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Haus und Wohnung im Erbe – Wie ist die Immobilie bei dem Pflichtteilergänzungsanspruch zu bewerten?

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Immer dann, wenn es um die Berechnung von Pflichtteilsergänzungsansprüchen geht, spielt das sog. Niederstwertprinzip eine entscheidende Rolle. Wir wollen Ihnen daher an dieser Stelle einen kurzen Überblick über diesen Bewertungsgrundsatz geben.

Allgemeines zum Niederstwertprinzip

Unter dem Niederstwertprinzip versteht man einen Bewertungsgrundsatz, der im § 2325 Abs. 2 BGB geregelt wird. Anhand dieses Bewertungsverfahrens können Vergleichsberechnungen verschenkter Gegenstände bestimmt werden, um einen daraus resultierenden Pflichtteilergänzungsanspruch zu ermitteln. Wie das Niederstwertprinzip angewendet wird, soll im Folgenden beispielhaft dargestellt werden. 

In dem Fall, dass ein Erblasser vor seinem Tod Vermögen verschenkt hat, kann sich hieraus prinzipiell ein Pflichtteilsergänzungsanspruch für die Pflichtteilsberechtigten ergeben. Wurde z. B. ein Grundstück verschenkt, so wird zunächst der Grundstückswert zum Zeitpunkt des Vollzugs der Schenkung (Datum der Eintragung im Grundbuch) bestimmt. Unter Berücksichtigung des Kaufkraftschwundes wird der Wert dann auf den Tag des Erbfalles indexiert. Der so indexierte Wert wird zum Zeitpunkt des Erbfalles dem ermittelten Grundstückswert gegenübergestellt. Der ermittelte niedrigere Wert ist ausschlaggebend und wird fiktiv dem Nachlass des Erblassers hinzugerechnet.

Gemischte Schenkungen nach dem Niederstwertprinzip

Insbesondere bei gemischten Schenkungen kommt dem Niederstwertprinzip eine Schlüsselrolle zu, so z. B. bei Schenkungen einer Immobilie gegen Nießbrauch- oder Versorgungsrechte. Gerade diesbezüglich gibt es an der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofes heftige Kritik, da diese kaum nachvollziehbar ist. 

So wird, wenn der Wert des Grundstückes zum Todestag geringer ist als der ermittelte Wert zum Zeitpunkt des Schenkungsvollzugs, ein errechnetes Nießbrauchrecht des Erblassers nicht abgezogen, hingegen wird es abgezogen, wenn der Wert zum Schenkungszeitpunkt niedriger ist als zum Zeitpunkt des Erbfalls.

Tipp:

Auch wenn die Erklärung des Niederstwertprinzips zunächst einfach anmutet, so ist das Pflichtteilsrecht ein komplexes Themenfeld. Sollten Sie daher Fragen als Pflichtteilsberechtigter, zukünftiger Erblasser oder als Beschenkter haben, scheuen Sie nicht eine anwaltliche Beratung in Anspruch zu nehmen, um mögliche finanzielle Fallstricke zu ermitteln oder auszuräumen bzw. die vermutliche Höhe von Pflichtteilsergänzungsansprüchen zu ermitteln.

Gerne können wir Sie in Ihrer Angelegenheit beraten und anwaltlich vertreten. Ausdrücklich möchten wir jedoch darauf hinweisen, dass wir keine kostenlose Beratung anbieten. Aufgrund der Vielzahl von Anfragen aus dem Internet können wir auch Nachfragen zu diesem Artikel nicht kostenlos beantworten.


Rechtstipp vom 10.07.2018
Aktualisiert am 06.09.2018
aus der Themenwelt Erbe und Nachlass regeln und dem Rechtsgebiet Erbrecht

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