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"Ich will Dich auf der Beerdigung nicht sehen".

Rechtstipp vom 17.05.2017
(31)
Rechtstipp vom 17.05.2017
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Ein gar nicht so seltener Fall: Nach Scheidung einer Ehe heiratet einer der Ehegatten wieder, die Kinder aus der ersten Ehe vertragen sich überhaupt nicht mit dem neuen Ehegatten, es kommt immer wieder zu heftigen Auseinandersetzungen. Nach dem Ableben des wiederverheirateten Elternteils untersagt der zweite Ehegatte den Kindern aus der ersten Ehe die Teilnahme an der sog. Abschiednahme (Aufbahrung des Leichnams im offenen Sarg zum Zwecke der Verabschiedung) und an der Beerdigung. Darf er das? 

Rechtlich handelt es sich hierbei um die sogenannte Totenfürsorge, d. h. die Ermächtigung, wer nach dem Tod die Entscheidung darüber zu treffen hat, wie der Verstorbene zu bestatten ist und wo er beerdigt werden soll. 

Grundsätzlich sind hierbei zunächst Weisungen des Verstorbenen zu berücksichtigen, die er zu Lebzeiten gegeben hat, eventuell auch in einem schriftlichen Testament. Wenn das Testament jedoch zu spät auftaucht und andere Weisungen nicht ersichtlich sind, so sind maßgeblich die Bestattungsgesetze der Bundesländer, die die nächsten Angehörigen aufführen. Nach dem Bestattungsgesetz von Baden-Württemberg z. B ist dies in erster Linie der Ehegatte / Lebenspartner nach dem Lebenspartnerschaftsgesetz, dann folgen Kinder, Eltern, Großeltern und Geschwister und Enkel. Ähnlich ausgestaltet sind die Regelungen in den anderen Bundesländern. Erstberufen ist also der überlebende Ehegatte, was durchaus Folgen hat: So gestand das Landgericht Bielefeld der zweiten Ehefrau des Verstorbenen das Recht zu, nicht nur über Art und Weise der Bestattung zu entscheiden, sondern auch darüber, ob ihre Stiefkinder, d. h. die Kinder des Ehemannes aus der ersten Ehe bei der Abschiednahme zugegen sein dürfen. Den Kindern war dies verweigert worden. Es ist zu unterschieden zwischen der Abschiednahme, der Beerdigung und der Trauerfeier. Die Abschiednahme findet in einem geschlossenen Raum – Kirche oder Kapelle – statt. Hier bestimmt der Totenfürsorgeberechtigte, wer daran teilnehmen darf. 

Der Friedhof hingegen ist ein öffentlicher Ort, an dem sich jeder aufhalten darf. Die Teilnahme am Begräbnis – in angemessener Entfernung – kann deshalb nicht untersagt werden, selbstverständlich jedoch die Teilnahme an der Trauerfeier. 

Wie kam es jedoch dazu, dass ein Gericht diese Frage regeln musste? Der Verstorbene war längst bestattet, selbst in einem Eilverfahren hätte eine Teilnahme nicht durgesetzt werden können: Vor Gericht gelangte die Angelegenheit jedoch deshalb, weil die Kinder von der Witwe Schadensersatz und Schmerzensgeld verlangten, da sie nicht an der Abschiednahme teilnehmen durften. Dies wurde vom Gericht abgelehnt. 


Rechtstipp aus dem Rechtsgebiet Familienrecht

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