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Handwerker müssen in ihren Rechnungen den Lohnanteil gesondert ausweisen!

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Kunden haben Anspruch auf eine richtige Rechnung. Dazu gehört auch, dass Handwerker auf der Rechnung den Lohnanteil gesondert ausweisen. Aufwendungen für Handwerkerleistungen sind mit 20 %, höchstens 1.200 Euro im Jahr, von der Steuerschuld abziehbar. Das folgt aus § 35 a Einkommensteuergesetz (EStG). Begünstigt sind nur reine Arbeitskosten sowie ggf. in Rechnung gestellte Maschinen- und Fahrtkosten zuzüglich der darauf entfallenden Umsatzsteuer. Steuerlich abzugsfähig sind gleichfalls die Kosten für Entsorgungen, die als Nebenleistung zur Hauptleistung anzusehen sind (z. B. der alte Fußboden bei Neuverlegung von Dielenboden), ferner in Rechnung gestellte Kosten für Verbrauchsmaterial. Nicht abzugsfähig sind hingegen Kosten für Material und sonstige gelieferten Waren.

Der Lohnanteil muss sich anhand der Angaben in der Rechnung ermitteln lassen (BMF-Schreiben vom 10. Januar 2014, BStBl. 2014 I S. 75, Tz. 40). Das Finanzamt erkennt den Steuerabzug nur an, wenn der Rechnungsbetrag überwiesen und nicht bar bezahlt wurde.

Die Frage, ob der Kunde einen einklagbaren Rechtsanspruch auf den gesonderten Ausweis des Lohnanteils hat, ist bislang höchstrichterlich nicht geklärt. Bekannt geworden ist eine Entscheidung des Amtsgerichts Mülheim vom 30. Juli 2015, Az.: 12 C 1124/14. Das Gericht entschied, dass Kunden einen Rechtsanspruch auf eine aufgeschlüsselte Rechnung mit gesondertem Ausweis des Lohnanteils haben. Denn nur so könnten sie Handwerkerleistungen oder haushaltsnahe Dienstleistungen steuermindernd absetzen. Die Verpflichtung des Unternehmers ergebe sich aus der gemäß § 242 BGB bestehenden Pflicht, den Vertragspartner nicht zu schädigen. Im Hinblick auf die steuerlichen Auswirkungen der Rechnungsstellung sei es auch unerheblich, ob der Auftraggeber etwa den Rechnungsbetrag selbst beziffern könne. Solange das Unternehmen die Rechnung vorenthalte, könne der Auftraggeber sogar die Bezahlung nach § 273 BGB zurückbehalten, da es sich bei dem privatrechtlichen Anspruch auf Rechnung um eine Nebenverpflichtung des Leistungserbringers gegenüber dem zahlenden Leistungsempfänger handele.

Es steht aber keineswegs fest, dass sich diese Rechtsprechung durchsetzt. Daher ist unbedingt zu empfehlen, schon bei Beauftragung anzukündigen, dass man den Lohnanteil steuerlich absetzen möchte, und zu vereinbaren, dass die Rechnung entsprechend auszusehen hat. Dies vermeidet unnötige Diskussionen und vor allem ein Hin- und Herschicken von Rechnungen.


Rechtstipp aus den Rechtsgebieten Baurecht & Architektenrecht, Werkvertragsrecht

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