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Hartes Vorgehen gegen betrugsartige Kunstfälschungen – Pechstein-Erben können Vernichtung verlangen

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Künstler und ihre Rechte-Nachfolger können gegebenenfalls verlangen, dass eine Fälschung vernichtet wird. Mit einem am Donnerstag, 29. Dezember 2016, veröffentlichten Urteil hat dies das Landgericht Berlin im Fall eines Gemäldes von Max Pechstein entschieden (AZ.: 28 O 498/14).

Hermann Max Pechstein lebte von 1881 bis 1955. Er war ein wichtiger Vertreter des deutschen Expressionismus und zeitweise Mitglied der Künstlervereinigung „Brücke“.

Der Kläger hatte 1987 zwei vermeintliche Pechstein-Bilder im Kunsthandel gekauft: eine Kaltnadelradierung „Selbstbildnis“ und eine Tuschepinselzeichnung „Strandszene mit Boot“. Die Zeichnung war mit „HMP“ und dem Zusatz „1914“ signiert. Als er 2014 die Bilder versteigern lassen wollte, stellte sich jedoch heraus, dass die „Strandszene“ eine Fälschung war.

Von dem Auktionshaus bekam der Käufer das „Selbstbildnis“ zurück, mit seiner Klage verlangt er auch die Herausgabe der „Strandszene“. Dieses Bild wurde allerdings zwischenzeitlich vom Landeskriminalamt Berlin in Verwahrung genommen.

In den Streit schalteten sich auch die Erben Max Pechsteins als heutige Inhaber der Urheberrechte ein. Sie verlangten, der Kläger müsse einwilligen, dass die Zeichnung „Strandszene mit Boot“ vernichtet wird.

Das Landgericht Berlin gab dem statt und verurteilte den Kläger entsprechend. Die vermeintliche „Strandszene“ sei eine gefälschte Kopie der urheberrechtlich geschützten Rohrfederzeichnung „Ausfahrendes Kanu I“ von Pechstein aus dem Jahr 1914. Möglicherweise habe die Abbildung des Werks in einem Katalog als Vorlage für die Fälschung gedient.

Jedenfalls könne das Bild nicht aus dem Jahr 1914 sein – es sei daher eindeutig eine Fälschung. Denn es habe Pigmente der Farbe „Titanweiß Rutli“, die erst 1930 auf den Markt gekommen sei.

Dabei handle es sich aber nicht um eine einfache Nachahmung, sondern um eine bewusste Fälschung. In solchen Fällen sei die Vernichtung nicht unverhältnismäßig, urteilte das Landgericht. Denn nur so könne sicher verhindert werden, dass Kunstliebhaber getäuscht werden. Nur eine Entfernung der Signatur reiche hierfür nicht aus.

Für die Vernichtung des Bildes spiele es keine Rolle, dass der Kläger von der Echtheit des Bildes überzeugt war. Die Pechstein-Erben könnten die Vernichtung unabhängig von einem Verschulden verlangen, betonte das Landgericht Berlin in seinem jetzt schriftlich veröffentlichten Urteil vom 17. November 2016.

Rechtsanwalt Thorsten Blaufelder

Fachanwalt für Arbeitsrecht, Mediator, Wirtschaftsmediator

Kanzlei Blaufelder in Dornhan/Landkreis Rottweil


Rechtstipp vom 04.01.2017
aus dem Rechtsgebiet Zivilrecht

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