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Kfz-Meisterin fliegt legal in die Luft

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Kfz-Meisterin fliegt legal in die Luft
anwalt.de kurios - skurrile Ereignisse zum Thema Recht

„Der Weltraum – unendliche Weiten“ – wer kennt dieses Zitat aus der Serie „Raumschiff Enterprise“ nicht? Leider kann sich Otto Normalverbraucher aber keinen Weltraumflug leisten, um bekannten Aliens wie Spock, Yoda oder E.T. einen kurzen Besuch abzustatten. Diese eklatante Marktlücke machte sich vor einiger Zeit eine bekannte Fast-Food-Kette zunutze und verloste als Hauptpreis einen Spaceflug als „absoluten Erlebnis-Kick“. Der Gewinner landete aber nicht im All, sondern in einem deutschen Gerichtssaal.

Spaceflug gegen Auto „getauscht“

Ein Gebrauchtwagenhändler zog in einem Fast-Food-Restaurant das große Los: Er sollte wortwörtlich auf den Mond geschossen werden. Einziger Haken: Ohne ein vorher bestandenes professionelles Astronautentraining musste er auf dem Boden des Planeten Terra bleiben. Da ihm wohl eine Stange Geld als Hauptgewinn lieber gewesen wäre, fragte er eine Bekannte per SMS, ob sie zum Mond fliegen wolle. Die dafür an ihn zu zahlenden 25.000 Euro seien doch für den Ausflug ins All – der immerhin einen Wert von ca. 80.000 Euro haben sollte – ein wahres Schnäppchen.

Die Betreiberin einer Kfz-Werkstatt hielt das Angebot zunächst zwar für einen schlechten Scherz, nahm es aber letztendlich an. Da ihr jedoch das nötige Kleingeld fehlte, bot sie ihm für den Gewinncoupon einen gebrauchten Mercedes Benz, Baujahr 2006 und mit einer Laufleistung von 80.000 km. Gutschein und Auto wurden daraufhin ausgetauscht und die Kfz-Meisterin bereitete sich unter ständigem Medienrummel auf ihr Abenteuer im Weltall vor.

Noch bevor ihr Abschuss in den Weltraum freigegeben werde konnte, war jedoch der Gebrauchtwagenhändler kurz nach seinem eigenen Höhenflug wieder unsanft gelandet: Die Kfz-Meisterin habe ihm nämlich mehrere Autos sowie teure Alufelgen versprochen, die in etwa denselben Wert wie der Trip in den Weltraum hatten. Der Mercedes sei jedoch nur Schrott und überhaupt habe er die SMS gar nicht ernst gemeint. Er wolle lieber den Gewinncoupon zurück bzw. den Wert der Reise ersetzt haben. Die Sache landete vor Gericht – dort behauptete der Gebrauchtwagenhändler plötzlich, dass sich die Laien-Astronautin den Gewinncoupon ohne sein Wollen unter den Nagel gerissen habe. Erst später sei er darauf aufmerksam geworden, dass die Kfz-Meisterin den Gutschein eingelöst hat und bald in die Luft fliegt. Um zu verhindern, dass sie verklagt wird, habe sie ihm daraufhin den Mercedes sowie andere Kfz und Alufelgen versprochen.

Kfz-Meisterin darf abheben

Vor dem LG (Landgericht) Magdeburg flog der Gebrauchtwagenhändler – auf die Nase.

So waren nicht nur seine Aussagen widersprüchlich – anscheinend lebte er auch hinter dem Mond. Die Richter konnten sich nämlich nicht erklären, warum er der Kfz-Meisterin den Spaceflug überhaupt per SMS angeboten hat, wenn er ihn eigentlich gar nicht verkaufen wollte.

Des Weiteren stand auch nach der Gerichtsverhandlung noch immer in den Sternen, welche Gegenleistung für den Coupon tatsächlich vereinbart worden war. Allerdings konnte der Gebrauchtwagenhändler nicht nachweisen, dass die Kfz-Meisterin ihm neben dem Mercedes noch weitere Fahrzeuge sowie Alufelgen schuldete – außerdem hätte es nach Ansicht der Richter auch wenig Sinn gemacht: Wäre sie nämlich durch das Qualifikationstraining für Astronauten gefallen, hätte sie die Reise in der Schwerelosigkeit vergessen können – sie hätte also 80.000 Euro für nichts gezahlt und damit lediglich in ihrem Geldbeutel ein Schwarzes Loch hautnah erlebt.

Auch konnte sie 25.000 Euro für eine „bloße Freizeitaktivität“ nicht einfach aus dem Ärmel schütteln, weshalb es realistisch erschien, dass der Coupon lediglich gegen den Mercedes „getauscht“ werden sollte. Dass der keine 25.000 Euro – geschweige denn 80.000 Euro – wert war, hätte ihm als Gebrauchtwagenhändler aufgrund der Laufleistung und des Baujahrs auch auffallen können, war er doch selbst ein Mann vom Fach. Im Übrigen betrieb die Hobby-Astronautin eine Kfz-Werkstatt – dort kann man eher selten Neuwagen erwerben, was dem Händler ebenfalls hätte klar sein müssen. Hinzu kam, dass der Händler den Gutschein selbst für „nur“ 25.000 Euro angeboten hat – es gab also keinen Grund für die terrestrische Weltraumbesucherin, ihm plötzlich Autos und Aluflegen im Wert von ca. 80.000 Euro zu übergeben.

Das Gericht hatte eher den Eindruck, dass sich der Händler übers Ohr gehauen fühlte und glaubte, dass der Medienrummel um die erste deutsche Frau, die ins All geschossen werden soll, für zusätzliche Einnahmequellen bei dieser geführt hatte, wovon er wohl eine Scheibe abhaben wollte.

Da sich ein Otto Normalverbraucher oder ein Lieschen Müller einen abgehobenen, intergalaktischen Trip in die unendlichen Weiten des Universums samt einem „unvergesslichen Blick auf die Erde“ in der Regel nicht leisten, geschweige denn einen solchen buchen kann, hielt das Gericht einen objektiven Reisewert von 80.000 Euro ohnehin für überzogen. Der Händler solle also nicht den Mond anbellen, sondern glücklich mit dem Mercedes sein. Mehr bekomme er nämlich von der Hobby-Astronautin nicht.

(LG Magdeburg, Urteil v. 02.04.2015, Az.: 2 O 1806/13)

(VOI)

Foto : ©iStockphoto.com


Rechtstipp vom 30.06.2015
aus dem Rechtsgebiet Zivilrecht

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