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KfZ-Reparatur und wirtschaftlicher Totalschaden – Kostenfalle nach Verkehrsunfall

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Die Deutschen lieben ihr Auto. Dem trägt die Rechtsprechung im Falle der vielen Rechtsstreitigkeiten um massive KfZ-Schäden seit Jahrzehnten Rechnung: Ist die Reparatur eines Unfallwagens teurer als die Ersatzanschaffung eines gleichwertigen Modells, so ist das entgegen des sogenannten Wirtschaftlichkeitsgebotes im Schadensrecht völlig in Ordnung – bis zu einem gewissen Grad! Der Reparaturaufwand, bestehend aus Reparaturkosten zuzüglich des unfallbedingt verbleibenden Minderwerts des reparierten Wagens, darf die Kosten eines gleichwertigen Ersatzfahrzeugs um bis zu 30 Prozent überschreiten. Würde also ein Ersatzfahrzeug in der Anschaffung 10.000 Euro kosten, so darf der Reparaturaufwand des verunfallten Fahrzeuges 13.000 Euro betragen.

Liegt der Reparaturaufwand um mehr als 30 Prozent über der Beschaffung eines gleichwertigen Ersatzwagens, muss der Geschädigte von der Reparatur Abstand nehmen. Es liegt dann ein sogenannter wirtschaftlicher Totalschaden vor. Führt der Geschädigte die Reparatur dennoch aus, so kann er beim Schädiger lediglich die Kosten des billigeren Herstellungsweges einfordern, also die Kosten eines gleichwertigen Ersatzfahrzeuges.

Im Rahmen dieser 30-Prozent-Grenze lauern viele Tücken. Ein Sachverständigengutachten einschließlich Kostenschätzung muss ergeben, dass diese Grenze bei sach- und fachgerechter Reparatur in einer Werkstatt eingehalten werden kann. Ist dies nicht möglich, können Reparaturkosten nicht geltend gemacht werden. Der Geschädigte muss sich vollständig an den Reparaturplan des Sachverständigen halten. Bei Abweichungen ist unerheblich, dass die Reparatur trotzdem fachgerecht durchgeführt wurde und keine „optischen Mängel“ mehr vorhanden sind (BGH, Urteil vom 02.06.2015 – VI ZR 387/14). Drückt ein Geschädigter den Reparaturaufwand eigenmächtig und entgegen des Sachverständigengutachtens unter die „magische Grenze“, indem er zum Beispiel Werkstattrabatte nutzt oder „optisch unwichtige“ Fahrzeugteile weglässt, riskiert er, auf den Kosten oberhalb des Wiederbeschaffungswertes sitzen zu bleiben.

Aufgrund der Komplexität solcher Unfallfragen ist anwaltlicher Beistand unentbehrlich. Die Anwaltskosten können daher dem Schädiger grundsätzlich als Schaden in Rechnung gestellt werden.


Rechtstipp aus den Rechtsgebieten Schadensersatzrecht & Schmerzensgeldrecht, Verkehrsrecht

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