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Gepäckverlust und Gepäckbeschädigung von A-Z

Rechtstipp vom 21.06.2018
Rechtstipp vom 21.06.2018

Ein Problem, welches viele Menschen leider kennen:

Sie stehen an dem Gepäckband Ihres Zielflughafens und warten auf Ihr Gepäck, um endlich den langersehnten Urlaub zu beginnen. Sie warten und warten und denken, mein Koffer kommt gleich. Irgendwann sind Sie die letzte Person an dem mittlerweile leeren Band und der grausige Gedanke wird immer greifbarer, dass das herbeigesehnte Gepäckstück nicht mehr kommen wird. Welch ein Start in den Urlaub! Welche Ansprüche Sie in einem solchen Fall haben und wie Sie diese am besten geltend machen, erfahren Sie hier:

Was zählt unter Gepäck?

Die folgenden Ausführungen beziehen sich ausschließlich auf das von Ihnen aufgegebene Reisegepäck, also den Koffer, den Sie beim Einchecken auf das Band legen. Bei solchen Gepäckstücken trägt die Airline die Beweislast, das bedeutet, Sie können Ihre Ansprüche leichter geltend machen, weil die Fluggesellschaft beweisen muss, dass Sie den Schaden nicht verursacht oder das Gepäckstück nicht verloren hat. Dies ist für die Fluggesellschaft sehr schwierig. Im Gegensatz dazu tragen Sie die Beweislast bei Handgepäck, folglich müssen Sie hier Beweise vorlegen, dass die Airline für die Beschädigung oder den Verlust verantwortlich ist.

Wann habe ich einen Anspruch?

Gepäckverspätung:

Die Ansprüche auf Schadensersatz wegen einer Gepäckverspätung richten sich grundsätzlich nach dem Montrealer Übereinkommen. Dies findet keine Anwendung in Staaten, die das Montrealer Übereinkommen nicht genehmigt haben, hier gilt das Warschauer Abkommen, welches aber in den meisten Bereichen deckungsgleich ist. Auch keine Anwendung findet das Montrealer Abkommen bei innerstaatlichen Flügen oder bei Pauschalreisen, dies richtet sich nach nationalem Recht.

Art. 19 des Montrealer Übereinkommens normiert einen Schadensersatzanspruch für den Fall, dass sich Ihr Gepäck verspätet hat, aber ansonsten unbeschadet bei Ihnen ankommt. Die Höhe des Schadens ist an die Ausgleichszahlungen für Flugverspätung gemäß der EG-Verordnung 261/2004 angelehnt. Das bedeutet, ein Anspruch auf Schadensersatz ist ab einer Verspätung von 3 Std. möglich. Die Schadenshöhe ist abhängig von Ihren finanziellen Aufwendungen, die Sie durch die Gepäckverspätung erlitten haben.

Das bedeutet, es werden sowohl unmittelbar notwendige Neueinkäufe im Urlaub, als auch mittelbare Schäden ersetzt. Unter mittelbare Schäden fallen zum Beispiel zusätzliche Fahrtkosten für die Abholung des verspäteten Gepäcks. Notwendige Neueinkäufe können im Einzelfall Kleidung oder Drogerieartikel umfassen, solange Sie für den Urlaub unumgänglich waren (AG Bremen, Urteil vom 08.05.2007, Az. 4 C 7/07). Hierbei ist jedoch Vorsicht geboten, Sie dürfen die Umstände nicht ausnutzen, um sich einmal neu einzukleiden, es dürfen nur so viele neue Kleidungsstücke erworben werden, wie Sie für den Urlaub essentiell benötigen.

Gepäckbeschädigung:

Wenn Ihr Gepäck durch die Fluggesellschaft beschädigt worden ist, steht Ihnen ein Anspruch auf Schadensersatz gemäß Art. 17 des Montrealer Übereinkommens zu. Dieser umfasst den Wert des von der Fluggesellschaft verursachten Schadens.

Sollte das Gepäck schon vorher beschädigt sein, haftet die Fluggesellschaft dafür nicht. Auch wenn eine vorherige kleine Schädigung dazu führt, dass das Gepäckstück durch den Flug (Bsp. Druck) trotz korrektem Verhalten der Airline weiter beschädigt wird, ist ein Anspruch ausgeschlossen.

Muss aus dem Gepäck einzelne Artikel aus Hygiene- oder Sicherheitsgründen vernichtet werden, ist eine Haftung dafür ebenfalls ausgeschlossen (AG Frankfurt a.M., Urteil vom 15.01.2013, Az. 30 C 1914/12 (32)). In dem Urteil des Amtsgerichts Frankfurt wurde verdorbene Lebensmittel aus dem Gepäck entfernt und eine Entschädigung dafür abgelehnt.

Gepäckverlust:

Sollte Ihr Gepäck auf dem Hinflug verloren gehen, steht Ihnen selbstverständlich ein Anspruch auf die Kosten für notwendige Ersatzkleidung gemäß Art. 17 des Montrealer Übereinkommens zu. Auch hier gilt, es wird nur das ersetzt, was für die Reise essentiell ist, teure Markenkleidung oder eine übermäßige Anzahl an neugekauften Kleidungsstücken sind nicht erstattungsfähig.

Sollten Sie eine Pauschalreise gebucht haben, können Sie Ansprüche gegen Ihren Reiseveranstalter geltend machen. Hierbei kann der Reisepreis um bis zu 25 % gemindert werden.

Gegen wen habe ich einen Anspruch?

Der Anspruch richtet sich gegen den sogenannten Luftfrachtführer, das ist meistens die Fluggesellschaft, mit der Sie geflogen sind. Gelegentlich kommt es vor, dass der vertragliche Luftfrachtführer nicht der ausführende ist, dann müssen Sie sich an den vertraglichen halten.

Kann mein Anspruch ausgeschlossen sein?

Auch hier kann ein außergewöhnlicher Umstand den Anspruch gemäß Art. 19 des Montrealer Übereinkommens ausschließen, diese sind jedoch rar gesät. Mehr zum Thema außergewöhnliche Umstände finden Sie unter der Rubrik „Flugverspätung von A-Z“. Dabei ist immer zu beachten, dass die Fluglinie die Beweislast für solche Umstände trägt, ein pauschaler Hinweis der Airline genügt nicht.

Des Weiteren verjährt Ihr Anspruch nach 2 Jahren gemäß Art. 35 MÜ. Das heißt, Sie können innerhalb von zwei Jahren Ihre Ansprüche auch rückwirkend noch geltend machen. Falls Sie sich nicht sicher sind, ob Sie noch innerhalb der Frist liegen, helfen wir Ihnen gerne weiter.

Was muss ich tun, wenn mein Gepäck verloren ist?

Sobald Sie gemerkt haben, dass das Gepäckband leer bleibt, müssen Sie an den entsprechenden Flugschalter oder eine Information gehen und den Verlust melden. Dabei müssen Sie ein sogenanntes Verlustprotokoll ausfüllen, in dem Sie auch Ihre Kontaktdaten hinterlassen.

Sie sollten

  • den Verlust Ihres Gepäckes schnellstmöglich melden
  • Ihr Flugticket aufheben, darauf befindet sich die Registriernummer, die auf Ihr Gepäck geklebt ist
  • Heben Sie Quittungen, Rechnungen für neu erworbene Artikel und Kleidung sowie das Verlustprotokoll sorgfältig auf

Eine unverzügliche Anzeige ist bei Beschädigung und Verspätung zwingend notwendig.

Bei Beschädigung des Gepäcks gilt eine Anzeigefrist von 7 Tagen nach Kenntnis des Schadens.

Bei Verspätung des Gepäcks gilt eine Anzeigefrist von 21 Tagen, ab dem Zeitpunkt laufend, an dem Sie Ihr Gepäck tatsächlich erhalten haben.

Die Anzeige muss schriftlich erfolgen, gemäß Art. 31 Abs. 2 MÜ.

Wie hoch ist mein Anspruch?

Nach dem Montrealer Übereinkommen besteht eine Haftungsobergrenze für verspätetes, beschädigtes oder verlorenes Gepäck von 1.131 Sonderziehungsrechten gemäß Art. 22 Abs. II des Montrealer Übereinkommens. Dies entspricht ungefähr einem Wert von 1360 €, Stand Juni 2018. Diese Haftungsgrenze gilt nicht, wenn Ihnen der Nachweis gelingt, dass die Fluggesellschaft den Schaden vorsätzlich oder leichtfertig verursacht hat. Da Sie als Passagier dafür die Beweislast tragen, ist der Nachweis in der Praxis sehr schwierig.


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