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HWS-Syndrom - keine Harmlosigkeitsgrenze

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Der Bundesgerichtshof hat sich in zwei kürzlich gefällten Urteilen klar gegen die zunehmend von den Gerichten in Anspruch genommene Annahme einer Harmlosigkeitsgrenze bei HWS-Verletzungen ausgesprochen. Dabei hat der BGH klargestellt, dass dies nicht nur für Heck-, sondern auch für Frontkollisionen gilt.

Der Bundesgerichtshof weist darauf hin, dass den Attesten der den Anspruchstellern unmittelbar nach dem Unfall behandelnden Ärzte in der Regel im Verfahren keine ausschlaggebende Bedeutung zukommt, da der Arzt eines Unfallgeschädigten diesen als Therapeuten und nicht als Gutachter sieht.

Ob die Beschwerden eines Anspruchstellers auf den Unfall zurückzuführen sind, hängt jedoch nach den Entscheidungen des BGH nicht allein von der kollisionsbedingten Geschwindigkeitsänderung, sondern daneben von einer Reihe anderer Faktoren, wie z.B. der konkreten Sitzposition des Geschädigten im Fahrzeug ab.

Damit dürfte nun geklärt sein, dass die bisher gängige Praxis vieler Gerichte, trotz Antrag auf Einholung eines medizinischen Fachgutachtens, sich allein mit einem biomechanischen Gutachten zu begnügen nicht weiter Bestand haben kann. Letztere Gutachter weisen nicht die erforderlichen medizinischen Fachkenntnisse auf. Die Einholung eines fachmedizinischen Gutachtens ist nur dann entbehrlich, wenn auszuschließen ist, dass der Beweis der Ursächlichkeit damit nicht geführt werden kann.

RA Erhard Kogler, München


Rechtstipp aus den Rechtsgebieten Schadensersatzrecht & Schmerzensgeldrecht, Verkehrsrecht

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