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Heiß-Gericht mit Suppe

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Heiß-Gericht mit Suppe
anwalt.de kurios - skurrile Ereignisse zum Thema Recht

Im Volksglauben galt der Mittwoch als Unglückstag. Daher verwundert es nicht, dass eine unbedarfte Frau an einem Mittwoch in einer Gaststätte quasi die schwarze Speisekarte zog. Voll Vorfreude und mit leicht knurrendem Magen bestellte sie ein Menü.

Als Hauptgang sollte ein Wildgericht serviert werden. Doch so weit kam es nicht. Wegen der Vorspeise - einer Suppe - landete der Fall vor einem anderen Gericht, dem Amtsgericht.

Kaum hatte die heißhungrige Genießerin nämlich den ersten Löffel der dampfenden Speise verköstigt, wurde ihr schmerzhaft klar wie klare Suppe: heiß, heißer, autsch!!! Wegen der Suppe riskierte sie eine dicke Unterlippe, weil sie orale Verbrennungen zweiten Grades erlitt.

Sie fand das nicht supper, geriet in Hitze und forderte vom Wirt 1800 DM Scherzensgeld, ähm Schmerzensgeld. Aber der Gastwirt zeigte sich gar nicht gastfreundlich, eher garstig.

Der Richter vom Amtsgericht Hagen war allerdings kein Suppenkasper. Es war sicher nicht die erste Suppe, die ihm eingebrockt worden war. Und das Gericht war auch nicht das Jüngste.

Zwar beteuerte die Suppenesserin, sie hätte nie den Mund zu voll genommen und sich nur einen halben Suppenlöffel Suppe eingeflößt ...

Davon ließ sich der Suppenkenner in der Richterrobe jedoch nicht beeindrucken und befand: Den Gastwirt die Suppe auslöffeln zu lassen, die er der Klägerin eingebrockt hat, wäre statt einer Verkehrssicherungspflicht eine Verkehrtsicherungspflicht.

„Jeder, der eine Suppe bestellt, weiß aber, dass er ein sog. Heißgericht serviert bekommt, welches nur mit äußerster Vorsicht zu genießen ist", befand das Gericht, dem bei all der Suppe allmählich zu heiß wurde.

Und dann ließ der Richter richtig Dampf ab! Hot or not? Diese Frage stellte sich bei der Suppe erst gar nicht, weil sie dampfend auf den Tisch kam. Dass sie heiß war, konnte jeder sehen. Etwas über den Suppentellerrand hinaussehen, muss schon jeder selbst.

Zudem war das Gericht laut Gericht hygienisch einwandfrei. Kein Wunder. Die kochende Brühe hätten kaum Keime überlebt - und selbst wenn, nur mit Brandblasen.

Eine Suppe muss lediglich „essfertig" serviert werden, so der Richter. Das war hier zweifelsohne der Fall. Schließlich war die Frau nach dem Essen der Speise fertig - und zwar restlos.

Auch wenn es dem Amtsgericht Hagen Unbehagen verursacht haben sollte, es nahm keine Serviette vor den Mund und lehnte die Suppenklage ab.

Nach dem Richtertisch servieren wir noch einen leckeren Nachtisch:

Besser einmal mehr Pusten als sich die Suppe vom Gericht versalzen lassen!

Wir wünschen Ihnen

„Guten Appetit!“

(Amtsgericht Hagen, Urteil v. 09.09.1996, Az.: 14 C 149/96)

(WEL)

Foto : ©iStockphoto.com


Rechtstipp vom 12.06.2013

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