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Kein Vollkaskoschutz bei Fahrten auf dem Nürburgring (2)

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Das Oberlandesgericht München hat am 21.11.2017 (Beschl. v. 21.11.2017 – 25 U 2615/17) entschieden, dass mit einer Vereinbarung im Versicherungsschein Fahrten auf dem Nürburgring als Rennstrecke wirksam vom Schutz der Vollkaskoversicherung ausgeschlossen werden können. Ein verschuldensunabhängiger und vom konkreten Risiko unabhängiger Risikoausschluss für Schäden bei Fahrten auf Rennstrecken (hier: dem Nürburgring) ist grundsätzlich wirksam und stelle keine unangemessene Benachteiligung im Sinne des § 307 BGB dar, da er weder von einer gesetzlichen Regelung abweicht noch den Vertragszweck aushöhlt. 

Damit liegt das Gericht auf einer Linie mit früheren Entscheidungen der Oberlandesgerichte Köln (Entscheidung vom 21.11.2006 − 9 U 76/06), Karlsruhe (Entscheidung vom 15.04.2014 − Az: 12 U 149/13) und Düsseldorf (Beschl. v. 07.10.2016 – 4 U 100/16). Die vorgenannten Oberlandesgerichte mussten sich bereits in der Vergangenheit mit einer klassischen Rennstreckenklausel und Leistungsausschlüssen für Fahrten auf Motorsport-Rennstrecken auseinandersetzen (siehe Rechtstipp: „Kein Kaskoschutz bei Fahrten auf der Nordschleife des Nürburgrings“). 

Risikoausschlüsse führen im Falle eines Unfalls dazu, dass der kaskoversicherte Rennsportfreund letztlich auf seinem Schaden sitzenbleibt. Wie das Urteil aus München deutlich aufzeigt, kann von der „erweiterten Rennstreckenklausel“ auch die Teilnahme beim sog. freien Fahren des deutschen Sportfahrerkreis e.V. erfasst sein. 

Teilweise wollen Versicherer sogar Fahrsicherheitstrainings erfasst wissen. Wiederum andere Versicherer arbeiten mit sog. Rückausnahmen. So können auch solche „Rennstreckenklauseln“ einer Inhaltskontrolle standhalten, mit denen Schäden vom Versicherungsschutz ausgeschlossen werden, die bei der Beteiligung an Fahrtveranstaltungen mit dem Ziel von Höchstgeschwindigkeiten entstehen oder allgemein im Rahmen von Fahrten auf Motorsport-Rennstrecken, auch wenn es nicht auf Erzielung von Höchstgeschwindigkeit ankommt, aber eine Rückausnahme für echte Fahrsicherheitstrainings vorsehen. (vgl. etwa OLG Düsseldorf Beschl. v. 7.10.2016 – 4 U 100/16) 

Fazit: Es gibt nicht eine identische Rennsportklausel in den AKB. Vor der Fahrt auf Rennstrecken wie dem Nürburgring daher unbedingt die Versicherungsbedingungen lesen!

Andreas J. Tryba

Fachanwalt für Verkehrsrecht

Dittmann & Hartmann – Rechtsanwälte in Partnerschaft


Rechtstipp vom 17.04.2018

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