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Google muss Bewertung ohne Text löschen – LG Lübeck

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Google muss eine 1-Sternbewertung eines Arztes ohne Text löschen. Die Bewertung wurde als unzulässige Meinungsäußerung eingestuft. Ein Meilenstein in der Entwicklung der Rechtsprechung in Sachen Bewertungen.

Die Meinungsmacht der Plattformen – hierzu zählt auch Google Maps – wird immer größer. Ebenso auch die Missbrauchsgefahr. Unternehmen und Selbstständige mussten bisher oft tatenlos zusehen, wenn geschäftsschädigende Bewertungen ohne jeden weiteren Text von pseudonymen Nutzern vergeben wurden. Alles wurde kurzerhand unter die Kommunikationsfreiheit und Meinungsfreiheit gefasst und damit legalisiert. Die Umstände des Einzelfalles wurden dabei stets außer Acht gelassen.

Umso erfreulicher ist nun das Urteil des Landgericht Lübeck, das urteilte, dass schlechte Bewertungen ohne tatsächlichen Anknüpfungspunkt, stets einen Verstoß darstellen.

Google wurde nun verurteilt, es zu unterlassen, eine 1-Sternbewertung ohne jeglichen Text zu verbreiten bzw. öffentlich zugänglich zu machen oder zugänglich machen zu lassen, LG Lübeck, 9 O 59/17, Urteil vom 13.06.2018.

Gibt man den Namen des Arztes oder des Unternehmens ein, tauchen die Kundenrezensionen häufig als die ersten Ergebnisse auf den Seiten der Suchmaschinen wie Google, Bing usw. auf.

Dies ist natürlich nicht unproblematisch, da negative Bewertungen dann meist sehr geschäftsschädigend für die Anbieter und Unternehmen sind, da der erste Eindruck zählt. Umsatzeinbußen und Imageschäden sind dann vorprogrammiert.

Die potentiellen Patienten, Kunden und Käufer werden dann regelrecht auf die Bewertungen gestoßen, auch wenn sie gar nicht auf der Suche nach den Bewertungen waren, sondern bspw. nur auf der Suche nach der Telefonnummer des Arztes. Durch die prominente Anzeige in den Suchergebnissen haben die Bewertungen dann eine direkte Auswirkung sowohl für Kunden, Patienten und Käufer als auch für Unternehmen, Ärzte, Restaurants, Hotels und alle anderen, die gewerblich tätig sind.

Auch im Onlinehandel auf Amazon und eBay haben Anbieter verstärkt mit falschen und geschäftsschädigenden Rezensionen zu tun. Hinzu kommen gezielte Rufmordkampagnen von konkurrierenden Online-Händlern, die es zu bekämpfen gilt.

Schlechte Bewertungen wirken sich negativ auf die Wahrnehmung der potentiellen Kunden aus. Es spielt dann keine Rolle mehr, wie hoch die objektive Qualität ist. Allein der Eindruck zählt, den die Bewertungen erzeugen. Dies führt oft zu einem verzerrten Bild der Wirklichkeit. Die Kunden bleiben aus.

Das Urteil stärkt die Rechte aller Unternehmen und selbstständigen, die im Internet von Pseudonymen schlecht bewertet werden.


Rechtstipp vom 22.06.2018
aus der Themenwelt Marketing und Internet und dem Rechtsgebiet Urheberrecht & Medienrecht

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