Häusliches Arbeitszimmer bald für alle?

aus dem Rechtsgebiet Steuerrecht

Können Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer nur steuerlich geltend gemacht werden, wenn der jeweilige Raum (nahezu) ausschließlich für betriebliche/berufliche Zwecke genutzt wird und können diese Aufwendungen entsprechend der jeweiligen Nutzung aufgeteilt werden? Der IX. Senat des BFH hält eine solche Aufteilung für möglich und hat diese Rechtsfragen dem Großen Senat des BFH zur Entscheidung vorgelegt

Der Beschluss ist ein Paukenschlag und hätte weitreichende Folgen, für die Steuerpflichtigen und den Fiskus.

Folgt der Große Senat dieser Auffassung, dann wird dies weitere Fragen aufwerfen, die der vorlegende IX. Senat unter dem Vorsitz des Präsidenten Prof. Dr. Mellinghof ausdrücklich ausgeblendet hat: Die kleine Arbeitsecke im Wohnzimmer und das immer noch umstrittene Problem der Bilanzierung mit der Folge der Erfassung aller stillen Reserven des Wirtschaftsguts Arbeitszimmer, für das die Aufwendungen gar nicht oder nur teilweise abzusetzen waren.

Steuerpflichtigen ist dringend zu raten, entsprechende Fälle offen zu halten (also mindestens 2012 und 2013) und die genannten Fragen zum Gegenstand ihrer Einkommensteuererklärungen zu machen, also ein Arbeitszimmer geltend zu machen, auch wenn die aktuellen Gesetze dies nicht zuließen. Angesichts der Einlassung des dem Verfahren beigetretenen BMF ist auch nicht auszuschließen, dass eine missliebige Entscheidung des Großen Senats ein Nichtanwendungsgesetz nach sich zieht.

Fraglich war im Streitfall die Rechtsfrage, ob der Begriff des häuslichen Arbeitszimmers voraussetzt, dass der jeweilige Raum (nahezu) ausschließlich für betriebliche/berufliche Zwecke genutzt wird oder nur anteilig, im Streitfall nur zu 60 Prozent. Nach der bisherigen Rechtsprechung des BFH sowie nach Auffassung der Finanzverwaltung ist ein häusliches Arbeitszimmer ein Raum, der seiner Lage, Funktion und Ausstattung nach in die häusliche Sphäre des Steuerpflichtigen eingebunden ist, vorwiegend der Erledigung gedanklicher, schriftlicher, verwaltungstechnischer oder -organisatorischer Arbeiten dient und ausschließlich oder nahezu ausschließlich zu betrieblichen und/oder beruflichen Zwecken genutzt wird; eine untergeordnete private Mitbenutzung ist jedoch unschädlich (vgl. hierzu BMF, Schreiben v. 2.3.2011). Ob an dieser Auffassung nach Ergehen des Beschlusses des Großen Senats zur Aufteilung der Aufwendungen für eine gemischt veranlasste Reise (BFH, Beschluss v. 21.9.2009 - GrS 1/06) noch festgehalten werden kann, war zuletzt mehrfach in Frage gestellt worden.

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            Rechtsanwalt und Steuerberater Benjamin Schmidt (Kanzlei Schmidt & Partner, Steuerberater / Rechtsanwälte) Rechtsanwalt und Steuerberater Benjamin Schmidt

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