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Greensill Bank AG: Zur Bewertung der bilanzierten Forderungskäufe

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Die BaFin hatte in einer forensischen Sonderprüfung festgestellt, dass die Greensill Bank AG, Bremen, nicht in der Lage sei, den Nachweis über die Existenz von bilanzierten Forderungen zu erbringen, die sie von der GFG Alliance Group angekauft hätte. 

Die Greensill Bank AG ließ hingegen verlauten, sie hätte „umfassende Ratschläge zur Klassifizierung der Vermögenswerte“ erhalten und auch, dass dieses transparent dargestellt worden sei.

Sehr wahrscheinlich handelt es sich bei den gekauften Forderungen um komplexe Finanzinstrumente, die nach den IFRS 9 (IFRS = International Financial Reporting Standards) bewertet wurden. Diese Forderungen werden nicht nach dem Kaufpreis wie in der klassischen Bilanzierung berechnet, sondern u.a. nach Eigenschaften der Zahlungsströme.

In der Situation von Krisen sind hingegen Überschuldungsbilanzen zu errichten, und zwar nicht nach Fortführungswerten, sondern nach Liquidationswerten („Zerschlagungswerten“). Die IFRS-Bedingungen verlieren in der Krise an Bedeutung.

Die Neubewertung kann dazu führen, dass die aufgekauften IFRS-Forderungen in der Krise nichts oder weniger wert sind, weil man etwa, will man die Forderungsausfallsversicherung in Anspruch nehmen, bei einer Forderung von z.B. 10.000,-- Euro ca. 5.000 Euro draufzahlen muss, um die Uneinbringlichkeit der Forderung nach mehreren Vollstreckungsversuchen zu beweisen. Der sofortige Verkauf des Forderungspaketes in der Krise kann also zu einem geringen Wert führen.

Ein Unternehmen soll nach IFRS 9.3.1.1 einen finanziellen Vermögenswert oder eine finanzielle Verbindlichkeit einzubuchen haben, wenn es Vertragspartei eines Finanzinstrumentes wird. 

Die Krise ist gegeben, wenn ein Investor abspringt oder wenn das Mutterunternehmen in die Insolvenz gerät, wie bei der Greensill Bank AG. In der Krise sind die Überschuldungsberechnungen nach Zerschlagungswerten permanent anzustellen.

Die IFRS sind anzuwenden, wenn beide Vertragsparteien komplexe Finanzinstrumente halten, vereinfacht formuliert. Maßgeblich für die Wertbemessung sind die Eigenschaften der Zahlungsströme des finanziellen Vermögenswerts (Zahlungsstrombedingung) sowie das Geschäftsmodell, innerhalb dessen die Vermögenswerte gehalten werden (Geschäftsmodellbedingung). Ohne die Anwendung der IFRS dürfte in  Deutschland nur der vereinbarte oder gezahlte Kaufpreis gebucht werden. 

In der Überschuldungsbilanz zählt nur das, was ein Käufer für den Wert zeitnah zahlen würde.

Fazit: Die IFRS-Bilanzierungen funktionieren nur bei Fortführungswerten, also in einer Lage ohne Krise, ohne Zahlungsschwierigkeiten und ohne Überschuldung. Dann also, wenn der Gläubigerschutz ohnehin gesichert ist. Tauchen Krisenmerkmale auf, überwiegt die Überschuldungsbilanz.


Rechtstipp aus dem Rechtsgebiet Insolvenzrecht

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