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Graffiti – Strafbarkeit des Sprayens

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In der Regel wird gegen Sie ein Ermittlungsverfahren eingeleitet, wenn man Sie direkt beim Sprayen antrifft oder wenn jemand bei der Polizei behauptet, Sie hätten gesprayt oder seien ein polizeibekannter Sprayer.

Wenn Ihnen der Vorwurf des Sprayens gemacht wird, kommt eine Strafbarkeit wegen Sachbeschädigung gemäß § 303 Abs. 2 StGB wegen „Veränderns des Erscheinungsbildes einer Sache" in Betracht. Darunter fällt jede, nicht nur unerhebliche Veränderung. Dabei ist nicht entscheidend, ob die Substanz der Sache verletzt wurde. Unter Umständen könnten Sie sich auch wegen gemeinschädlicher Sachbeschädigung gemäß § 304 Abs. 2 StGB strafbar gemacht haben. Dies ist immer dann der Fall, wenn Sie eine Sache bemalt haben, die dem öffentlichen Nutzen dient und jetzt nicht mehr dienen kann, beispielsweise Tags an einem Verkehrsschild. Wenn Sie zum Sprayen auf ein Grundstück eingedrungen sind, könnten Sie sich zudem wegen Hausfriedensbruchs gemäß § 123 StGB strafbar gemacht haben.

1. Was kommt auf Sie zu?

Wie immer gilt: machen Sie keine Angaben zur Sache! Schweigen Sie! Es ist möglich, dass eine Hausdurchsuchung bei Ihnen durchgeführt wird. Wie Sie sich in diesem Fall zu verhalten haben, können Sie meinem Artikel „Hausdurchsuchung - was ist zu tun?" entnehmen. Meist werden die Polizeibeamten Dosen, Edding, Caps, Blackbooks oder Skizzenhefte beschlagnahmen. Aber auch Fotos von Graffitis oder Magazine sind für die Ermittler interessant. Schlimmstenfalls kann auch Ihr PC beschlagnahmt werden. Beachten Sie dabei, dass die Beamten die auf Ihrem PC enthaltenen und vermeintlich von Ihnen gelöschten Daten wiederherstellen können. 

2. Zuordnung von Tags?

Wenn man Sie beim Sprayen eines Tags erwischt hat, kann man Sie nicht grundsätzlich für weitere gesprühte Tags desselben Namens verantwortlich machen. Das Gericht muss Ihnen jeden einzelnen Fall nachweisen.

3. Mit welcher Strafe ist zu rechnen?

Wenn Ihnen das Gericht nachweisen kann, dass tatsächlich Sie gesprayt haben, müssen Sie mit einer Verurteilung wegen Sachbeschädigung rechnen. § 303 Abs. 2 StGB sieht dabei einen Strafrahmen von Geldstrafe bis zu 2 Jahren Freiheitsstrafe vor. Die gemeinschädlichen Sachbeschädigung gemäß § 304 Abs. 2 StGB hat eine Strafandrohung von Geldstrafe bis zu 3 Jahren Freiheitsstrafe.Wenn Sie zur Tatzeit noch nicht 18 Jahre alt waren, wird Jugendstrafrecht angewendet. Wenn Sie zur Tatzeit zwischen 18 und 21 Jahren alt waren, kann Jugendstrafrecht angewendet werden. Im Bereich des Jugendstrafrechts können Sie mit Ermahnungen oder Weisungen, aber auch mit Arresten oder gar Jugendstrafe rechnen. Wie hoch die Strafe tatsächlich ausfällt ist von Fall zu Fall unterschiedlich. Entscheidend ist beispielsweise ob Sie schon strafrechtlich in Erscheinung getreten sind.

4. Schadensersatz?

Wenn Sie strafrechtlich verurteilt wurden, müssen Sie in der Regel noch mit Schadensersatzansprüchen der geschädigten Eigentümer rechnen. Beachten Sie, dass Ihr Geständnis im Strafprozess über die Akteneinsicht auch den Geschädigten bekannt werden kann! Diese werden Ihnen dann eine Rechnung übersenden. Sollten Sie nicht zahlen, wird man gegen Sie entweder das gerichtliche Mahnverfahren einleiten oder Sie verklagen. Ihr Geständnis im Strafprozess wird dann im anschließenden Zivilprozess ein erhebliches Indiz für Ihre Schuld sein.

Lassen Sie sich in jedem Fall von einem Anwalt für Strafrecht beraten. Er wird mit Ihnen eine Verteidigungsstrategie abstimmen, die über den strafrechtlichen Bereich hinaus alle Aspekte umfasst. Gerne übernehme ich bundesweit Ihre Verteidigung.

Ihre

Kristin Raddi

Fachanwältin für Strafrecht

Schumacher & Partner PartG mbB



Rechtstipp vom 04.02.2013
Aktualisiert am 20.06.2017
aus der Themenwelt Strafverfahren und dem Rechtsgebiet Strafrecht

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