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Grobe Behandlungsfehler bei Geburten

Rechtstipp vom 14.11.2014
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Rechtstipp vom 14.11.2014
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Nach einer jüngsten Entscheidung des OLG Hamm vom 16.05.2014 (Az.: 26 U 178/12) stellt eine unterlassene Schnittentbindung, die die Geburt eines Kindes um 23 Minuten verzögert, einen groben Behandlungsfehler dar, wenn auffällige Herzfrequenzwerte des Kindes zuvor die ärztliche Entscheidung zu einer alsbaldigen Geburtsbeendung erfordert hätten. Aufgrund der auffälligen Herzfrequenzwerte des Kindes war die Entscheidung der Ärzte, anstelle einer Schnittentbindung die Geburt unter Anwendung eines Geburtshockers zu fördern, grob fehlerhaft. Zugunsten des geschädigten Kindes greift hinsichtlich des Primärschadens eine Beweislastumkehr, die nicht allein die unmittelbar herbeigeführte Erstschädigung erfasst, sondern auch die dadurch herbeigeführte gesundheitlichen Befindlichkeit in ihrer konkreten Ausprägung.

Auch wenn sich hier nicht genau feststellen lässt, wann die konkrete Schädigung (Asphyxie) eingetreten war, also möglicherweise auch schon vor Geburtsbeendigung durch Schnittentbindung, ist die zugunsten des Kindes eingetretene Beweislastumkehr nur dann ausgeschlossen, wenn der Ursachenzusammenhang unwahrscheinlich wäre. Ist das Ergebnis offen, liegt kein Ausschluss der Beweislastumkehr vor. Das führt dazu, dass das Krankenhaus auch für alle Aufwendungen haftet.

Auch das OLG Oldenburg hat in einer jüngsten Entscheidung im Oktober 2014 bei einer Geburt auf einen groben Behandlungsfehler erkannt, weil die Ärzte die Schulterdystokie entweder nicht erkannt oder nicht ordnungsgemäß auf diese reagiert hatten. Beides stelle einen groben Diagnose- bzw. Behandlungsfehler dar – das Nichterkennen deswegen, weil der Verdacht der Makrosomie, eine der wesentlichen Risikofaktoren der Schulterdystokie, im Raum gestanden habe und deswegen besondere Aufmerksamkeit geboten gewesen sei, und die nicht ordnungsgemäße Reaktion, weil es sich bei der Schulterdystokie um einen absoluten klinischen Notfall mit erheblichen Gefahren für Mutter und Kind handle.


Rechtstipp aus der Themenwelt Behandlung und Kunstfehler und den Rechtsgebieten Arzthaftungsrecht, Medizinrecht

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