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Haftet der Beirat in einer WEG? Worauf muss der Beirat achten?

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Ein gut arbeitender Verwaltungsbeirat ist für eine Wohnungseigentümergemeinschaft extrem wichtig. In der Praxis ist es jedoch schwer, geeignete Personen für diese Aufgabe zu finden. Eine Tätigkeit im Verwaltungsbeirat ist meist ehrenamtlich und zeitaufwendig. Darüber hinaus, und das schreckt viele Personen besonders ab, besteht ein hohes Haftungsrisiko.

Wann haftet der Beirat? 

Der Verwaltungsbeirat und jedes Mitglied des Verwaltungsbeirats müssen für Fehler bei der Ausübung des Amtes haften, wenn der WEG ein Schaden entstanden ist. Dieser muss vom Beirat schuldhaft verursacht worden sein.

Das Aufgabengebiet des Verwaltungsbeirats ist in § 29 Abs. 3 WEG-Gesetz gesetzlich geregelt:

„Der Wirtschaftsplan, die Abrechnung über den Wirtschaftsplan, Rechnungslegungen und Kostenanschläge sollen, bevor über sie die Wohnungseigentümerversammlung beschließt, vom Verwaltungsbeirat geprüft und mit dessen Stellungnahme versehen werden.“

Die Nicht- oder Schlechterfüllung dieser Verpflichtungen kann Schadensersatzansprüche der Wohnungseigentümergemeinschaft auslösen. Jedes Beiratsmitglied haftet grundsätzlich für vorsätzliches und fahrlässiges Handeln. Im Rahmen der Eigentümerversammlung kann jedoch durch Beschluss eine Haftungsbeschränkung auf Vorsatz und grobe Fahrlässigkeit vereinbart werden. Diese Haftungsbeschränkung kann entweder für den gesamten Beirat oder für einzelne Mitglieder des Beirats beschlossen werden.

Ein Haftungsausschluss für grob fahrlässiges Handeln ist jedoch nicht möglich. Ein entsprechender Beschluss ist anfechtbar. Es bleibt daher immer ein Haftungsrisiko. Grobe Fahrlässigkeit liegt beispielsweise bei einer Verletzung der Prüfpflichten und der Nichtberücksichtigung von Sicherungsvoraussetzungen bei Kontoverfügungen vor.

Der Verschuldensmaßstab richtet sich nach den persönlichen besonderen Qualifikationen der jeweiligen Person im Beirat. Von einem Rechtsanwalt oder einem Architekten ist beispielsweise eine tendenziell höhere Sorgfalt zu erwarten. Diese orientiert sich an der beruflichen Sorgfalt. Es ist also möglich, dass die gleiche Handlung bei einem Beiratsmitglied ein fahrlässiges Verhalten und bei einem anderen Beiratsmitglied ein grob fahrlässiges Verhandeln darstellt. Es kann also sein, dass manche Mitglieder des Beirats haftbar sind und andere wiederum nicht.

Haftet der Beirat oder das Mitglied persönlich?

Es haftet jedes Mitglied persönlich. Ein Schadensersatzanspruch wird daher nicht gegenüber dem Beirat, sondern der jeweiligen Person geltend gemacht. Es handelt sich jedoch um einen gesamtschuldnerischen Anspruch. Gesamtschuldnerisch heißt, dass ein Beiratsmitglied grundsätzlich auch für die anderen einzustehen hat.

Gibt es eine Versicherung?

Ja. Es gibt Vermögenshaftpflichtversicherungen, die speziell das Haftungsrisiko als Beiratsmitglied versichern und deren Abschluss unbedingt zu empfehlen ist. Grundsätzlich muss das Beiratsmitglied die Prämie selbst bezahlen. Möglich ist es jedoch der Abschluss der Versicherung auf Kosten der Gemeinschaft. Hierüber bedarf es eines entsprechenden Beschlusses der WEG.

Wichtig ist zu beachten, dass der Versicherungsschutz den dem Verwaltungsbeirat obliegenden Aufgaben entspricht. Besondere haftungsträchtige Aufgaben, wie beispielsweise die Auftragsvergabe, müssen ausdrücklich in den Versicherungsschutz eingeschlossen werden.

Haftet die WEG für das Fehlverhalten des Beirats?

Schuldhafte Pflichtverletzungen des Verwaltungsbeirats werden der WEG zugerechnet. Die WEG haftet daher gegenüber Dritten für Schäden, die vom Verwaltungsbeirat schuldhaft verursacht wurden.

Der Schaden kann unter Umständen von der Wohnungseigentümergemeinschaft bei den einzelnen Beiratsmitgliedern geltend gemacht werden. Zunächst haftet jedoch auch die WEG im Außenverhältnis. Handelt der Verwaltungsbeirat, obwohl ein Handeln nicht zu seinen Aufgaben oder Pflichten gehört, liegt kein zurechenbares Fehlverhalten vor. In diesem Fall haftet die Wohnungseigentümergemeinschaft nicht für Fehlverhalten des Verwaltungsbeirats im Außenverhältnis.

Besteht auch ein Haftungsrisiko trotz Entlastung des Verwaltungsbeirats?

Unter gewissen Umständen schon. Bei Entlastung des Verwaltungsbeirats verzichtet die Wohnungseigentümergemeinschaft auf entstandene und erkennbare Schadensersatzansprüche. Der Beirat kann daher für erkennbare Schadensersatzansprüche nicht entlastet werden.

Der Verwaltungsbeirat hat keinen Anspruch auf Entlastung. Die WEG muss daher beispielsweise den Beirat nicht entlasten, wenn es Anhaltspunkte für eine vom Beirat fehlerhaft geprüfte Abrechnung gibt.

Gerne können wir Sie in Ihrer Angelegenheit beraten und anwaltlich vertreten. Ausdrücklich möchten wir jedoch darauf hinweisen, dass wir keine kostenlose Beratung anbieten. Aufgrund der Vielzahl von Anfragen aus dem Internet können wir auch keine Nachfragen zu diesem Artikel kostenlos beantworten.

Wir freuen uns auf Ihre Kontaktaufnahme. 

Ihre KGK Rechtsanwälte


Rechtstipp vom 30.11.2016
Aktualisiert am 14.09.2018
aus der Themenwelt Eigentümergemeinschaft (WEG) und dem Rechtsgebiet Mietrecht & Wohnungseigentumsrecht

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