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Getrenntleben innerhalb der ehelichen Wohnung

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Seien Sie vorsichtig, was den Zeitpunkt der Trennung vor einer gerichtlichen Ehescheidung angeht! Wollen Sie, aus welchen Gründen auch immer, schnell geschieden werden, also pünktlich nach Ablauf des gesetzlichen Trennungsjahres, darf kein Zweifel am Zeitpunkt der Trennung vom Ehegatten aufkommen. Das exakte Datum des Tages der Trennung sollte möglichst zweifelsfrei feststehen. 

In der Regel geht es um die finanziellen Auswirkungen, die mit der Ehescheidung zusammenhängen. Sei es das Interesse des unterhaltsberechtigten Ehegatten, für einen möglichst langen Zeitraum Trennungsunterhalt auf Basis der ehelichen Lebensverhältnisse zu beziehen. Sei es das Interesse des unterhaltsverpflichteten Ehegatten, diesen Zeitraum nach Möglichkeit auf ein Minimum zu verkürzen. Beim Zugewinnausgleich kann der Zeitpunkt der Trennung vom Ehegatten relevant werden, wenn ein Ehegatte Manipulationen an seinem Vermögen vornimmt, um es dem Zugriff des anderen Ehegatten zu entziehen. Auch für den im Rahmen des Scheidungsverfahrens durchzuführenden Versorgungsausgleich entfaltet das Trennungsdatum insoweit Wirksamkeit, als entsprechend früher oder später das Scheidungsverfahren eingeleitet werden kann. 

Je nach Interessenslage kann eine frühe Trennung im scheidungsrechtlichen Sinne für den einen Ehegatten finanziell äußerst vorteilhaft sein. Für den anderen Ehegatten kann sie sich dann finanziell entsprechend nachteilig darstellen.

Kritisch wird die Frage des Trennungszeitpunkts vor allem dann, wenn die Ehegatten auch nach erfolgter Trennung weiter innerhalb der ehelichen Wohnung oder innerhalb des ehelichen Hauses wohnen bleiben. Die schlichte Behauptung, man lebe „von Tisch und Bett“ getrennt, genügt im Regelfall nicht, wenn der andere Ehegatte diese Behauptung bestreitet. Derjenige Ehegatte, der im eigenen Interesse behauptet, ab einem bestimmten Zeitpunkt vom anderen Ehegatten getrennt gelebt zu haben, muss diese Behauptung detailliert darlegen und beweisen. 

Im Einzelnen muss er darlegen, auf welche Art und Weise die Nutzung der ehelichen Wohnung oder des ehelichen Hauses aufgeteilt wurde. Der behauptende Ehegatte muss darlegen, wie die räumliche und gegenständliche Trennung im Einzelnen erfolgte. Dazu gehört insbesondere auch das Schlafen in möglichst voneinander getrennten Räumen, das konsequente Unterlassen von Versorgungsleistungen – Kochen, Waschen, Putzen, Einkaufen – für den anderen Ehegatten und das getrennte Zubereiten und Einnehmen von Mahlzeiten. Sogenannte unerhebliche Gemeinsamkeiten, wie z. B. das Putzen gemeinsam genutzter Räume (Bad, Küche, Flur), steht der Annahme des Getrenntlebens im Sinne des § 1567 Abs. 1 Satz 2 BGB nicht entgegen. Auch die Trennung der finanziellen Angelegenheiten kann ein Indiz für eine tatsächlich vollzogene Trennung im scheidungsrechtlichen Sinne sein.

Zusammenfassend ist festzuhalten: Wer sich auf ein bestimmtes Trennungsdatum beruft, muss nachweisen, wenn der andere Ehegatte diesem Zeitpunkt widerspricht. 

Als grobe Faustformel gilt: Hat der eine Ehegatte aus finanziellen Gründen ein Interesse an einer frühen Ehescheidung, hat der andere Ehegatte ein ebenso starkes Interesse an einer späten Ehescheidung.


Rechtstipp aus dem Rechtsgebiet Familienrecht

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