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Grundsätzliche Anmerkungen zur Anlegerberatung und Verlusten bei Kapitalanlagen

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Vorsorgen ist besser als Nachsorge zu betreiben aber nicht immer einfach. Die Lebenserfahrung zeigt, dass viele von uns in gewissen Bereichen Schwächen haben, die entsprechende Entscheidungen nach sich ziehen können. Bei Eingestehen dieses Umstandes kommt folgerichtig die Frage der Nachsorge auf. Bei Kapitalanlagen sollte der Kapitalanleger spätestens beim Eintritt von Verlusten sich primär fragen, ob die Verkäufer/Vermittler/Berater ihn richtig beraten haben und nicht, ob er eine schlechte Anlageentscheidung getroffen hat.

Eine Haftung wegen unterlassener oder fehlerhafter Anlageberatung aufgrund der Verpflichtung zur Beratung greift in weit mehr Fällen ein, als der Anleger erwartet. Eine Verpflichtung zur Beratung kommt meist durch die konkreten Umstände sehr schnell zustande.

Die Anforderungen an eine anleger- und anlagengerechte Beratung sind grundsätzlich klar, im Einzelfall jedoch von den Gesamtumständen abhängig und deshalb nicht immer leicht und sofort zu beantworten. Dies hängt z.B. auch von der Komplexität des Kapitalanlageprodukts ab, das vom Berater ein hohes Verständnis in technischer, struktureller und rechtlicher Hinsicht abfordert. Andererseits sind die Wünsche, Ziele, Erfahrungen, Risikoneigung etc. des Kapitalanlegers bei der Beratung zu berücksichtigen. Ohne eine sorgfältige Erfassung, Auswertung und nachvollziehbare Beratung und Empfehlungen von Kapitalanlagen ist eine anlegergerechte Beratung nicht zu erfüllen. Ob sich die neue Dokumentationspflicht zur Beratung zugunsten des Anlegers auswirken wird, wird die Zukunft zeigen.

Die bisherige Erfahrung zeigt, dass Anleger oft fehlerhaft und schlecht oder gar nicht beraten werden. Dies wird z.B. sehr klar, wenn einem Anleger zur Altersvorsorge stark risikobehaftete Anlagen empfohlen und verkauft werden. Dies ist generell problemlos zu bejahen bei Optionen, Termingeschäften, CFDs, atypisch stille Beteiligungen, Penny Stocks, der Kreditfinanzierung solcher Anlagen u.s.w.

Spätestens zum Zeitpunkt des Eintritts von Verlusten sollte der Anleger sich kritisch fragen wieso es dazu kam und ob er beurteilen kann, ob die Verkäufer/Vermittler/Berater ihn richtig beraten haben. In drastischen Fällen, wie oben angedeutet, kommt der Anleger selbst zur Einschätzung, dass er wohl fehlerhaft beraten wurde. Jedoch gibt es bei der Beratung viele tatsächliche und rechtliche Hürden, die die Verkäufer/Vermittler/Berater nicht selten „umschiffen" und vom Anleger mangels Kenntnissen nicht festgestellt werden.

Beispielhaft sei hier das Problem mit den Provisionen, Rückvergütungen oder Kick Back Zahlungen genannt. Die Nichtaufklärung über die Provisionen hat Schadensersatzansprüche zur Folge, was in der Regel zur Rückabwicklung führt. Mittlerweile dürfte dieser Umstand einer größeren Anzahl von Anlegern aufgrund von Veröffentlichungen etc. bekannt sein. Aber ohne diese Aufklärung käme der durchschnittliche Anleger wohl eher nicht auf die Idee, ob er wegen der Nichtaufklärung zu geflossenen Provisionen eventuell Schadensersatzansprüche hat.

Der Insolvenzfall von Lehmann Brothers macht noch mehr deutlich. Sicherlich lagen bei all den Käufen von Lehmann Brothers Zertifikaten oft Falschberatungen im mehrfacher Hinsicht vor. Die Masse der Anleger von Lehmann Brothers Produkten hat jedoch erst reagiert, als die Insolvenz von Lehmann Brothers bekannt wurde und es sich gezeigt hat, dass die Berater/Vermittler/Banken über das Emittentenrisiko nicht aufgeklärt haben. Dies zeigt andererseits, dass der durchschnittliche Anleger dem Verkäufer/Vermittler/Berater in der Regel ohne Grund nicht nur zu viel Vertrauen entgegenbringt, sondern auch darauf vertraut, dass die Anlage, d.h. die zukünftige Entwicklung der Kapitalanlage sich doch oder nach einem Verlust doch noch positiv entwickeln wird. Unsere Erfahrung zeigt, dass Kapitalanleger bildlich gesprochen oftmals die „Katze im Sack" oder zumindest "Teile einer Katze im Sack" kaufen.

Der Anleger sollte sich deshalb immer von Anbeginn an fragen, ob er z.B. neben den Renditechancen, die meist - oft allerdings geschönt bzw. übertrieben optimistisch - dargestellt werden auch alle Faktoren zum Zeitpunkt der Anlagenentscheidung kannte, die das Risiko der Kapitalanlage definieren oder beeinflussen. Meist ist der Anleger aber aufgrund fehlerhafter Beratung und mangels eigener Kenntnisse nicht in der Lage alle Risikofaktoren zu erkennen. Was er jedoch immer tun sollte ist sich zu fragen, wie viele echte und nachvollziehbare Informationen er während der Beratung erhielt und welchen Anteil eine psychologisch gekonnte Verkaufstechnik und Gesprächsführung die Beratung hatte. Die Anlageberatung und der Verkauf von Kapitalanlagen ist durch die tatsächlichen Gegebenheiten bis zum heutigen Tage nicht zu trennen.

Handelt eine Person z.B. an der Börse, so verzeiht das positive Marktumfeld und die positive Entwicklung alle Fehler, die begangen wurden. Dadurch wird gleichzeitig bei fehlender Analyse nicht klar, welche Fehler dennoch begangen wurden. Bei schlechter Marktentwicklung verzeiht der Markt nichts. Und deshalb darf der Kapitalanleger auch keinesfalls auf die Idee kommen, dass er und natürlich auch sein Verkäufer/Vermittler/Berater einfach Pech hatten. Denn wesentlich für die Anlageentscheidung war die Beratung und eine fehlerhafte Beratung zeigt sich für den Kapitalanleger leider meist erst durch den Nichteintritt des Erfolgs bzw. den Eintritt von Verlusten.

Bei einer Überprüfung von Kapitalanlagen vor einer Anlagenentscheidung versteht sich der in diesem Gebiet erfahrene Rechtsanwalt keineswegs als „Bremser" von Möglichkeiten und Chancen. Seine Aufgabe hat das gleiche - aufgabenmäßig jedoch eingeschränkte - Ziel wie eine Anlageberatung, d.h. den Anleger nach Erhalt und Kenntnis aller notwendigen Informationen in die Lage zu versetzen eine eigene Anlageentscheidung treffen zu können.

Erst durch die Überprüfung nach einer getätigten Anlageentscheidung stellt sich die Frage von Schadensersatzansprüchen. Ein Abwarten bis evtl. ein Verlust eingetreten ist kann der Rechtsanwalt jedoch nicht empfehlen. Eine solche Einstellung ist aus mehreren Gründen nicht angebracht. Der Zeitablauf verschlechtert grundsätzlich die Beweis- und auch die Verhandlungsposition. Weiter kann ein relevanter oder gar ein Totalschaden jederzeit eintreten - siehe Lehmann Brothers. Weiter gibt es vertragliche und vor allem gesetzliche Fristen, die zu beachten sind, z.B. Anfechtungs- und Verjährungsfristen. Aber im Einzelfall können Schadensersatzansprüche auch erst nach 10 Jahren verjähren.

Psychologische Hemmnisse wie z.B. als gieriger Anleger oder gar Zocker dargestellt zu werden sind Fehl am Platze. Auch das sogenannte „Aussitzen" von schlechten Marktphasen ist grundsätzlich nicht zu empfehlen. Weiter sollte der Anleger selbst beim Eintritt von gravierenden Verlusten sich keinesfalls mit irgendwelchen verharmlosenden Erklärungen der Vermittler/Berater zufrieden geben. Es geht einfach darum, ob die Verkäufer/Vermittler/Berater ihren Beratungspflichten nachgekommen sind oder nicht.

Der bekannte Satz „wirf gutes Geld nicht dem schlechten hinterher" ist bei Kapitalanlagen meist schon aufgrund des Kapitaleinsatzes, der weiteren Risiken wie Nachforderungen und den nicht selten damit verbundenen existenziellen Folgen für den Anleger nicht angebracht.

Lassen Sie Ihre Kapitalanlage bei den ersten Anzeichen von Misstrauen oder dass sich etwas nicht wie beabsichtigt oder vereinbart entwickelt hat von einem Fachmann überprüfen. Versierte Rechtsanwälte, die auch die technischen und strukturellen Faktoren komplexer Kapitalanlagen und die Vertriebsarten der Kapitalanlagen kennen, können nach einer Prüfung immer feststellen, ob bei Ihrer Anlage durch die Geltendmachung von Ansprüchen etwas erreicht werden kann oder auch nicht.

Natürlich muss jeder Anleger selbst beurteilen was ihm das wert ist und ob er Klarheit will. Welche Summe hat er in Bezug zu seiner Einkommens- und Vermögenssituation investiert und ist aufgrund dieser Summe eine rechtliche Überprüfung angemessen ist dabei eine Frage.

Grundsätzlich empfehlen wir ohne bereits eingetretener Verluste relevante Investitionen in Kapitalanlagen immer überprüfen zu lassen. Oft bietet es sich an, die Anlageberatung und den Kauf der Kapitalanlage über ein Pauschalhonorar kostengünstig überprüfen zu lassen. Der versierte Rechtsanwalt kommt nicht selten trotz der klaren vertraglichen Bestimmungen zu einem Ergebnis, dass die teilweise komplexen tatsächlichen Umstände und vielfachen rechtlichen Hürden ergeben, dass nicht nur Risiken sondern auch Ansprüche bestehen.

Peter Ganz-Kolb

Rechtsanwalt


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