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Jugendliche und Strafrecht: Das passiert, wenn Ihr als Verdächtige mit den falschen Leuten redet

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Wenn Du einer Straftat verdächtigt wirst, kannst Du genau zwei Leuten trauen: Dir selbst. Und Deinem Verteidiger. Warum es besser ist, bei der Polizei und der Jugendgerichtshilfe die Klappe zu halten, und warum auch Jugendliche selbst einen Anwalt als Verteidiger beauftragen dürfen, erfährst Du in diesem Artikel.

Wenn Du plötzlich mit der Polizei zu tun hast, ist Stress angesagt. Mit Eltern und Schule. Und mit der Justiz. Du fragst Dich vielleicht: Wem kann ich jetzt noch trauen? Deinen Kumpels? Was aber, wenn die mit drinstecken? Und einer der Kumpels plötzlich keiner mehr ist und auspackt und Dich belastet? 

Wenn Dich die Polizei verhören will: Halte um Gottes Willen die Klappe. Du darfst schweigen. Und Dein Schweigen macht die Sache auch nicht schlimmer. Denn Schweigen darf im Prozess niemals gegen Dich verwendet werden. Dein Reden aber schon.

Manchmal kommt – bevor Du überhaupt etwas von einer Anklage weißt – ein Brief von der „Jugendgerichtshilfe“. Das sind Menschen, die mit Dir reden wollen. Und sie sind im Auftrag des Gerichts unterwegs. 

Du bist nicht dazu verpflichtet, dort hinzugehen! Sag das auch Deinen Eltern! Und wenn Du dort hingehst, kann es sein, dass die Dich in ein Gespräch verwickeln und wissen wollen, warum Du das getan hast, was Dir die Polizei vorwirft. 

Stop! Stop! Stop! Denk nach! Wie heißt die Institution nochmal? Jugend-Gerichts-Hilfe. Wem hilft sie also? Dem Gericht! 

Klingelt's jetzt bei Dir? Daher mein Tipp auch hier: Klappe halten. 

Wenn Du davon erfährst, dass Du einer Straftat verdächtig wirst: Google nach „Strafverteidiger“ und „Fachanwalt für Strafrecht“. Was ist das? Ein Anwalt, der darauf spezialisiert ist, die Interessen von Menschen zu vertreten, die in die Fänge von Polizei und Justiz geraten sind.

Krass, denkst Du jetzt. Einen eigenen Anwalt? Ohne Eltern? Na klar. Das darfst Du! Der Staat will schließlich was von Dir, nicht von Deinen Eltern. Daher bist Du in Schwierigkeiten. Und nur Du brauchst jetzt jemanden, dem Du absolut vertrauen kannst. 

Ruf an. Mach einen Termin. Sag, dass die Polizei was von Dir will. Die Erstberatung ist kostenlos. Dein Verteidiger redet mit Dir unter vier Augen. 

Dein Verteidiger erklärt Dir genau, wie alles abläuft, welche Rechte Du hast und wo Du jetzt stehst. Über ihn erfährst Du, was die Polizei weiß. Er zeigt Dir, wer Dich angezeigt der wer gegen Dich ausgesagt hat.

Und das Wichtigste: Deinen Verteidiger interessiert nicht die Wahrheit. Ihn interessiert nur ein einziger Punkt: Welche Beweise liegen gegen Dich vor? Kannst Du deshalb verurteilt werden? Er – und nur er – ist nach den Regeln des deutschen Strafprozesses Dein Interessenvertreter und Dein Fürsprecher. 

Und in vielen Fällen ist diese Aufgabe dem Staat so viel wert, dass er sogar die Kosten übernimmt. Man nennt das dann Pflichtverteidiger. Also. Dein eigener Anwalt ist kein Luxus, sondern eine sehr wichtige Sache. 

Mach von Deinem Recht zu schweigen („Klappe halten“) Gebrauch. Und von Deinem Recht, einen Anwalt anzurufen („Ohne meinen Anwalt sag ich nichts“).


Rechtstipp aus dem Rechtsgebiet Strafrecht

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