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Handy-Diebstahl-Versicherung, Teil 2

Rechtstipp vom 12.10.2018
Aktualisiert am 18.10.2018
(4)
Rechtstipp vom 12.10.2018
Aktualisiert am 18.10.2018
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4. Versicherungsfall, z. B. Schaden durch Programmierung oder Ähnliches

a) Beispiel: Sie laden sich bei Google Play oder einem anderen Anbieter eine Schadsoftware in Form einer App herunter.

Das Handy geht unwiderruflich kaputt. Nehmen wir an, ein Virus führt zu einer Überspannung, die Platine Ihres Smartphones wird zerstört oder das Betriebssystem ist vollumfänglich hinüber. Langer Rede kurzer Sinn: Das Handy ist defekt, Reparaturkosten würden anfallen. In dem Fall bestünde nach diesseitiger Auffassung kein Versicherungsschutz, da der Schaden fahrlässig verursacht worden ist, da Sie keine Fachperson hinzugezogen haben, sondern selbstständig die Software aufgespielt haben. Dies ist Gang und Gäbe, jeden Tag, niemand macht sich Gedanken. Wenn man es aber genau nimmt, ist man – soweit man kein IT-Fachmann ist – eben kein Fachmann, sondern Laie. Man lädt sich ein Programm runter, klickt installieren und fertig.

b) Ein Betriebssystem-Update „zerschießt“ das Betriebssystem.

Das Software-Update wird selbst installiert ohne Hinzuziehung einer Fachperson, dasselbe Ergebnis wie unter a): Kein Versicherungsschutz, denn man ist im Zweifel Laie.

Beide Beispiele sind mir als Rechtsanwalt noch nicht untergekommen und stellen nur eine Möglichkeit dar, wie die Versicherung argumentieren könnte, um aus dem Versicherungsschutz herauszukommen.

Sie müssen sich vorstellen, eine Versicherung lebt davon, dass möglichst viele Versicherungsverträge abgeschlossen werden, doch Versicherungssummen so gut wie nie abgerufen werden. Beispiele hierfür können Haftpflichtversicherungen sein. Man sollte sie abschließen, letztendlich hat man aber das Glück, dass man diese nie wahrnehmen muss. Mithin war man ein guter Versicherungskunde: man hat eine Versicherung abgeschlossen, die man nie gebraucht hat. Im Zweifelsfall, wenn die Versicherung tatsächlich leisten müsste, denkt sie sich etwas aus, um eben aus dem Versicherungsschutz herauszukommen.

5. Abschließendes Ergebnis

Aus dem oben Vorgetragenen ist ersichtlich, dass sich der Abschluss eines Versicherungsvertrages bspw. für ein Smartphone hinsichtlich Diebstahl oder Defekt insgesamt nicht lohnt. Es lohnt sich mehr, auf sein Mobiltelefon aufzupassen, es sicher zu verwahren und pfleglich zu behandeln. Es sind zu viele ausschließende Kriterien in den Versicherungsverträgen vorhanden. Kein Mensch verwahrt bspw. sein Handy wie von den Versicherungen gefordert.

Wird das Handy bspw. aus dem Haus gestohlen, müsste man alleine schon nachweisen, dass das Haus bzw. die Wohnung abgeschlossen war. Aber was ist, wenn man allein im Haus oder der Wohnung ist?

Was nützt Ihnen diese die Info? Im Zweifelsfall haben Sie tatsächlich einen solchen Vertrag, denn ansonsten hätten Sie sich wohl kaum diesen Artikel durchgelesen.

Was kann man also nun tun, gerade vor dem Hintergrund, dass unter Umständen das Handy noch gar nicht geklaut wurde, man sich jedoch möglichst bald von dem Versicherungsvertrag lösen will.

Eine Möglichkeit wäre hier, sein Widerrufsrecht geltend zu machen. Zu beachten ist, dass innerhalb des Versicherungsvertragsgesetzes, dort unter § 8 VVG, dem Versicherungsnehmer ein Widerrufsrecht innerhalb von zwei Wochen zugestanden wird, es sind Einzelfälle ausgeschlossen, diese dürften jedoch nicht zutreffend sein.

Jetzt werden Sie denken, oh je, das ist schon länger als zwei Wochen her. Hierbei ist zu beachten, dass die Widerrufsfrist gesetzlich bestimmt anfängt zu laufen. Und zwar beginnt die Widerrufsfrist (2 Wochen) ab Erhalt der Unterlagen. Dazu zählen auch die allgemeinen Versicherungsbedingungen sowie Widerrufsbelehrungen.

Fehlt dies, so galt früher, dass man eine ewige Widerrufsmöglichkeit hat. Seit 2014 beträgt allerdings die maximale Widerrufsmöglichkeit hinsichtlich der Dauer ein Jahr. Im Weiteren wird auf die Entscheidung des BGHs verwiesen, aus dem Jahr 2011, wonach ein Jahr Widerrufsfrist ab erster Prämienzahlung als Widerrufsfrist entschieden wurde.

Das bedeutet für Sie, wenn noch kein Jahr zwischen dem Abschluss des Versicherungsvertrages und dem heutigen Datum liegt und Sie gute Möglichkeiten sehen, nachzuweisen, dass Sie bspw. die allgemeinen Versicherungsbedingungen nicht erhalten haben bzw. eine Belehrung über die Widerrufsmöglichkeit nicht vorgenommen wurde sowie der Versicherungsschutz als vollumfänglich dargestellt wurde, ohne dass darauf hingewiesen wurde, dass unter bestimmten Umständen der Versicherungsschutz ausgeschlossen sein kann, wären durchaus die Möglichkeit sowie die Erfolgsaussicht gegeben, den Vertrag hier wirksam zu widerrufen.

Ansonsten, bspw. wenn schon längere Zeit vergangen ist, muss versucht werden, die Ansprüche gegenüber der Versicherung durchzusetzen mit vagen Erfolgsaussichten, oder aber Schadensersatzansprüche gegenüber dem Fachmarkt bzw. dem Verkäufer geltend zu machen, ebenso mit vagen Erfolgsaussichten.

Im Zweifelsfall sucht man den Rechtsanwalt seines Vertrauens auf und lässt die Sache prüfen. Dies kann im Wege einer Rechtsberatung vollzogen werden, die Kosten hierfür können dem Rechtsanwaltsvergütungsgesetz entnommen werden und sind zumeist absolut überschaubar. Aber auch eine gerichtliche bzw. außergerichtliche Vertretung ist ob des wohl geringeren Streitwertes finanziell zu stemmen, im Zweifelsfall ist vielleicht eine Rechtschutzversicherung vorhanden, was die Entscheidung oftmals einfacher macht.

Gerne stehen natürlich auch wir Ihnen zur Verfügung und helfen Ihnen bei Fragen.

Verfasser: Rechtsanwalt Nielen


Rechtstipp aus der Themenwelt Versicherung zahlt nicht und dem Rechtsgebiet Versicherungsrecht

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