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Haftung des Karnevalsvereins bei Verletzung durch Kamelletreffer?

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Jede rheinische Frohnatur kennt diese Situation. Man steht angenehm alkoholisiert in Feierlaune am Wegesrand und jubelt den vorbeiziehenden Karnevalswagen und Tanzgruppen zu. Währenddessen fliegen einem nicht selten die Kamelle gefährlich um die Ohren. Nur haarscharf verfehlen diese Geschosse den Kopf.

Doch wer haftet eigentlich, wenn es tatsächlich mal zu einem Volltreffer kommt und diese Person sich dadurch erheblich, womöglich sogar dauerhaft verletzt. Wer übernimmt dann den entstandenen Schaden? Hat der Verletzte sogar Schmerzensgeldansprüche gegen den Karnevalsverein?

Exakt diesen Fall hat das Amtsgericht Köln im Jahre 2010 zu entschieden (AG Köln – 123 C 254/10). Eine betagte Dame hatte sich am Zugweg in aussichtsreicher Postion eingefunden. Plötzlich wurde sie unvermittelt von gleich zwei Schokoriegeln aus gleicher Richtung getroffen und stark verletzt. Die Rentnerin verlor dabei nicht nur 60 % ihrer Sehkraft. Sie litt darüber hinaus auch über einen längeren Zeitraum unter starken Schmerzen. Ein stationärer Aufenthalt war ebenfalls erforderlich.

Die Rentnerin nahm daraufhin den Karnevalsverein in Anspruch, dessen Mitglied die Schokoriegel geworfen hatte. Sie verlangte von diesem Karnevalsverein die Zahlung eines Schmerzensgeldes in Höhe von 1500 €. Sie war der Auffassung, dass der Wurf mehrerer Riegel gleichzeitig in Richtung von Personen unzulässig sei.

Das Amtsgericht Köln stellte sich die Frage, ob hier seitens der Beklagten Karnevalsgesellschaft eine ihr obliegende Verkehrssicherungspflicht pflichtwidrig unterlassen wurde. Es war der Meinung, dass der Veranstalter eines Karnevalsumzugs „geeignete Maßnahmen“ zur Verhinderung treffen muss. Dies in jedem Falle immer dann, wenn der Eintritt eines Schadens nicht völlig unwahrscheinlich ist. Uferlos könne diese Verpflichtung jedoch nicht sein. Denn es kann einer Karnevalsgesellschaft nicht Zugemutet werden, jede noch so entfernte Gefahr auszuschließen.

Das Amtsgericht Köln lehnte daher die Ansprüche der rüstigen Klägerin ab. Dies wurde damit begründet, dass jedem Besucher eines Rosenmontagszugs bekannt sein muss, welches Brauchtum dort gepflegt wird und das mit nicht unerheblichen Kamellewürfen zu rechnen ist. Es handele sich bei dem Besuch eines Rosenmontagszugs um ein bewusstes Hineingeben in eine gefährliche Situation.

Also: Augen auf beim Besuch des Rosenmontagszugs!


Rechtstipp aus dem Rechtsgebiet Schadensersatzrecht & Schmerzensgeldrecht

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