Zur Navigation springen Zum Inhalt springen Zum Footer springen
Teilen

E-Mail

Facebook

Twitter

LinkedIn

Xing

Link

Haushaltsführungsschaden – die vielfach unbekannte Schadensposition bei Personenschäden

(27)

Regelmäßig sind Mandanten überrascht, wenn ich bei der Besprechung eines Verkehrsunfalls auf die Schadenspositionen des Haushaltsführungsschadens zu sprechen komme.

Den Begriff „Schmerzensgeld” kennt dagegen jeder. Das Schmerzensgeld stellt einen nie genau zu beziffernden Ausgleich für erlittene Schmerzen und Verletzungen dar. Richter, Anwälte und Versicherer orientieren sich an älteren Schmerzensgeldentscheidungen für die Taxierung im konkreten Fall. Die Schmerzen selbst können jedoch nicht gemessen werden.

Der Haushaltsführungsschaden hingegen ist - zumindest theoretisch - konkret mess- und damit bezifferbar. Erleidet jemand durch einen Unfall eine Verletzung, so ist er oft nicht in der Lage, seinen Haushalt so weiterzuführen, wie es ihm ohne diese Verletzung möglich wäre. Man kann sich hier ganz einfach vorstellen, dass Haushaltstätigkeiten wie die Zubereitung von Essen, Tisch decken, Spülen, Staubsaugen, Bügeln, Körperpflege usw. beispielsweise mit einer gebrochenen und deswegen eingegipsten Hand mehr Zeit in Anspruch nehmen, als wenn beide Hände „einsatzfähig" wären. Dieser erhöhte Zeitaufwand ist messbar und vom Schädiger prinzipiell zu ersetzen.

Der zusätzliche Zeitaufwand ist nämlich - selbst wenn keine Haushaltshilfe eingestellt wird - mit dem (Netto)Stundenlohn einer (fiktiven) Haushaltshilfe abzugelten. Hier wird man einen Nettostundenlohn von mindestens 8 Euro zu Grunde legen können, unter Umständen auch mehr.

Dann sollte der Geschädigte nach Möglichkeit den erhöhten Zeitaufwand akribisch dokumentieren, am besten in einer Art Haushaltsbuch. Den so festgehaltenen Zeitaufwand muss man dann nur noch mit dem netto Stundenlohn einer fiktiven Haushaltskraft multiplizieren, und schon hat man einen konkret bezifferten Haushaltsführungsschaden, den man gegenüber dem Schädiger geltend machen kann.

Beträgt der zeitliche Mehraufwand bei einer gebrochenen Hand beispielsweise 2 Stunden am Tag und befindet sich die Hand 2 Wochen im Gips so errechnen sich schon bei dieser - vergleichsweise - geringen Verletzung 2x 8 € x 14 Tage = 224 € zusätzlich zum Schmerzensgeld.

Bei erheblicheren Verletzungen kann dann der Haushaltsführungsschaden schnell das Schmerzensgeld „überflügeln”.


Rechtstipp aus den Rechtsgebieten Schadensersatzrecht & Schmerzensgeldrecht, Verkehrsrecht

Sie haben Fragen? Gleich Kontakt aufnehmen!

Rechtstipps zum Thema

Rechtstipps des Autors

Newsletter

Neue Urteile, hilfreiche Tipps und Kurioses im wöchentlichen anwalt.de-Newsletter.