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Gesellschaftsrecht für Gründer

Rechtstipp vom 13.03.2014
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Gerade in der interessanten – aber auch kritischen – frühen Phase der Unternehmensgründung stellt sich die Frage nach der richtigen Gesellschaftsform. Es gibt eine Idee, es gibt einen Businessplan, das Team steht und nun möchte man endlich loslegen. Müssen wir jetzt eine GmbH gründen? Eine UG? Oder doch lieber eine GbR? Und brauchen wir unbedingt einen Gesellschaftsvertrag?

Der folgende Beitrag soll kurz die verschiedenen Möglichkeiten der Unternehmensgründung beleuchten. Dabei soll und kann er nur ein allgemeiner Leitfaden sein und kann eine individuelle Beratung im Einzelfall nicht ersetzen.

1. Grundsatz: Personengesellschaft oder Kapitalgesellschaft

Im deutschen Gesellschaftsrecht unterscheidet man grundsätzlich zwischen Personengesellschaften (zum Beispiel: GbR, PartG, oHG, KG) und Kapitalgesellschaften (zum Beispiel: GmbH, UG, AG). Die Personengesellschaft wird von ihren Mitgliedern „gebildet“, während eine Kapitalgesellschaft aus ihrem Kapital „besteht“ und eine eigene (juristische) Person ist. Die Haftung in einer Kapitalgesellschaft beschränkt sich grundsätzlich auf das Gesellschaftsvermögen, während bei einer Personengesellschaft in der Regel ihre Mitglieder (bzw. wenigstens eines ihrer Mitglieder) persönlich für Verbindlichkeiten haften. Eine interessante Mischform ist die GmbH & Co. KG: Es handelt sich um eine Personengesellschaft (KG), deren einzig persönlich haftender Gesellschafter eine GmbH ist – also eine haftungsbeschränkte Kapitalgesellschaft.

2. Grundfrage: Was denn nun?

Für ein Unternehmen in der frühen Gründungsphase wird sich in der Regel die Frage stellen, ob das Unternehmen als GbR oder als GmbH (bzw. als UG, diese ist aber streng genommen keine eigene Unternehmensform sondern tatsächlich nur eine Mini-GmbH) geführt werden soll. Welche Unternehmensform dabei die richtige ist, lässt sich nicht pauschal beantworten. Beide Unternehmensformen haben Vor- und Nachteile, je nach Geschäftsmodell bietet sich die eine oder die andere Unternehmensform mehr oder weniger an.

3. Die GmbH (als Beispiel für eine Kapitalgesellschaft)

Der Betrieb eines Unternehmens in der Rechtsform einer GmbH ist in der Regel teurer und aufwendiger als in der Rechtsform der GbR. Bereits die Gründungskosten sind höher, da die GmbH nur vor einem Notar gegründet werden kann und in das Handelsregister eingetragen werden muss; auch muss ein Mindest-Stammkapital vorhanden sein (bei der GmbH: 25.000 €, wovon 12.5000 € sofort eingezahlt werden müssen). Auch die Buchführung ist aufwendiger, da die GmbH dazu verpflichtet ist, eine Bilanz zu erstellen.

Hinzu kommt, dass die GmbH „durchsichtiger“ ist als eine Personengesellschaft; sie muss bestimmte Zahlen, ihre Satzung sowie die Unternehmensträger öffentlich machen. Außerdem ist der Geschäftsführer der GmbH Verwalter fremden Vermögens (nämlich des Vermögens der GmbH), was dazu führt, dass ihn besondere Sorgfaltspflichten treffen und er sich bei deren Verletzung auch relativ schnell strafbar machen kann (Untreue, Insolvenzverschleppung, etc.).

Als Vorteil der GmbH steht dem gegenüber, dass ihre Haftung für Verbindlichkeiten grundsätzlich auf das Gesellschaftsvermögen begrenzt ist, d.h., dass die Gesellschafter in der Regel nicht persönlich für Verbindlichkeiten der GmbH haften. Weiterer Vorteil ist, dass Investoren leicht Anteile an der Gesellschaft erwerben können und die bestehenden Gesellschafter ihre Anteile leichter verkaufen können.

4. Die GbR (als Beispiel für eine Personengesellschaft)

Eine GbR ist schnell gegründet. Was viele nicht wissen: sobald sich mehrere Personen zusammenschließen, um einen gemeinsamen wirtschaftlichen Zweck zu verfolgen, bilden sie bereits eine GbR, ohne dass Sie hierfür etwa einen schriftlichen Gesellschaftsvertrag schließen müssen. Das bedeutet: wer sich mit anderen zusammentut, um ein Unternehmen zu gründen, bildet mit diesen anderen zusammen bereits eine GbR. Für das Verhältnis der Gesellschafter untereinander gelten dann, da keine abweichenden Regeln in einem Gesellschaftsvertrag getroffen wurden, die gesetzlichen Vorschriften (§§ 705 ff. BGB).

Zur Ermittlung der Steuerlast kann für die GbR die einfache Einnahmen-Überschuss-Rechnung (EÜR) durchgeführt werden, was die Buchhaltungs- und Steuerberatungskosten gering hält. Größter Nachteil der GbR ist die unbegrenzte Haftung der Gesellschafter für ihre Verbindlichkeiten und die Schwierigkeiten, die sich ergeben, wenn Gesellschafter in die Gesellschaft eintreten oder austreten wollen (insbesondere problematisch, wenn Investoren gewonnen werden wollen).

5. Der Gesellschaftsvertrag

Egal, ob eine Personengesellschaft oder eine Kapitalgesellschaft gegründet wird: die Gründer sollten sich über ihre vertragliche Beziehung zueinander ausführlich Gedanken machen. Wir empfehlen in jedem Fall, einen schriftlichen Gesellschaftsvertrag zu schließen. Warum? „Vertrag“ kommt von „vertragen“. Man schließt einen Vertrag, weil man sich verträgt und jetzt, im Stadium der Einigkeit, regeln möchte was passieren soll, wenn man sich einmal nicht mehr verträgt (oder auch nur in Einzelfragen unterschiedlicher Auffassung ist). Wenig ist unerfreulicher und teurer (für alle (!) Beteiligten), als ein Streit unter Gesellschaftern.

Der Vertrag sollte daher Bestimmungen enthalten, wer was in der Gesellschaft leisten muss, welche Entscheidungen mit welchen Mehrheiten getroffen werden sollen, wie die Gesellschafter die Gesellschaft wieder verlassen können, was dann mit der Gesellschaft passiert, was im Falle des Todes eines Gesellschafters geschehen soll, usw.

6. Fazit

Ob eine Personengesellschaft oder eine Kapitalgesellschaft gegründet werden soll, hängt von vielen Faktoren ab. Als Faustregel kann gelten: Wer im Zuge der Geschäftstätigkeit Fremdkapital einwerben muss oder möchte, und wer hohe finanzielle Risiken eingehen muss oder möchte, der sollte sich für eine Kapitalgesellschaft entscheiden. Für alle anderen ist in der Regel die Personengesellschaft die bessere Wahl. Daneben spielen noch diverse steuerliche Gesichtspunkte eine Rolle, die im Vorfeld der Gründung mit einem Steuerberater erörtert werden sollten. Wenn eine Kapitalgesellschaft gegründet werden soll, sollte auch daran gedacht werden, dass sich die Gründer hieran nicht persönlich, sondern über eigene Beteiligungsgesellschaften (Beteiligungs-GmbH) beteiligen können, was im Exit-Fall steuerliche Vorteile haben kann.

Die Entscheidungen, die im Zuge der Geschäftsgründung getroffen werden, beeinflussen maßgeblich die nächsten Jahre der Geschäftstätigkeit und möglicherweise das gesamte weitere Leben der Gründer. Daher sollte auf die vertraglichen Beziehungen zwischen den Gründern (also: den Gesellschaftsvertrag) einige Zeit und Mühe verwendet werden. Wir empfehlen, sich zunächst intern ausführlich Gedanken dazu zu machen und sodann eine professionelle Beratung in Anspruch zu nehmen.


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