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Jameda-Bewertung - rechtliche Möglichkeiten im Falle negativer Arztbewertungen

Rechtstipp vom 23.11.2015
Rechtstipp vom 23.11.2015

Die Jameda GmbH hat ihren Sitz in München. Auf dieser Plattform können Ärzte aus ganz Deutschland und aus jeder Fachrichtung bewertet werden. Beurteilt werden die Behandlung, die Aufklärung, das Vertrauensverhältnis, die genommene Zeit sowie die Freundlichkeit des Arztes. Es werden Noten vergeben und zwar nach dem gleichen Prinzip wie auch Schulnoten. Aus der Anzahl aller abgegeben Bewertungen rechnet sich sodann die Gesamtnote zusammen.

Wie auch bei vielen anderen Bewertungsportalen, können die Patienten einen Erfahrungsbericht zu ihrer Benotung hinzufügen.

Ärzte können zusätzlich Informationen bereitstellen, um sich somit besser präsentieren zu können. Es können beispielsweise die Schwerpunkte der Praxis oder die besonderen Qualifikationen vorgestellt werden. Schließlich besteht auch hier eine Kommentierungsfunktion, um eine mögliche Stellungnahme zur abgegebenen Kritik abgeben zu können. Dafür ist es notwendig, sich in das vorhandene jameda-Profil einzuloggen und die Funktion „Meine Bewertungen kommentieren“ zu bedienen.

Starke Nutzung der Bewertungsportale

Jeder befand sich schon einmal auf der Suche nach einem „guten“ Arzt. Früher vertraute man den Empfehlungen aus dem Freundes – oder Familienkreis. Doch was tun, wenn die Arztsuche in einer fremden Stadt beginnt, wo sich auch das engere Umfeld wieder neu finden muss?

Die Lösung lässt sich auch hier im Internet finden. Denn heutzutage erfolgt die Arztsuche primär mit Hilfe diverser Arztbewertungsportale online. Diese Option hat viele Vorteile für beide Parteien. Die Patienten müssen bei intimen Fragen niemanden aus dem privaten Umfeld kontaktieren und können völlig anonym Ratschläge auf den besagten Portalen finden.

Ärzte können dafür ihren Patientenkreis erweitern und durch positive Bewertungen ihre Reputation stärken.

Problem: Negative Bewertungen

Doch was passiert, wenn die Bewertungen nicht mehr positiv ausfallen? Dies kann viele Gründe haben. Jedoch haben die Erfahrungen aus unserer Praxis gezeigt, dass viele Bewertungen tatsächlich nicht oder nicht in vollem Umfang der Wahrheit entsprechen bzw. keine zulässige Kritik mehr darstellen. Darüber hinaus ist es für die Ärzte nicht einfach, einen Überblick über alle Bewertungen zu behalten und sich gegen unzutreffende Aussagen zu wehren. Ein spezielles Bewertungs-Monitoring kann hier Abhilfe schaffen.

Allerdings ist eine Sache bei allen Portalen gleich: Eine schlechte Kritik kann den guten Ruf des Arztes zerstören. Zudem verbreitet sich nichts so schnell wie eine negative Schlagzeile.

Durch die Bewertungsportale können somit Patienten nicht nur angeworben werden, sondern auch auf dem schnellsten Weg verloren gehen.

Rechtliche Möglichkeiten gegen Portale wie Jameda

Auch wenn die meisten Portale die Option des Gegenkommentars integriert haben, so müssen sich Ärzte hierauf nicht einlassen. Eine Rufschädigung ist nicht selten das Resultat der abgegebenen Beurteilungen. Schnelles Handeln ist daher angezeigt, denn die Verbreitung herabsetzender Tatsachenbehauptungen, welche sich als unwahr erweisen, genießt keinen Schutz (BVerfG, NJW 2012, 1643; NJW 2013, 217, 218; BGH, Urteil v. 16.12.2014 – VI ZR 39/14).

Gegen die Portalbetreiber bestehen Unterlassungs-und Beseitigungsansprüche. Diese sorgen nämlich dafür, dass die streitgegenständlichen Einträge online abrufbar sind und können somit in Anspruch genommen werden.

Die Portale wie Jameda haften jedoch erst ab Kenntniserlangung der negativen Bewertung (vgl. BGH, Urteil v. 10.04.2008, Az: I ZR 227/05; BGH MMR 2012, 124; OLG Düsseldorf, MMR 2006, 553; OLG Brandenburg, Urteil v. 16.11.2005, Az: 4 U 5/05). Dem jeweiligen Unternehmer kann es nämlich nicht zugemutet werden, alle Einträge zu kontrollieren und die rechtliche Einschätzung der Inhalte vorzunehmen. Spätestens aber mit der Information der rechtswidrigen Bewertung haftet auch Jameda.


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