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Häufige Irrtümer rund ums Erben und Vererben

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In kaum einem anderen Rechtsgebiet halten sich weitverbreitete Irrtümer so hartnäckig, wie im Erbrecht. Einige Beispiele möchte ich Ihnen nachfolgend aufzeigen.

Ich kann mein Testament am Computer oder mit der Schreibmaschine schreiben

Oft werden maschinengeschriebene Testamente vorgelegt, die sorgsam beschreiben, wen der Verstorbene als Erben einsetzen will und die mit Hand unterschrieben sind.

Doch das alles nützt nichts: Ein solches Testament ist nicht wirksam, denn es gibt grundsätzlich nur zwei Arten, ein Testament wirksam zu errichten: entweder Sie schreiben es von der ersten Zeile bis zur letzten Zeile handschriftlich selbst oder Sie lassen es von einem Notar beurkunden.

Notarielles Testament geht vor handschriftlichem

Auch das ist falsch. Ein notarielles Testament ist nicht „wertvoller“ als ein handgeschriebenes. Wichtig ist nur, welches wirksame Testament das zuletzt verfasste ist. Es heißt ja nicht umsonst „letzter Wille“. Maßgeblich ist also nur, welches Dokument den letzten, nicht mehr abgeänderten Willen des Verstorbenen darüber ausdrückt, an wen sein Erbe fallen soll.

Wenn ich will, kann ich meine Familie ohne besondere Gründe komplett enterben

Das ist unter normalen Umständen nicht richtig. Zwar kann man in seinem Testament bestimmen, dass der eine oder andere, oder auch alle nahen Angehörigen und der Ehegatte nicht erben sollen. Das hat dann aber bei den nahen Angehörigen und dem Ehegatten nicht zur Folge, dass diese nichts bekommen. Ihnen bleibt der Pflichtteil, den der Gesetzgeber als Grenze eingebaut hat.

Meine Mutter darf mein Erbe nicht verschleudern

Grundsätzlich kann eine Mutter nach dem Tod ihres Ehemannes mit dem Nachlass Ihres Mannes tun und lassen, was sie will. Das gilt natürlich auch anders herum. Es besteht in der Regel kein Anspruch der Kinder gegen die Mutter, dass für sie nach dem Tod der Mutter noch ein Erbe übrigbleibt.

Grundsätzlich wird jeder, der erbt, Alleininhaber des Erbes. Damit kann Ihre Mutter tun und lassen, was sie will.

Ausnahme: Ihr Vater hatte z. B. in einem gemeinsamen Testament mit der Mutter eine Vor- und Nacherbschaft vereinbart und Sie als Nacherben eingesetzt. Dann wäre Ihre Mutter nur Vorerbin Ihres Vaters geworden und dürfte das Erbe Ihres Vaters nicht in der Substanz angreifen und verbrauchen.

Vorsicht: nicht verwechseln mit dem Begriff „Schlusserbe“.

Ich habe einen Pflichtteilsanspruch – die Erben müssen mir den Nachlass nennen und belegen

Stimmt nur zum Teil:

Der Erbe ist zwar dem Pflichtteilsberechtigten gegenüber auskunftspflichtig über den Bestand des Nachlasses, er muss aber keine Belege vorlegen! Das ist leider ein großes Problem im deutschen Erbrecht und bringt leider auch bei gerichtlichen Streitigkeiten Probleme, denn wenn der Erbe behauptet, der Nachlass sei überschuldet, dann reicht das aus! Der Erbe muss nicht beweisen, dass der Nachlass überschuldet ist. Der Pflichtteilsberechtigte muss beweisen, dass dem nicht so ist. Das ist ein Ding der Unmöglichkeit!

Wir haben unserem Sohn vor 3 Jahren ein Haus geschenkt – das hat doch wohl Auswirkungen auf seinen Pflichtteil

Falsch. Grundsätzlich muss Ihr Sohn sich solche Schenkungen nur auf seinen Pflichtteilsanspruch anrechnen lassen, wenn Sie dies bei der Schenkung bereits so bestimmt haben. Diese Bestimmung kann auch mündlich, sollte aus Beweisgründen aber immer schriftlich vereinbart werden.

Wenn Sie nichts bestimmt haben, dann wird das Geschenk nicht angerechnet.

Nachträglich können Sie eine solche Bestimmung nicht mehr einseitig treffen. Auch nicht nach dem neuen Erbrecht.


Rechtstipp vom 16.03.2017
aus der Themenwelt Erbe und Nachlass und dem Rechtsgebiet Erbrecht

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