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Kein dynamischer Arbeitsplatz für Beamtin

Rechtstipp vom 18.03.2016
(7)
Rechtstipp vom 18.03.2016
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Kein dynamischer Arbeitsplatz für Beamtin
anwalt.de kurios - skurrile Ereignisse zum Thema Recht

Dynamischsein verbinden nicht gerade viele mit Beamten. Vielmehr haftet den Staatsdienern das gegenteilige Bild an. Bücherweise behandeln Beamtenwitze das Klischee vom faulen Beamten. Stehen ein Laufband und ein Sofa im Büro einer Beamtin, ist jedoch nicht der Beginn eines weiteren Witzes dieser Art, sondern die Basis eines besonderen Beamtenstreits.

Laufband und Sofa im Büro

Protagonisten der Posse waren der Präsident und die Leitende Bibliotheksdirektorin der Universität Trier. Die Beamtin hatte sich eines Tages ein Laufband und ein Sofa in ihr Büro bringen lassen. Beides sollte ihr nach einem Bandscheibenvorfall helfen, dass sie ihre sonst übliche Sitzposition bei der Arbeit verlassen konnte. Dazu hatte sie geplant, auf dem Laufband an einem Stehpult zu arbeiten – eine im modernen Sprachgebrauch auch als „treadmill workstation“ bezeichnete Kombination. Aus dem in ihren eigenen Augen dynamischen Arbeitsplatz wurde jedoch nichts. Denn statt laufen hieß es plötzlich: Sofa und Laufband müssen gehen. Die Bibliotheksdirektorin hatte ihre Pläne nämlich ohne den Universitätspräsidenten gemacht. Der zeigte wenig Verständnis für den dynamischen Arbeitsplatz. Als Vorgesetzter verpflichtete er die Mitarbeiterin kurzerhand mittels Dienstanweisung dazu, Sofa und Laufband zu entfernen. Und so landete beides im Lagerraum der Universität und der Fall vor Gericht.

Besenkammer statt Brandschutztür

Das Verwaltungsgericht Trier, das eher Streitigkeiten über die Laufbahn von Beamten als über deren Laufband verhandelt, setzte sich ausgiebig mit der Klage der Frau auseinander. Für die lief es am Ende alles andere als gut. Gegen das Aufstellen von Laufband und Sofa sprachen handfeste Gründe. So war bereits unklar, wer die Stromkosten für das mit einem 2,7-PS-Elektromotor ausgestattete Laufband übernimmt. Eine vorherige Absprache gab es jedenfalls nicht.

Zudem verstieß das laut einschlägiger Testberichte an einer erheblichen Zahl von konstruktiven Mängeln leidende Laufband gegen die Brandschutzvorschriften. Besonders brisant: Das Büro der Bibliotheksdirektorin war nur durch eine Tür von der Bibliothek mit ihren vielen Büchern getrennt. Der Forderung der Frau nach Einbau einer teuren Brandschutztür stand das vergleichsweise günstige Entfernen des Laufbands gegenüber, weshalb das Gericht auch diesem Argument nicht folgte. Auch das insofern weniger gefährliche Sofa kam nicht gut weg. Für ihre Behauptung, dass ausschließlich in ihrem Büro das Sofa entfernt werden müsste, während solche in anderen Büros geduldet würden, erbrachte sie keinen Beweis.

Laufband nicht alternativlos

Was die medizinischen Gründe betrifft, bot die Universität der Beamtin zudem ausreichend Alternativen zum Laufband. So verfügt die Universität über ein eigenes, kostengünstig zu nutzendes Fitnessstudio. Die Frau habe sich in den Grünanlagen auf dem Universitätsgelände bewegen können, was ihr dank ihres flexiblen Arbeitszeitmodells ausreichend möglich wäre. Nicht zuletzt hätte die Beamtin einen orthopädischen Bürostuhl oder einen elektrisch höhenverstellbaren Schreibtisch beantragen können.

(VG Trier, Urteil v. 12.01.2016, Az.: 1 K 3238/15.TR)

(GUE)

Foto : ©iStockphoto.com


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