert werden. Das Turnier war für dieses Team von Reiterin und Pferd unvorhergesehen und vorzeitig beendet.

Nach Ansicht der Richter war dies ein typischer Fall der Verwirklichung der wechselseitigen Tiergefahr. Das Gericht sah die Verursachungsanteile beider Pferde als gleichgewichtig an, mit der Folge, dass sich die verletzte Reiterin mit einem hälftigen Schadensersatz zufriedengeben musste.

Auf beiden Seiten hatte sich die Tiergefahr der Pferde verwirklicht und damit die Haftungsfolge auf Schadensersatz aus der Tierhalterhaftung ausgelöst. Die Tiergefahr umfasst gerade diejenigen Reaktionen, die typischerweise von dem betreffenden Tier gezeigt werden. Dies gilt zum Beispiel für das Auskeilen eines Pferdes, um eine – vermeintliche – Gefahr abzuweisen, wie es sich bei dem Pferd der Beklagten zeigte. Ohne dies im Einzelnen näher zu beschreiben, sahen die Richter auch bei dem Pferd der Klägerin die Tiergefahr als verwirklicht an. Die Tatsache, dass die Klägerin sich mit ihrem Pferd im Galopp von hinten dem Pferd der Beklagten näherte, habe eine nicht unwesentliche Gefährdungsursache gesetzt, urteilten die Richter. Diese Tiergefahr, die hier vergleichbar mit einer Betriebsgefahr bei Kraftfahrzeugen gesehen wird, führt zur Anrechnung eines hälftigen Mitverschuldens und damit zur entsprechenden Minderung des Schadensersatzanspruchs der Klägerin.

Noch geringer wäre der Schadensersatz ausgefallen, wäre das vorangehende Pferd mit einer roten Schleife gekennzeichnet gewesen. Damit wird angezeigt, dass dieses Pferd zum Auskeilen neigt. Keinen Einfluss auf die Quotelung der Ersatzansprüche hatte jedoch die Tatsache, dass die Beteiligten mit ihren Pferden nicht auf dem der Gangart entsprechenden Hufschlag ritten. Unter diesen Umständen hätte die Klägerin allerdings besondere Vorsicht walten lassen müssen, meinten die Richter.

Deshalb gilt: Vorsicht beim Überholen auf dem Abreiteplatz! Besser durchparieren oder sogar anhalten, als sich anderen Pferden mit zu geringem Abstand zu nähern.


Rechtstipp aus den Rechtsgebieten Pferderecht, Schadensersatzrecht & Schmerzensgeldrecht

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