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(Keine) Freie Bahn für bekennende Schwarzfahrer?

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(Keine) Freie Bahn für bekennende Schwarzfahrer?
anwalt.de kurios - skurrile Ereignisse zum Thema Recht

Schwarzfahrer gibt es schon seit Langem – insofern ist dieses Thema also eigentlich ein alter Hut. Neu ist allerdings, dass auf die Untat auch hingewiesen wird. So manch zahlungsunwilliger bzw. -unfähiger Fahrgast trägt beispielsweise ein T-Shirt mit entsprechendem Schriftzug. Für die etwas knickrigeren unter den Schwarzfahrern muss dagegen ein Zettel mit der Aufschrift „Ich fahre schwarz“ auf einer Mütze reichen. Doch fährt man überhaupt noch schwarz, wenn man Gott und die Welt darauf aufmerksam gemacht hat, kein Fahrtticket zu besitzen? Mit dieser Frage musste sich das Oberlandesgericht (OLG) Köln kürzlich auseinandersetzen.

Bahnfahrer hat einen an der Mütze

Nein, lieber Leser, nicht was Sie denken! Der Fahrgast war nicht verrückt – was er an der Mütze hatte, war nur ein Zettel mit der Aufschrift „Ich fahre schwarz“. Allerdings spielte auch das Närrische in diesem Fall eine gewisse Rolle: Der Schwarzfahrer war nämlich am 11.11.11 unterwegs – ob er auch um genau 11:11 Uhr ohne Ticket in die Bahn gestiegen ist und das Ganze ein schlechter Scherz zum Beginn der fünften Jahreszeit sein sollte, blieb jedoch bis zuletzt unklar.

Nachdem der Strolch also das Bahnabteil betreten und sich einen Sitzplatz gesucht hatte, wurde ein Fahrbahnkontrolleur während der Fahrt auf die krumme Tour des Fahrgasts aufmerksam. Der konnte schließlich kein gültiges Ticket aus der besagten Mütze zaubern. Das warf ihn zwar nicht aus der Bahn, dennoch landete er ziemlich unsanft auf der Anklagebank. Dort wurde er wegen Schwarzfahrens verurteilt – die Juristen nennen das „Erschleichen von Leistungen“ bzw. „Beförderungserschleichung“ gemäß § 265a I Alt. 3 Strafgesetzbuch (StGB).

Der verurteilte Jecke ärgerte sich daraufhin schwarz. Von Erschleichen einer Leistung könne schließlich keine Rede sein, habe er doch mit dem für jedermann erkennbaren Zettel auf seiner Mütze deutlich zum Ausdruck gebracht, dass er über kein gültiges Ticket verfüge.

Schwarzfahrer bekommt eins auf die Mütze

Das OLG Köln bereitete dem närrischen Treiben nun endgültig ein Ende. Um alles unter einen Hut zu bringen: Der Schwarzfahrer hatte von Anfang an so getan, als wäre er ein zahlender Kunde der Bahn – bis er auf frischer Tat vom Fahrkartenkontrolleur ertappt wurde. Daran ändert auch der Zettel mit der Aufschrift „Ich fahre schwarz“ nichts, den er sich an die Mütze geklemmt hatte.

Dass er kostenlos bahnfahren wollte, musste sich allein wegen des Zettels nämlich niemandem aufdrängen. Erstens hätte er theoretisch noch im Zug ein Ticket ziehen können, nachdem er eingestiegen war. Zweitens – so das Gericht – ist es anderen Passagieren in der Regel vollkommen gleichgültig, ob ihr Sitznachbar mit oder ohne Ticket unterwegs ist. Und selbst wenn, so hätten sie sich nicht zum Sheriff aufschwingen und den vermeintlichen Schwarzfahrer vom Betreten des Zugs abhalten dürfen.

Fazit: Wer ein öffentliches Verkehrsmittel nutzt, ohne zuvor ein Ticket zu ziehen bzw. mit sich zu führen, macht sich strafbar – auch wenn man auf seine Schwarzfahrt mittels Zettel, T-Shirt, Buttons usw. aufmerksam macht.

(OLG Köln, Beschluss v. 02.09.2015, Az.: 1 RVs 118/15)

(VOI)

 

Foto : ©iStockphoto.com


Rechtstipp vom 26.11.2015
aus dem Rechtsgebiet Strafrecht

Tipp der Juristischen Redaktion von anwalt.de

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