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Jugendstrafrecht: Bitchfight

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Unter einem Bitchfight ist ein Kampf (= fight) zwischen Schlampen/Miststücken (= bitch) zu verstehen. In politisch korrekter Weise spricht man auch von einem „Zickenkrieg".

Die verbale Auseinandersetzung zwischen dem Minister Siegmar Gabriel und der ZDF-Moderatorin Marietta Slomka wird gelegentlich auch als „bitchfight" bezeichnet. Jedoch beschäftigt sich dieser Artikel nicht mit verbalen, sondern ganz konkreten und handreiflichen Auseinandersetzungen zwischen zumeist jungen Mädchen im Schulalter.

Gibt man auf YouTube den Suchbegriff „bitchfight" ein, bekommt man Videos zu sehen, in welchem eine bzw. mehrere junge Mädchen auf ein anderes Mädchen einschlagen, an den Haaren ziehen, den Kopf des meistens völlig unterlegenen Mädchens gegen Zäune, Wände usw. usf. schlagen.

Dabei handelt es sich um Videos völlig entfesselter und enthemmter Gewalt. Drumherum stehen andere, die anfeuern oder die Situation filmen.

Wie kann es zu einem derartigen Gewaltexzess kommen?

Grundsätzlich kann man davon ausgehen, dass eine Schlägerei zwischen jungen Männern wahrscheinlicher ist. Jungs bzw. Männer sind risikogeneigter. Gerade bei jungen Männer wird die Persönlichkeit häufig durch ein „Sich-zur-Schau-Stellen" der eigenen Kraft und Stärke gebildet.

Mädchen bzw. junge Frauen dagegen sind eher dem Worte und der Beleidigung zugeneigt.

Ein Erklärungsmodell für solche Gewaltexzesse zwischen jungen Frauen im „bitchfight" ist, dass die in der Gruppe sozial am meisten Gemiedene, die Außenseiterin, zunächst isoliert ist, dann mit zunehmender Dynamik beleidigt wird. Dadurch wird die Außenseiterin immer mehr isoliert. Die Täterinnen haben das Gefühl, dass Beleidigungen und später die Schläge die Richtige treffen.

Durch die Täterin erlebte Frustrations- und Aggressionssituationen werden durch die Beleidigungen und Körperverletzungen zunächst abgebaut. Die Täterin bekommt ein Gefühl der Macht über ihr Opfer und wird von anderen dazu auch noch beklatscht.

Im Rahmen der Tatausführung erlebt die eigentliche Täterin dann einen Adrenalinrausch, der - mit dem Übertreten der Grenze zur Körperverletzung - angefeuert wird und zu einer Entmenschlichung des Opfers führt. Alle Wut, die gesamte Raserei wird auf das Opfer und die Schläge übertragen. Geht niemand dazwischen, kann es vorkommen, dass das Opfer bewusstlos geschlagen wird. Teilweise wird noch auf das am Boden liegende Opfer eingeschlagen und -getreten!

Die Jugendgerichte sind in solchen Fällen schnell mit Arrest oder Jugend(freiheits)strafe, also Gefängnis zur Hand.

Kommt es noch dazu, dass eine weitere Täterin geschlagen hat, dann kommt eine gefährliche Körperverletzung (§ 224 Abs. 1 Nr. 4 Strafgesetzbuch) in Betracht, welche mit Gefängnis von 6 Monaten bis zu 10 Jahren, in minder schweren Fällen von 3 Monaten bis zu fünf Jahren bestraft wird.

Nicht zu unterschätzen ist, dass der beschuhte Fuß bereits ein gefährliches Werkzeug im Sinne von § 224 StGB sein kann. Tritte mit dem Schuh können also noch einen weiteren Tatbestand auslösen und sind bei der Strafzumessung zu berücksichtigen.

Wenn jemand an einem solchen Kampf teilgenommen hat und nunmehr die Strafverfolgung droht, dann ist es am sinnvollsten die Offensive zu ergreifen und sie nicht der Staatsanwaltschaft oder dem Gericht zu überlassen.

Maßgeblich ist die Durchführung eines Täter-Opfer-Ausgleichs (§ 46a StGB), mit dem der angerichtete Schaden teilweise wieder gut gemacht werden soll. Die Planung eines solchen Täter-Opfer-Ausgleichs bedarf einer genauen Akteneinsicht, der Planung zur Kommunikationsaufnahme mit dem Opfer durch den Strafverteidiger, dem Coaching der Täterin und der Mitteilung eines solchen Ausgleichs gegenüber Staatsanwaltschaft und Gericht.

Wenn Sie Fragen haben, dann sprechen Sie die

Rechtsanwälte Stüwe & Kirchmann

Goethestraße 11
42489 Wülfrath

Tel.: 02058 . 17 99 214
Fax: 02058 . 17 99 215
E-Mail: Kanzlei@RAStuewe.de
Web: www.Anwalt-Wuelfrath.de

an.


Rechtstipp vom 04.02.2014
aus der Themenwelt Strafverfahren und den Rechtsgebieten Opferhilfe, Strafrecht

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