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Ich möchte mich scheiden lassen, was muss ich beachten?

Rechtstipp vom 09.01.2018
Rechtstipp vom 09.01.2018

Was passiert, wenn der Wunsch nach einer Ehescheidung besteht?

In Deutschland gilt nicht mehr das Verschuldensprinzip, sondern das Zerrüttungsprinzip.

Wer also die Ehe nicht mehr fortführen möchte, die Trennung begehrt und mit dem Gedanken spielt, die Scheidung einzureichen, der muss dies lediglich seinem Partner mitteilen und damit das sogenannte Trennungsjahr einleiten.

Was ist unmittelbar nach der Trennung zu beachten?

Wichtig ist es, dass bei Einreichung des Antrags auf Ehescheidung zwei Voraussetzungen erfüllt sind. Einer der Ehegatten muss die Scheidung begehren. Als zweites muss das Trennungsjahr abgelaufen sein. Das ist es, wenn zum Zeitpunkt der Einreichung des Antrags auf Ehescheidung 12 Monate seit der Trennung vergangen sind.

Wichtig ist es also, beweisen zu können, dass mit einem bestimmten Datum die Trennung begann.

Wie beweist man eine Trennung?

Die Trennung beweist man entweder durch Schriftstücke aus denen das beiderseitige Bestimmen eines Datums hervorgeht, durch die Anwesenheit von Zeugen, durch eine Getrenntlebendmeldung beim zuständigen Finanzamt, aber insbesondere durch ein getrenntes Wirtschaften.

Was ist ein getrenntes Wirtschaften und ist der Auszug eines Ehegatten zwingend?

Ein getrenntes Wirtschaften ist am einfachsten durch getrennte Konten zu beweisen. Gemeinsame Konten sollten aufgelöst werden, Vollmachten sind zu entziehen, Ausgaben des alltäglichen Lebens sind zu trennen und es dürfen auch keine Erledigungen mehr für den anderen Ehegatten erfolgen. Tatsächlich geht es hier um das Wäschewaschen und ähnliches.

Ein Auszug eines Ehegatten aus der Wohnung oder dem Haus ist nicht erforderlich. Es reicht, wenn die Trennung durch Tisch und Bett stattgefunden hat. Dies bedeutet: Kein gemeinsames Wirtschaften mehr, kein Teilen des Ehebettes mehr. Ein Auszug kann allerdings, sofern dies finanziell zulässig ist, eine Trennung erleichtern. Der Auszug schenkt einen objektiveren und damit sachlicheren Blick auf das Verfahren. Das schafft zwar das Erfordernis eines neuen Mietraumes, kann aber Kosten sparen, wenn dafür streitige Angelegenheiten nicht geltend gemacht werden, die entstanden wären, wenn ein zu enger Raum regelmäßig zu neuem Streit führt.

Was ist zu beachten, was sind die finanziellen Aspekte einer Ehescheidung?

Zu beachten ist zwingend, ob der gesetzliche Güterstand besteht. Das ist die Zugewinngemeinschaft. Diese besteht, wenn kein Ehevertrag geschlossen wurde. Wurde ein Ehevertrag geschlossen, bestimmt sich der Ablauf der Ehescheidung maßgeblich nach dem Inhalt des Vertrages.

Bei jeder Ehescheidung ist der Versorgungsausgleich zwingend zu thematisieren. Dies sind die erwirtschafteten und aufzuteilenden Rentenanwartschaften während einer gewissen Ehezeit. Nur auf Wunsch durch einen Rechtsanwalt oder ein Gericht zu behandeln sind folgende weiteren Aspekte: Der Anspruch des geringer verdienenden Ehegatten auf Trennungsunterhalt, der mit dem Datum der Trennung beginnt, aber geltend gemacht werden muss. Die Auseinandersetzung des Hausrats, die Überlegungen, wie der Zugewinnausgleich stattfinden soll und wie gegebenenfalls ein nachehelicher Unterhalt geregelt werden kann.

Daneben steht die Frage, wie der Umgang mit gemeinsamen Kindern geregelt wird und ob das Sorgerecht einer Änderung bedarf, beispielsweise durch das Ausstellen von Vollmachten.

Eine Trennungs- und Scheidungsfolgenvereinbarung stellt als Äquivalent zum Ehevertrag die Möglichkeit dar, die Zeit der Trennung und nach der Ehescheidung eigenständig zu regeln und damit Sicherheit zu schaffen.

Für weitere Fragen stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung

Chantal Lenhardt

Rechtsanwältin
Fachanwältin für Familienrecht in Frankfurt am Main
Maître en droit



Rechtstipp aus dem Rechtsgebiet Familienrecht

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