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Gemeinsamer Anwalt: Leidiges Thema für den Fachanwalt Familienrecht und teurer Irrtum für Mandanten

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Für jeden Fachanwalt für Familienrecht ist es immer wieder erschreckend, festzustellen, dass bei einem nicht unerheblichen Anteil der Mandanten in Familiensachen nachhaltig die Meinung herrscht, es gebe einen gemeinsamen Anwalt, der beide Ehegatten bei Trennung und Ehescheidung familienrechtlich beraten und vertreten könnte.

Einen solchen "gemeinsamen Anwalt " gibt es jedoch nicht - und es kann ihn auch nicht geben!

Ein Rechtsanwalt ist von Gesetzes wegen ein ausschließlich einseitiger Interessenvertreter. Ein Rechtsanwalt darf grundsätzlich weder Informationen seines Mandanten an den anderen Partner weitergeben, geschweige denn dessen Interessen vertreten oder den anderen Partner auch nur mitberaten.

Wer gleichzeitig auch die Interessen der Gegenseite vertritt, begeht als Rechtsanwalt Parteiverrat und macht sich daher strafbar.

Ehegatten haben in familienrechtlichen Angelegenheiten grundsätzlich gegensätzliche Interessen, auch wenn ihnen dies häufig nicht bewusst ist, weil sie wechselseitig nicht die jeweiligen gesetzlichen Ansprüche des anderen kennen und deshalb meinen, sich einig zu sein. Auch Verlobte, die sich wegen eines Ehevertrages an einen Fachanwalt für Familienrecht wenden, haben nicht wirklich übereinstimmende Interessen.

Ansprüche, die dem einen Ehegatten zustehen, sind auf der Kehrseite der Medaille immer Forderungen zu Lasten des anderen Ehegatten.

Dies gilt im Familienrecht und in den davon berührten zivilrechtlichen Gebieten insbesondere hinsichtlich Unterhalt, Zugewinnausgleich, Güterstand und Vermögensauseinandersetzung/Vermögensaufteilung. Eine rechtliche Beratung und/oder Vertretung durch einen gemeinsamen Anwalt kann und darf es daher auch im Bereich des Familienrechts nicht geben. Die strikte Beachtung der alleinigen Vertretung nur eines Ehegatten oder Verlobten ist daher auch ein wesentliches Merkmal für die Seriosität der anwaltlichen Beratung.

Ungeachtet dessen wird häufig - mit dem Argument der Kostenersparnis - gemeinsam ein Anwalt aufgesucht. Es kommt auch vor, daß der Ehegatte, der den Anwalt ausgesucht hat, dem anderen Ehegatten weismacht - es günstigstenfalls vielleicht auch nicht besser weiß - dass durch den beauftragten Anwalt auch des anderen Ehegatten Interessen gewahrt würden. Dies ist jedoch falsch. Tatsächlich ist der beauftragte Rechtsanwalt ausschließlich demjenigen Ehepartner verpflichtet, der ihn beauftragt hat und ihn deshalb auch bezahlen muss.

Der von dem einen Ehegatten beauftragte Fachanwalt für Familienrecht darf die Interessen des anderen Ehegatten nicht vertreten.

Wenn Sie nicht der Ehegatte sind, der den Anwalt ausgesucht und beauftragt hat, sollten Sie dies daher zum Anlass nehmen, sich einen eigenen Fachanwalt für Familienrecht zu suchen, der nur Ihre rechtlichen Interessen vertritt, der nur Sie familienrechtlich berät und ausschließlich Ihre anwaltliche Vertretung übernimmt. Nur wenn Sie bei Trennung und Ehescheidung selbst einen Fachanwalt für Familienrecht beauftragt haben, können Sie 100%ig sicher sein, dass es Ihr Anwalt ist, der ausschließlich Ihre rechtlichen Interessen vertritt und der nur Ihnen verpflichtet ist.

Auf eigene rechtliche Vertretung sollten Sie  auch im Ehescheidungsverfahren auf keinen Fall verzichten!

Rechtlich ist es zwar möglich, das Ehescheidungsverfahren aus Gründen der Kostenersparnis mit nur einem Anwalt durchzuführen. Auch dabei handelt es sich jedoch nicht um einen gemeinsamen Anwalt. Vielmehr beauftragt der antragstellende Ehegatte einen Fachanwalt für Familienrecht oder einen im Familienrecht kundigen Rechtsanwalt damit, die Scheidung zu beantragen. Der nicht anwaltlich vertretene Ehegatte benötigt im Scheidungsverfahren selbst keinen Rechtsanwalt. Er muss dem Scheidungsantrag lediglich zustimmen. Daraus resultiert möglicherweise auch die Vorstellung, es gebe einen gemeinsamen Anwalt für Familienrecht bei Trennung und Ehescheidung. Auch hier gilt jedoch:

Nur der antragstellende Ehegatte, der den Anwalt mit der Stellung des Scheidungsantrages beauftragt hat, ist durch einen auf das Familienrecht spezialisierten Rechtsanwalt vertreten. Der andere Ehegatte ist anwaltlich nicht vertreten.

Der nicht vertretene Ehegatte kann im Scheidungsverfahren auch keine eigenen Anträge stellen, sondern lässt das Verfahren quasi "über sich ergehen". Auch bei dieser Konstellation kann es im Scheidungsverfahren nachteilige rechtliche Konsequenzen für den  Ehegatten ohne Anwalt haben, wenn er nicht auch selbst anwaltlich vertreten ist und daher für ihn kein eigener Ehescheidungsantrag gestellt worden ist. Die nur einseitige anwaltliche Vertretung eröffnet dem Ehegatten, der den Scheidungsantrag gestellt hat, die Möglichkeit der Manipulation. So hat der Antragsteller im Scheidungsverfahren noch bis zum Scheidungstermin die Gelegenheit, den Ehescheidungsantrag wieder zurückzunehmen, um den Stichtag der Zustellung des Ehescheidungsantrages nachträglich zu beseitigen. Dies könnte beispielsweise dann vorteilhaft sein, wenn sich im Laufe des Verfahrens herausstellt. dass ein späterer Stichtag vielleicht günstiger für ihn wäre.

Dies wäre z.B. dann der Fall, wenn sich das eigene Vermögen zwischenzeitlichen vermindert hätte. Denn für die Berechnung des Anspruchs auf Zugewinnausgleich wird auf den Stichtag der Zustellung des Scheidungsantrages abgestellt. Wird der Scheidungsantrag zurückgenommen, gibt es den ursprünglichen Stichtag für die Zugewinnausgleichsberechnung nicht mehr.

Eine Rücknahme des Scheidungsantrages durch den Antragsteller wäre unter Umständen auch dann vorteilhaft, wenn sich die Vermögenslage des anderen Ehegatten, der keinen eigenen Scheidungsantrag gestellt hat, nach Einreichung der Ehescheidung verbessert hat. Zwischenzeitliche Vermögenszuwächse würden dann ebenfalls noch der Ehe hinzugerechnet, wenn der Scheidungsantrag zurückgenommen und später neu gestellt würde. Selbst im Falle des Todes des Antragsgegners könnte der Antragsteller die Rechtslage durch die Rücknahme des Ehescheidungsantrages ebenfalls noch zu seinen Gunsten manipulieren. Durch Rücknahme des Scheidungsantrages nach dem Tod des Ehegatten könnte der antragstellende Ehegatte sogar noch gesetzlicher Erbe des verstorbenen Ehegatten werden oder sich wenigstens noch Pflichtteilsansprüche sichern.

Alle diese Gründe sprechen dagegen, dem antragstellenden Ehegatten das Terrain der Gestaltungsmöglichkeiten allzu unbedarft und hinsichtlich möglicher Rechtsfolgen ahnungslos zu überlassen.

Wenn Sie sicher sein wollen, dass Ihre Interessen bei Trennung und Ehescheidung wahrgenommen werden, sollten Sie es sich daher wert sein, Geld in die bestmögliche anwaltliche Vertretung zu investieren.

Nicht geltend gemachte oder gar verlorene Ansprüche kosten Sie ein Vielfaches dessen, was Sie an Anwaltsgebühren sparen, wenn Sie selbst auf kompetente anwaltliche Vertretung durch einen Fachanwalt für Familienrecht verzichten.


Rechtstipp vom 06.07.2008
aus der Themenwelt Scheidungsantrag, Online-Scheidung und Co. und den Rechtsgebieten Familienrecht, Unterhaltsrecht

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