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Kaum Geld zum Leben – und schon gar nicht zum Sterben?

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Diejenigen, denen das Geld kaum zum Leben reicht, haben meist auch nicht genug für eine Beerdigung: Findet sich unter den Angehörigen niemand, der die Kosten für eine Bestattung übernimmt, muss das Sozialamt einspringen. Oft droht damit die Zwangsbestattung. In der Regel ist dies eine Einäscherung mit anonymer Beisetzung. Eine Zwangsbestattung wird immer dann verfügt, wenn die im Bestattungsgesetz des jeweiligen Bundeslandes festgelegten Bestattungs-fristen überzogen wurden. Dies passiert, wenn die zuständigen Behörden für die Überprüfung ihrer Ansprüche an die infrage kommenden Angehörigen mehr Zeit als erlaubt aufwenden mussten. Sind Angehörige vorhanden, müssen diese für die Beerdigung aufkommen.

Doch immer mehr Deutschen fehlt das Geld, um die Bestattung eines Angehörigen zu bezahlen. Kann niemand die erforderlichen Kosten übernehmen, muss die Kommune ein einfaches, würdiges und ortsübliches Begräbnis ganz oder zumindest teilweise bezahlen, wobei die Bestattung nicht 'auffällig arm' erscheinen darf. Das sind dann die sogenannten Sozialbestattungen. Das Sozialamt prüft vorher, ob es für die Hinterbliebenen unzumutbar ist, die Bestattungskosten zu tragen. Selbst wenn Angehörige jahrzehntelang keine persönliche Bindung mehr zum Verstorbenen hatten, reicht das als Begründung für eine Unzumutbarkeit nicht aus. Allerdings können mittellose Angehörige, die eine Übernahme der Kosten beantragen, nicht mit dem Argument darauf abgewiesen werden, sich an ihre zahlungsstärkeren Verwandten zu wenden. Laut Bundessozialgericht muss das Sozialamt die Bestattungskosten erst mal vorleisten und kann im Anschluss die Verwandten in Anspruch nehmen.

Eine Beerdigung kostet in Deutschland durchschnittlich zwischen 2500 und 4000 Euro (ohne Friedhofsgebühren, ohne Grabmal). Im Falle einer Sozialbeerdigung kommt das Sozialamt aber nur für die einfachste Ausstattung bei Trauerfeier, Sarg und Grabausstattung auf. Die Zahlungen hierfür bewegen sich ortsabhängig zwischen 1000 und 1600 €.

Wer selbst vorsorgen möchte durch eine Sterbeversicherung, sollte sich dies genau überlegen. Unter Umständen kann bei Hartz 4-Beziehern verlangt werden, diese erst aufzulösen, da der Rückkaufswert einer solchen Versicherung als Einkommen zählt. Ist die Versicherung allerdings so gestaltet, dass sie zweckgebunden ausgezahlt wird, ein Dritter als Begünstigter eingesetzt ist, z. B. das Bestattungsunternehmen, oder zu Lebzeiten nicht ausgezahlt werden kann, sieht die Sache schon anders aus.


Rechtstipp vom 23.11.2012
aus den Rechtsgebieten Betreuungsrecht, Sozialrecht, Verwaltungsrecht

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