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Häufige Rechtsmythen auf der Kreuzung

Rechtstipp vom 07.01.2019
Rechtstipp vom 07.01.2019

Kaum ein Bereich im Straßenverkehr birgt so viel Konfliktpotenzial wie eine Kreuzung. Rund um Ampeln, Vorfahrt und Verkehrsschilder gibt es dabei eine Vielzahl von weitverbreiteten Rechtsmythen, die sich bei näherer Betrachtung als falsch herausstellen.

1. Verkehrsschilder gelten nur bis zur nächsten Kreuzung

Autofahrer unterliegen einem Irrtum, wenn sie denken, eine Geschwindigkeitsbegrenzung gelte nach einer Kreuzung nicht mehr, wenn diese nicht erneut angezeigt wird. Vielmehr gilt jedes Tempolimit immer so lange, bis es durch ein weiteres Schild aufgehoben wird. Dabei ist es ganz egal, wie viele Straßen kreuzen.

2. Die Straßenbahn hat immer Vorfahrt

Eine grundsätzliche Vorfahrt der Tram gibt es nicht. Nur die Bahn, die in die gleiche oder entgegengesetzte Richtung parallel fährt, hat Vorfahrt, wenn man mit dem Auto abbiegen möchte. Bei Querverkehr oder wenn die Straßenbahn abbiegt, gelten hingegen die regulären Vorfahrtsregeln. Generell gilt: Wenn Ampeln oder Verkehrsschilder die Vorfahrt regeln, gehen diese vor.

3. Bei Grün darf man immer in die Kreuzung einfahren

Wer kennt das nicht? Im Berufsverkehr zeigt die Ampel Grün, aber die Kreuzung ist schon voller Autos. § 11 StVO regelt, wie man sich verhalten muss: Stockt der Verkehr, darf man trotz grüner Ampel nicht in die Kreuzung einfahren, wenn man dort warten müsste. Bei voller Kreuzung heißt es also anhalten und bis zur nächsten Grünphase warten.

4. Spurwechsel auf der Kreuzung sind verboten

Falsch! Laut § 7 StVO darf man die Spur wechseln, solange das nicht ausdrücklich verboten ist und man die Sorgfaltspflichten einhält. Auch auf Kreuzungen darf also der Fahrstreifen gewechselt werden. Hingegen ist es nicht erlaubt, im Kreuzungsbereich von der Geradeausspur auf die Linksabbiegerspur zu wechseln, um absichtlich das Rotlicht zu umgehen.

5. Bei ausgeschalteter Ampel gilt immer rechts vor links

Seit 1925 regeln Ampeln den deutschen Straßenverkehr. Umso wichtiger ist es, zu wissen, wie man sich verhalten muss, wenn die Ampel einmal ausgeschaltet ist – häufig ist das vor allem nachts der Fall. Dann regeln die neben der Ampel angebrachten Verkehrszeichen die Vorfahrt. Erst wenn es keine Schilder gibt, gilt der Grundsatz „rechts vor links“.

6. Unter keinen Umständen darf man bei Rot fahren

Das stimmt nur bedingt. Ist eine Ampelanlage defekt und zeigt sogenanntes „Dauerrot“, muss man nicht ewig stehen bleiben. Nach einer angemessenen Wartezeit darf man sich in die Kreuzung tasten und muss sich durch Handzeichen mit den anderen Verkehrsteilnehmern verständigen. Achtung: Hier ist damit zu rechnen, dass der Querverkehr „Dauergrün“ hat!

7. Bei Gelb darf man noch über die Ampel fahren

Wenn die Ampel auf Gelb springt, schnell Gas geben, damit man noch über die Kreuzung kommt? Das sollte man lieber nicht tun. Die StVO ist deutlich: Bei Gelb muss man anhalten und auf die nächste Grünphase warten. Ausnahmen: Bei Gelb fahren darf man dann, wenn man nicht mehr rechtzeitig vor der Kreuzung zum Stehen kommen oder einen Auffahrunfall riskieren würde.

8. Für Radfahrer gelten Fußgängerampeln

An einigen Kreuzungen gibt es in Verbindung mit Fußgängerampeln spezielle Fahrradampeln. Sind diese nicht vorhanden, orientieren sich Radfahrer häufig an der Fußgängerampel. Das ist jedoch nicht erlaubt! Wer mit dem Drahtesel unterwegs ist, muss sich an das allgemeine Verkehrslicht, also die Autoampel, halten.

9. Bei einem Grünpfeil-Schild darf man sofort rechts abbiegen

Den grünen Pfeil neben der Ampel gibt es bereits seit 40 Jahren. Dennoch wissen viele nicht, welches Verhalten er erfordert. Wichtig zu wissen: Der Grünpfeil gleicht einem Stoppschild! Man darf nicht einfach unabhängig vom Rotlicht der Ampel nach rechts abbiegen, sondern muss an der Haltelinie stehen bleiben und Querverkehr und Fußgänger durchlassen.

10. Das Umfahren einer roten Ampel ist verboten

Nicht ganz: Verlässt man bei einer roten Ampel die Fahrbahn und umgeht das Haltegebot über den Gehweg, Radweg, Parkstreifen oder die Busspur, so handelt es sich um einen Rotlichtverstoß. Fährt man hingegen bereits vor der Ampel auf ein Privatgelände (z. B. eine Tankstelle) und verlässt dieses auf der anderen Seite der Kreuzung wieder, liegt keine Ordnungswidrigkeit vor.


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