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Ist Duschen Arbeitszeit?

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Vor dem Landesarbeitsgericht Düsseldorf ging es um die Frage, ob das Duschen zur Arbeitszeit gehört und damit vom Arbeitgeber wie Arbeitszeit zu bezahlen ist. Geklagt hatte ein Mechaniker der Stadtwerke, der in der Werkstatt Busse repariert. Er arbeitet häufig unter den Fahrzeugen, verschmutzt sich mit Öl, Kühlmittel oder Diesel usw. und verströmt bei Schichtende selbst ein gewisses „Düftchen“. Der Arbeitgeber weigerte sich, die Duschzeit von täglich 20 Minuten zu bezahlen.

Vorab: Wer verschlafen zum Job kommt und erst mal dort duscht, bekommt natürlich kein Geld dafür. Das ist Privatvergnügen.

Die Rechtsfrage ist, ob das Duschen zum Job zählt, ob es für den Arbeitgeber gemacht wird („Fremdnützigkeit“) und/oder ob es behördlich, z. B. aus Gründen des Arbeitsschutzes oder der Hygiene, gefordert wird. Für Arbeitskleidung ist bereits höchstrichterlich entschieden, wann das Umziehen zur Arbeitszeit zählt, nämlich: wenn der Arbeitgeber eine bestimmte Berufskleidung vorschreibt und im Betrieb vorhält, wenn eine spezielle Bekleidung aus Gründen der Sicherheit erforderlich ist oder wenn aus Gründen der Hygiene ggf. zusammen mit der Sicherheit anderer Menschen, die sich z. B. anstecken oder kontaminieren könnten, notwendig ist.

Ist eine vergleichbare Notwendigkeit beim Duschen schon zu bejahen, wenn jemand ölverschmiert ist und nach Werkstatt stinkt? Reicht es nicht aus, Hände und Gesicht zu waschen und ein Deo zu benutzen? Meiner Meinung nach zählt das gründliche „Entschmutzen“ zur Arbeitszeit, denn das Beschmutzen geschah ja für die Firma, war also fremdnützig. Das Landesarbeitsgericht hat sich – nach derzeitigem Informationsstand – um ein Urteil gedrückt. Es hat den Parteien als Lösung vorgeschlagen, der Arbeitgeber soll eben nur 10 Minuten, statt der geforderten 20 Minuten bezahlen.

Tipp: Das Thema kann im Rahmen einer Betriebsvereinbarung geklärt werden. Eine Betriebsvereinbarung ist von Arbeitgeber und Betriebsrat gemeinsam abzuschließen. Da sieht man mal wieder, wie wichtig es ist, dass es im Betrieb einen Betriebsrat gibt.


Rechtstipp vom 26.08.2015
aus der Themenwelt Job und Karriere und dem Rechtsgebiet Arbeitsrecht

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