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Geldwäscher wider Willen – Warenagenten und Finanzagenten auf der Anklagebank

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Ein verlockendes Jobangebot verspricht hohe Verdienstmöglichkeiten bei flexibler Arbeitszeiteinteilung und ganz ohne Vorkenntnisse? Man arbeitet nebenbei von Zuhause aus; benötigt wird nur ein PC mit Internetverbindung und ein Konto? Es wimmelt von Stellenangeboten in Wochenzeitungen, auf sozialen Netzwerken und in E-Mails. Gesucht werden: Finanzagenten, Warenagenten, Paketmanager, Logistikmanager, Personal Assistents oder Dolmetscher für ein junges, stark expandierendes, international tätiges Unternehmen.

Was zu schön klingt, um wahr zu sein, endet häufig für unbedarfte Internetnutzer auf der Anklagebank. Ohne es zu bemerken, wurden sie von Internetkriminellen als Strohmann missbraucht, um die Herkunft von illegal erworbenem Geld oder illegal erworbenen Waren zu verschleiern und diese wieder in den Wirtschaftskreislauf zu bringen – die Beute umgangssprachlich zu „waschen“. Der Jobsuchende bekommt einen wohlklingenden Titel und hat sodann die „leichte“ Aufgabe, Waren oder Gelder weiterzuleiten – und zwar meistens ins Ausland. Die Begründungen dafür sind unterschiedlich: mal hat das Unternehmen bereits Aufträge aber noch kein Konto oder eine Niederlassung in Deutschland, die Abwicklung gestalte sich einfacher und schneller mit einem zuverlässigen Mitarbeiter „vor Ort“, die „Kunden“ benötigen eine Anschrift bzw. eine Bankverbindung im Inland. Die Produkte seien im Ausland nicht, nicht zu dem Preis oder nicht in der Qualität zu erhalten. Damit Gewährleistungsansprüche gewahrt bleiben, muss der Versand von dem Lieferanten zunächst im Inland erfolgen etc. Kreativ und wortgewandt werden mögliche Zweifel zerstreut.

Tatsächlich haben die Hinterleute Kreditkarten- oder Kontodaten ausgespäht und bestellen damit Waren im Internet, fälschen Überweisungsträger oder ziehen mit gehackten Zugangsdaten Beträge über Zahlungsdienste ein. Um die Spuren zu verwischen, muss der Mittelsmann die Waren (hochpreisige Kameras, Laptops oder Handys) umpacken, neu adressieren und an Adressen im Ausland versenden oder Geldbeträge abheben und per Bargeldservices, wie Western Union oder Moneygram, transferieren.  

Nachdem einige Transaktionen erfolgreich durchgeführt wurden, reißt nach 4 bis 6 Wochen der Kontakt zum Auftraggeber ab. Die versprochene Vergütung wird nicht gezahlt, der Warenagent erhält Briefe mit Mahnungen der Lieferanten, weil Zahlungen storniert wurden, und so langsam wird ihm klar, dass er ausgenutzt und hereingelegt wurde. Doch damit nicht genug. Nicht nur, dass die Arbeit nicht vergütet wird, jetzt steht auch noch die Polizei vor der Tür, will die Wohnung durchsuchen und dem Warenagent wird klar, es droht Ärger mit der Justiz. Auch wenn man nichts über die Hintergründe ahnte, wird man damit konfrontiert, ein Betrüger zu sein. Aufgrund der Vielzahl der Transaktionen soll sogar ein besonders schwerer Fall vorliegen, da man gewerbsmäßig gehandelt habe. Erklärt man nun die eigentliche Tätigkeit, ändert der Staatsanwalt vielleicht seine Meinung – aber das führt nicht dazu, dass der Vorwurf fallen gelassen wird. Strafbar ist das Verhalten dann eben nicht als Betrug, sondern als Geldwäsche. Dafür ist nämlich kein Vorsatz erforderlich. Es reicht aus, dass der Beschuldigte leichtfertig gehandelt hat. Leichtfertigkeit liegt vor, wenn sich die Herkunft eines Gegenstands aus einer Katalogtat nach Sachlage geradezu aufdrängen muss und der Täter gleichwohl handelt, weil er dies aus besonderer Gleichgültigkeit oder grober Unachtsamkeit außer Acht lässt.

Hier befinden sich die Ansatzpunkte für eine Verteidigung durch einen Fachanwalt für Strafrecht: Musste es sich dem Beschuldigten wirklich aufdrängen, aus welcher Vortat die Gegenstände oder das Geld stammte? Musste der Beschuldigte hellhörig werden, nur weil die Kontaktaufnahme per E-Mail erfolgte? Gab es auffällig viele Rechtschreibfehler in den Schreiben? Erfolgte die Kommunikation ausschließlich per E-Mail ohne sonstige Erreichbarkeit des „Auftraggebers“? Wurde die Einschaltung des „Agenten“ plausibel erklärt? Wurde die Zuverlässigkeit des „Agenten“ geprüft? Stand die versprochene Vergütung in einem angemessenen Verhältnis zum Arbeitsaufwand? Der Strafverteidiger kann die Einzelheiten des Falls einordnen und dabei helfen, den Schaden zu begrenzen.

Wer mit dem Vorwurf des Betrugs oder der Geldwäsche konfrontiert wird, sollte frühzeitig anwaltlichen Rat einholen. Der gewerbsmäßige Betrug wird mit Freiheitsstrafe von 6 Monaten bis 10 Jahren geahndet, ebenso die gewerbsmäßige Geldwäsche. Für die leichtfertige Geldwäsche ist ein Strafrahmen von Freiheitsstrafe bis zu 2 Jahren vorgesehen. 

Eigene Erklärungsversuche gegenüber den Ermittlungsbehörden führen in den seltensten Fällen zum gewünschten Ergebnis. Es lauern Fallstricke, die man ohne Aktenkenntnis nicht erkennen kann. Mit der richtigen Strategie, dem nötigen Hintergrundwissen und etwas Fingerspitzengefühl ist mit anwaltlicher Hilfe in diesen Fällen aber oftmals eine Einstellung des Verfahrens zu erreichen. 

Bei weiteren Fragen nehmen Sie gern Kontakt auf!


Rechtstipp vom 04.04.2017
Aktualisiert am 05.04.2017
aus dem Rechtsgebiet Strafrecht

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