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Kindesunterhalt nach dem Wechselmodell: Eine wirkliche Alternative?

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Wissenswertes zum Wechselmodell

Im Rahmen einer Scheidung stellt sich Eltern immer die Frage, wie sie die Betreuung der Kinder gestalten wollen. Angesichts der Tatsache, dass der Trennungsprozess doch recht schmerzhaft sein kann, gilt es, diese Entscheidung immer mit dem Blick auf das Wohl der Kinder zu treffen.

Die meisten Eltern entscheiden sich daher für das sog. Residenzmodell, in dem die Eltern zumeist das gemeinsame Sorgerecht behalten, das Kind jedoch nur bei einem Elternteil, vielfach der Mutter, wohnt. Dabei hat der andere Elternteil weiterhin ein Besuchs- bzw. Umgangsrecht, welches er nach Absprache z.B. durch ein 14-tägliches Besuchswochenende ausübt.

Das Wechselmodell stellt eine Alternative dar, welches beiden Elternteilen die Möglichkeit gibt, dass das Kind bei ihnen wohnt. Welche Vorteile, aber auch Nachteile sowie welche finanziellen Folgen mit diesem Modell verbunden sind, wollen wir Ihnen im Folgenden darlegen.

Allgemeines zum Begriff Wechselmodell

Besonders in Frankreich und in den skandinavischen Ländern ist das Wechselmodell eine sehr beliebte und weit verbreitete Betreuungsform. In Deutschland ist es noch weitgehend unbekannt und folglich rechtlich noch nicht so festgelegt wie das Residenzmodell. 

Das Wechselmodell wird oft auch Pendelmodell genannt, was daran liegt, dass die Betreuung des Kindes nach der Scheidung gleichermaßen von Mutter und Vater übernommen wird und so das Kind zwischen den beiden Haushalten pendelt. Ein „echtes“ Wechselmodell liegt laut BGH-Urteil jedoch nur dann vor, wenn Mutter und Vater sich die Betreuungszeit genau hälftig also zu je 50% teilen. Zwar gilt auch eine Verteilung der Betreuungszeit von 70% zu 30% rechtlich noch als Wechselmodell, hinsichtlich bestimmter finanzieller Fragen, z.B. des Unterhalts, liegt in Augen des BGH in diesem Fall jedoch kein „echtes“ Wechselmodell vor.

Prinzipiell sieht die Betreuung im Wechselmodell dermaßen aus, dass das Kind in immer wiederkehrenden Abständen beim Vater und bei der Mutter im Haushalt lebt. Diese Abstände können wöchentlich, 14-tägig oder gar mehrtägig sein. Die Dauer des Aufenthalts ist ebenso nicht festgelegt wie der Abstand, in dem gependelt wird. Dies bedeutete, dass die Eltern in Ansprache miteinander alle Rahmenbedingungen der Betreuung selber bestimmen. 

Nicht nur bezüglich dieser Rahmenbedingungen, sondern auch der erzieherischen Fragen bedarf es einiger Absprachen zwischen den Elternteilen. So sollte dem Kind zu Liebe, Einigkeit in grundsätzlichen erzieherischen Grundeinstellungen herrschen. 

So kommen auf den Punkt der Voraussetzungen für das Wechselmodell zu sprechen. Wie gesagt sollten viele Dinge, die den Lebensalltag des Kindes bestimmen, unter den Eltern möglichst ohne Streitigkeiten verabredet werden. Schließlich soll das Leben des Kindes in Bezug auf Kindergarten, Schule und Freizeitgestaltung trotz Wechsel des Haushaltes kontinuierlich fortgeführt werden. Dementsprechend wichtig ist es, dass die Elternteile trotz ihrer privaten Differenzen eine gepflegte Kommunikationskultur beherrschen, da ansonsten das Kind in Streitigkeiten einbezogen wird und so Unruhe und Ängste erzeugt werden. 

Eine weitere wünschenswerte Voraussetzung für ein gelingendes Wechselmodell ist die nahe Wohnortlage beider Haushalte, die es dem Kind ermöglicht, sein soziales Umfeld beizubehalten. 

Da das Wohl des Kindes immer im Vordergrund stehen sollte, müssen beide Elternteile sowie auch das Kind mit dem Wechselmodell einverstanden sein. Insbesondere wenn das Kind unglücklich über die Entscheidung der Eltern erscheinen sollte, müssen die Eltern signalisieren, dass sie bereit sind, ihre Entscheidung zu überdenken und zu einer anderen Betreuungsform zu wechseln.

Vor- und Nachteile des Wechselmodells

Die Vorteile des Wechselmodells liegen auf der Hand. Durch die paritätische Betreuung durch beide Elternteile gelingt es dem Kind, eine intensive Beziehung zu beiden Elternteilen aufzubauen. Es erlebt Vater und Mutter gleichermaßen als erzieherische Bezugspersonen, was einen positiven Einfluss auf die Entwicklung des Kindes hat. Durch ein gelungenes Wechselmodell erfährt das Kind Wärme und Geborgenheit durch beide Elternteile. Es gibt nicht nur den „Wochenend-Papa“ und der Trennungsschmerz nach einem Besuchswochenende ist im Wechselmodell auf Grund der längeren Aufenthaltsdauer beim anderen Elternteil nicht so groß.

Eltern bleiben im Wechselmodell durch ihre gleichmäßigen Betreuungsanteile stärker im Gespräch als im Residenzmodell. Sie tragen gemeinsam Verantwortung für erzieherische Entscheidungen. Das kann zu einem geringeren Konfliktpotential führen und dadurch beruhigend auf das Kind wirken.

Dieser Vorteil kann jedoch auch ein Nachteil sein, denn schließlich scheitern Elternpaare auch trotz ihres Wunsches nach konfliktfreier Kommunikation, an dieser Hürde. Bedauerlicherweise entscheiden sich laut einer wissenschaftlichen Studie viele Eltern, die sich bereits vor der Scheidung öfter in Erziehungsfragen uneinig waren, gerade dann für das Wechselmodell, da sie sich mehr Autonomie erhoffen. Dies führt nicht selten zu einem Scheitern des Modells, was wiederum das Kind negativ beeinflusst.

Ein weiterer Nachteil kann auch die Zerrissenheit sein, die mit dem Modell verbunden ist. Gerade das Pendeln zwischen den Haushalten kann für Kinder bis zu 8-10 Jahre Unruhe und Stress bedeuten.

Das Wechselmodell erfordert zudem einige finanzielle Mehrleistungen von den Eltern. Zwei Haushalte müssen kindgerecht ausgestattet werden und auch die Lebensführungskosten von Eltern und Kind können erhöht sein.

Der Unterhalt im Wechselmodell

Grundsätzlich sind immer beide Elternteile gegenüber ihren Kindern unterhaltsverpflichtet, so lange sie minderjährig oder noch in Ausbildung sind. Neben dem allseits bekannten „Barunterhalt“ in Form von einer finanziellen Unterstützung gibt es noch den sog. „Naturalunterhalt“, in Form von Erziehung und Betreuung. Zwar sind nach der Scheidung beide Elternteile unterhaltspflichtig, es muss jedoch im Einzelfall angesichts der Vermögens- und Einkommensverhältnisse und der Betreuungssituation die Unterhaltspflicht und -höhe ermittelt werden. 

Im Wechselmodell betreuen schließlich beide Elternteile gleichermaßen bzw. in fast gleichen Teilen das Kind, so dass insbesondere die Frage nach dem Barunterhalt differenziert betrachtet werden muss. Entscheidend, so die Rechtsauffassung des BGH, ist hierbei die Definition des Wechselmodells. 

Nur wenn ein „echtes“ Wechselmodell vorliegt, also beide Elternteile zu genau je 50 % die Betreuung des Kindes übernehmen, sind beide Elternteile hinsichtlich des Barunterhalts zahlungspflichtig. Die Höhe des jeweiligen Unterhalts richtet sich dabei nach deren individueller Einkommens- und Vermögenssituation. Der Naturalunterhalt beider Elternteile wird zwar begünstigend berücksichtigt, man geht jedoch von einem erhöhten Kindesbedarf auf Grund der erhöhten Betreuungskosten im Wechselmodell aus. Auch nach dem Wechselmodell kann weiterhin Barunterhalt des einen Elternteils geschuldet sein. Dies richtet sich insbesondere danach, wie die Einkommensverhältnisse der Elternteile sind.

Liegt jedoch eine Betreuung durch die Mutter in Höhe von 75 % und durch den Vater in Höhe von 25 % im Wechselmodell vor, geht der BGH nicht mehr von einem „echten“ Wechselmodell aus. In dieser Konstellation kommt es zu einer Unterhaltsverpflichtung des Elternteils, der weniger Betreuungszeit hat, so dass nur seine Einkommens- und Vermögenssituation zu Rate gezogen wird. Auch in diesem Fall kann der Nachweis über erhöhte Lebensführungskosten durch das Kind begünstigend wirken, man geht jedoch auch hierbei von einem höheren Kindesbedarf auf Grund des Wechselmodells aus.

Das staatliche Kindergeld steht im Wechselmodell übrigens beiden Elternteilen hälftig zu. Problematisch kann dabei sein, dass es nur einem Elternteil ausgezahlt werden kann, der wiederum die Hälfte an den anderen Elternteil überweisen muss, wenn keine andere Absprache oder ein gemeinsames Kinderkonto besteht.

Tipp:

Das Wechselmodell ist eine durchaus gute Betreuungsform mit einigen Vorteilen. Da das Modell aber einiges mehr an Absprachen bedarf und zudem finanzielle Schwierigkeiten durch die genaue Unterhaltsberechnung entstehen können, ist es ratsam, sich im Vorfeld der Entscheidung durch unseren Familienrechtsexperten beraten zu lassen.

Jede Scheidung ist ein Einzelfall und insbesondere jedes Kind ist einzigartig. Erörtern Sie daher im Gespräch mit unserem Experten, ob das Modell in Ihrem Fall die geeignete Lösung ist. Passt das Modell zu Ihnen und Ihrem Ex-Partner? Haben Sie geeignete Voraussetzungen zur praktikablen Durchführung? Ist Ihr Kind alt genug, um diese Betreuungsform gut anzunehmen und welche Unterhaltsansprüche kommen ggf. auf Sie zu? 

All das sind wichtige Fragen, die nur ein Spezialist im Vorfeld mit Ihnen klären kann.

Ihre KGK-Rechtsanwälte aus Köln-Rodenkirchen


Rechtstipp aus dem Rechtsgebiet Familienrecht

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