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Gründung einer GmbH ohne vollständige Einzahlung von Stammkapital – Gestaltungsspielraum nutzen

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Viele Gründer gehen bei Gründung einer Gesellschaft irrigerweise davon aus, dass das Stammkapital vollständig eingezahlt werden muss. Obwohl das GmbH-Gesetz als Kehrseite für die Haftungsbegrenzung der GmbH-Vorschriften zur Sicherung der Kapitalaufbringung vorsieht, verbleibt hier eine gewisse Flexibilität. Der Ratgeber beschäftigt sich ausschließlich mit der sogenannten Bargründung. Die daneben bestehende Möglichkeit der Gründung einer GmbH durch Einbringung von Vermögenswerten (Sachgründung) ist wesentlich komplexer und wird an anderer Stelle durch den Autor vorgestellt.

Gründung auch ohne vollständige Erbringung von Stammkapital möglich

Nach § 7 Abs. 2 GmbHG kann die GmbH auch ohne vollständige Leistung der Stammeinlagen ins Handelsregister eingetragen werden. Bei Anmeldung der Gesellschaft zum Handelsregister müssen die Geschäftsführer lediglich versichern, dass auf jeden Geschäftsanteil ein Viertel des Stammkapitals eingezahlt ist. Insgesamt muss in Summe nur die Hälfte des Mindeststammkapitals einer GmbH eingezahlt werden.

Beispiel: A und B gründen eine GmbH mit einem Stammkapital von EUR 25.000. Beide übernehmen einen Geschäftsanteil von EUR 12.500. A zahlt auf seinen Geschäftsanteil bereits zu 80 Prozent ein (= EUR 10.000), während B lediglich das gesetzliche Minimum von 25% einzahlt. Dennoch kann die GmbH ins Handelsregister eingetragen werden, da

  1. auf jeden Geschäftsanteil mindestens ein Viertel der Einlage erbracht ist und
  2. zusammen mindestens die Hälfte des Mindeststammkapitals erbracht wurde.

Auch Rückzahlung der Einlage möglich – oft unbeabsichtigt

In der Praxis kommt es auch immer wieder vor, dass die erbrachte Einlage an den Gesellschafter zurückgezahlt wird. Dies ist nach § 30 GmbHG nur insoweit unzulässig, als dadurch das Stammkapital nicht angegriffen wird.

Praktisch kann eine solche Rückzahlung oft unbewusst geschehen. Oftmals ist es so, dass ein Gesellschafter Dienstleistungen für die GmbH gegen Rechnung erbringt oder dieser Vermögenswerte verkauft (z. B. ein Fahrzeug, bestehende Büroausstattung, etc). Wenn der hierfür festgesetzte Preis nicht dem objektiven Marktwert entspricht, führt dies zu einer unbeabsichtigten Rückzahlung geleisteter Einlagen.

Ein weiterer sehr verbreiteter Fall ist die Gewährung einer überhöhten Vergütung der Gesellschafter-Geschäftsführer.

Geschäftsführung kann jederzeit die restliche Einlageleistung verlangen

Die Geschäftsführer der GmbH haben jederzeit die Möglichkeit den Gesellschafter zur Leistung seiner offenen Einlage aufzufordern. Dieser Aufforderung hat der Gesellschafter nachzukommen. Im Einzelfall kann es daher ratsam sein, in der Satzung eine beschränkende Bestimmung aufzunehmen. In Betracht kommt hier vor allem, dass nicht ein einzelner Geschäftsführer hierüber bestimmt, sondern ein Gesellschafterbeschluss erforderlich sein soll.

Folgen unterbliebener Einlagenleistung

Als Ausgleich für diese Freiheiten sieht das GmbH-Gesetz scharfe Maßnahmen vor, wenn ein Gesellschafter seiner Einlagenpflicht trotz Aufforderung nicht nachkommt. Im Extremfall können seine Anteile eingezogen und öffentlich versteigert werden (Kaduzierung). 


Rechtstipp vom 11.01.2018
aus der Themenwelt GmbH und dem Rechtsgebiet Handelsrecht & Gesellschaftsrecht

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