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Influencer und Steuer: Tipps von Fachanwältin für Steuerrecht

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Influencer und Steuer: Tipps von Fachanwältin für Steuerrecht 

Die Einnahmen eines Influencers als Einzelunternehmer sind grundsätzlich als Einkünfte aus selbständiger Tätigkeit oder Einkünfte aus Gewerbebetrieb steuerpflichtig, wenn der Influencer in Deutschland unbeschränkt steuerpflichtig ist. Die unbeschränkte Steuerpflicht wird entweder durch einen Wohnsitz oder einen gewöhnlichen Aufenthalt von mehr als sechs Monaten begründet.  Dabei reicht es aus, wenn der Influencer eine Wohnung in Deutschland behält und diese nur gelegentlich nutzt, während er die meiste Zeit im Ausland verbringt und von dort aus auch arbeitet und die Einnahmen z.B. aus Werbung generiert.

Neben den oben genannten Ertragsteuern (Einkommensteuer und Gewerbesteuer) kann der Influencer ebenfalls der Umsatzsteuer unterliegen, wenn dieser umsatzsteuerlicher Unternehmer ist und keine Kleinunternehmerregelung in Anspruch genommen hat. Die Kleinunternehmerregelung gilt bei der Jahresumsatzgrenze bis zu 22.000 €. Der Kleinunternehmer weist keine Umsatzsteuer in seiner Rechnung aus und kann entsprechend auch keine Vorsteuer abziehen, d.h. die selbst gezahlte Umsatzsteuer beim Einkauf von Waren oder Leistungen vom Finanzamt zurückbekommen.

Die Einkommensteuer werden vom Finanzamt festgesetzt, wenn das zu versteuernde Einkommen nach Abzug der Betriebsausgaben den steuerlichen Grundfreibetrag von 9.168 Euro in 2019 und von 9.408 Euro in 2020 übersteigt. Gewerbesteuer wird erhoben, soweit der Gewerbeertrag den Freibetrag von 24.500 Euro übersteigt und kann auf die Einkommensteuer angerechnet werden.

Die Pflicht zur Abgabe der Steuererklärung besteht grundsätzlich mit der Aufnahme der Influencer-Tätigkeit und unabhängig von der Höhe der Einnahmen.

Ob ein Influencer ein Gewerbe anmelden muss, hängt von der einkommensrechtlichen Einordnung seiner Tätigkeit als selbständige Tätigkeit oder als Gewerbebetrieb ab.  

Die selbständige (freiberufliche) Tätigkeit liegt dann vor, wenn der Influencer beispielsweise eine künstlerische, eine schriftstellerische oder vergleichbare Betätigung ausübt. Der Bundesfinanzhof geht dann von einer künstlerischen Tätigkeit aus, wenn die Tätigkeit nach ihrem Gesamtbild eigenschöpferisch ist und über eine hinreichende Beherrschung der Technik hinaus eine bestimmte künstlerische Gestaltungshöhe erreicht. Eine schriftstellerische Tätigkeit liegt dann vor, wenn es sich um den Ausdruck eigener Gedanken handelt.

Erfüllt die Tätigkeit eines Influencers die Voraussetzungen einer freiberuflichen Tätigkeit nicht, werden die Einnahmen aus dem Influencer-Geschäft regelmäßig als gewerbliche Einkünfte behandelt. Als Beispiele für die gewerblichen Einkünfte sind diverse Werbeeinnahmen einzustufen, wie beispielsweise aus Werbung bei YouTube oder Bannerwerbung im eigenen Blog. Auch Werbegeschenke wie Ware oder Dienstleistungen (z.B. Reise) sind grundsätzlich Einnahmen und müssen versteuert werden.

Die Abgrenzung ist einzelfallbezogen und oft sehr schwierig. Wirbt ein Influencer beispielsweise auf Instagram, Facebook oder in seinem Blog mit Produktfotos, liegt darin regelmäßig keine eigenschöpferische künstlerische Leistung, so dass der Influencer Einkünfte aus Gewerbebetrieb erzielt und sich beim Gewerbeamt registrieren muss. Veröffentlicht dagegen ein Blogger die von ihm selbst verfassten Texte, könnte darin eine freiberufliche (schriftstellerische) Tätigkeit gesehen werden.

Die Finanzverwaltung plant, die Influencer verstärkt zu kontrollieren. Das Bundesfinanzministerium hat einen Leitfaden zur Besteuerung von Influencern herausgegeben. In einer verständlichen Sprache und anschaulicher Form wird darin der erste Überblick zum Thema „Besteuerung von Influencern“ vermittelt. Das Schreiben ist hier abrufbar: https://www.bundesfinanzministerium.de/Content/DE/Standardartikel/Themen/Steuern/Steuerliche_Themengebiete/Social_Media_Akteure/2020-07-30-FAQ-Ich-bin-Influencer.pdf?__blob=publicationFile&v=5&fbclid=IwAR1OxLmNBVQdLxtJkyySBSP_kPSGuA0HOgX_evSkJ0kj7hNv43NMvE7qK1g

Die Influencer dürfen ihre steuerlichen Pflichten nicht vernachlässigen und müssen ihre Influencer-Tätigkeit beim zuständigen Finanzamt und ggf. Gewerbeamt rechtzeitig anmelden. Die Einkünfte aus dem Influencer-Geschäft müssen in der Einkommensteuererklärung und ggf. Gewerbesteuererklärung und Umsatzsteuererklärung jedes Jahr angegeben werden.

Jedem Influencer muss bekannt sein, dass das Finanzamt durch Internetrecherchen die Influencer finden kann. Ein einfacher Vergleich in der Datenbank genügt, um festzustellen, ob die Tätigkeit überhaupt steuerlich registriert ist und ob die Einkünfte auch tatsächlich versteuert wurden.

Das Finanzamt kann die steuerrelevanten Auskünfte von Geschäftspartnern von Influencern und den Werbeplattformen wie Facebook, YouTube verlangen. Oft zieht eine Entdeckung der nicht erklärten Einnahmen eine strafrechtliche Konsequenz nach sich, da auch eine nicht rechtzeitig erfolgte Steuerfestsetzung den Tatbestand einer Steuerhinterziehung erfüllen kann.

Darüber hinaus hat das Finanzamt auch in begründeten Fällen die Möglichkeit, eine Auskunft über die in Deutschland bestehenden Bankkonten zu erlangen und sich nach der Herkunft der Mittel zu erkundigen.

Da die Rechtsberatungskosten für die betrieblichen Steuererklärungen  und Ermittlung des Gewinns aus dem Influencer-Geschäft steuerlich absetzbar sind, empfehle ich wegen der Komplexität der Materie einen Fachanwalt für Steuerrecht oder einen Steuerberater bereits bei der steuerlichen Anmeldung der Influencer- Tätigkeit zu konsultieren. Denn schon bei dem Ausfüllen des Formulars „Fragebogen zur steuerlichen Erfassung“ können einige Fehler gemacht werden, die später nicht oder nur schwer korrigierbar sind. Das Formular ist hier abrufbar: https://www.formulare-bfinv.de/ffw/form/display.do?%24context=A4659AC07BCCB52FDC14  Jedenfalls bei der erstmaligen Erstellung der Einkommensteuererklärung ist die Heranziehung eines Spezialisten wichtig und sinnvoll, um später Fehler und böse Überraschungen zu vermeiden.

 


Rechtstipp aus dem Rechtsgebiet Steuerrecht

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