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Geld zurück bei Online-Glücksspiel und Online-Casino: So geht's

  • 3 Minuten Lesezeit

Sie haben in den letzten 10 Jahren online an Glücksspielen teilgenommen oder bei Online-Casinos Geld verzockt? Betroffene Verbraucher haben jetzt sehr gute Chancen ihre Einsätze zurückzubekommen. Zahlreiche Urteile machen es möglich, die Verluste zurückzufordern, denn Online-Casinos und Online-Glücksspiele waren nach dem Glücksspielstaatsvertrag in Deutschland bis zum 1. Juli 2021 nicht legal. Wann und wie Sie Ihr verlorenes Geld zurückholen können und weitere Antworten auf die wichtigsten Fragen rund um das Thema Geld zurück bei Online-Glücksspiel, erfahren Sie im nachfolgenden Rechtstipp.

Beim Online-Glücksspiel (Casino, Automatenspiele) schließen Sie als Verbraucher mit dem Glücksspielanbieter einen Vertrag über die Teilnahme an den Online-Glücksspielen. Nach der Rechtsprechung sind solche Online-Glücksspiele aber in vielen Fällen wegen Verstoßes gegen den Glücksspielstaatsvertrag (namentlich § 4 Abs. 4 GlüStV) gemäß § 134 BGB nichtig. Der Glücksspielstaatsvertrag stellte bis zum 1. Juli 2021 für das Veranstalten und Vermitteln öffentlicher Glücksspiele im Internet ein gesetzliches Verbot auf. Virtuelle Automaten- oder Casinospiele waren vor allem wegen ihres erhöhten Suchtpotentials verboten.

Pokerstars, Tipico und Co. - Sind alle Online Casinos betroffen?

Grundsätzlich ja, denn nach § 4 GlüStV war bereits das Anbieten von Glücksspielen online generell verboten. Deshalb sind auch alle Anbieter von Online-Casinos von dem Verbot betroffen. Dazu gehören zum Beispiel All Slots, Bet365, Betsafe, Bwin, Casino Club, Casumo, Caxino, Interwetten, Jackpotcity, Karamba, Lapalingo, Leo Vegas, Lottoland, MagicRed, Mr. Green, Partypoker, Platincasino, Pokerstars, Royal Slots, Sunmaker, Sunnyplayer, Tipico und Wildz. Die Liste ließe sich weiter fortsetzen. Seit dem 1. Juli 2021 haben die Online-Casinos die Möglichkeit, eine offizielle Lizenz zu erlangen. Da aber bisher kaum ein Casino eine solche Lizenz erhalten hat, sind die allermeisten Glücksspiele im Internet nach wie vor illegal. Das heißt für Verbraucher, dass sie in diesen Fällen auch nach dem 1. Juli 2021 erlangte Verluste zurückfordern können.

Ist es wichtig, von welchem Ort aus ich an den Online-Glücksspielen teilgenommen habe?

Ja! Wichtig ist, dass Sie zu keinem Zeitpunkt außerhalb Deutschlands oder im Bundesland Schleswig-Holstein an den Online-Glücksspielen teilgenommen haben. Außerdem darf die Teilnahme nicht im Zusammenhang mit einer beruflichen oder gewerblichen Tätigkeit erfolgt sein. Geld zurückfordern können nur Verbraucher.

Kann ich alle gezahlten Einsätze zurückfordern? 

Ja! Die verbraucherfreundlichen Urteile zu den Online-Glücksspielen bejahen einen Anspruch auf Rückzahlung aller gezahlten Einsätze. Die Zahlung der Einsätze müsste im Gerichtsverfahren belegt werden, beispielsweise durch Vorlage von Überweisungen oder PayPal-Kontoauszügen. Befindet sich der Anbieter des Glücksspiels im Verzug, können Sie zusätzlich noch Verzugszinsen auf die rückforderbaren Einsätze verlangen. Auch die Anwaltskosten müssen übernommen werden.

Glücksspielanbieter im Ausland - kann ich in Deutschland klagen?

Ja! Der Gerichtsstand richtet sich in diesen Fällen nach dem Wohnort des Verbrauchers. Haben Sie Ihren Wohnort also in Deutschland, können Sie dort auch Klage einreichen. Deutsches Recht ist anwendbar. Die internationale Zuständigkeit der deutschen Gerichte ergibt sich aus der EuGVVO.

Übernimmt die Rechtsschutz-versicherung die Kosten?

Ja! In den meisten Fällen erteilen die Rechtsschutzversicherungen Deckung und übernehmen das Kostenrisiko für Sie. Da die Rechtslage in den Rückforderungsfällen zum Online-Glücksspiel mittlerweile so klar ist, finanzieren auch einige Prozessfinanzierer das Klageverfahren. Auch Prozesskostenhilfe kann beantragt werden.

Gibt es bereits obergerichtliche Entscheidungen zum Geld-zurück-Anspruch gegen Online-Glücksspielanbieter?

Ja! Zunächst hatten zahlreiche Landgerichte den betroffenen Verbrauchern Recht gegeben. Mittlerweile haben auch das Oberlandesgericht München und das Oberlandesgericht Frankfurt diese Rechtsprechung ganz klar bestätigt. Die verklagten Online-Glücksspiel-Anbieter wurden zur Rückzahlung der Einsätze nebst Zinsen verurteilt.

Was muss ich tun, um meine Einsätze zurückzuerlangen?

Wir empfehlen zunächst eine Übersicht zu erstellen, welche Ein- und Auszahlungen bei welchem Online-Casino erfolgt sind. Sie können dazu eine entsprechende Übersicht beim Casino anfordern. Gerne helfen wir Ihnen anwaltlich dabei im Rahmen einer kostenlosen Erstberatung und prüfen dann auch die Erfolgsaussichten in Ihrem konkreten Fall. Stellt sich heraus, dass es sich um ein illegales Glücksspiel handelte, raten wir Ihnen umgehend Klage zu erheben. Erfahrungsgemäß zahlen die Anbieter die Einsätze nicht freiwillig zurück.



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