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Klage gegen Pizzadienst - Streitwert: Fünf Euro

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Klage gegen Pizzadienst - Streitwert: Fünf Euro
anwalt.de kurios - skurrile Ereignisse zum Thema Recht

Was ist rund und muss ins Eckige – findet seine wahre Endstation allerdings in einem hungrigen Individuum? Zu schwer? Versuchen wir es so: Gesucht ist ein ursprünglich aus Italien stammendes, enorm populäres Produkt. So mancher, der mit der Bedienung des heimischen Herds auf Kriegsfuß steht, dürfte besonders froh sein, dass es existiert. Ach ja: Und es ist üblicherweise mit Tomaten und Käse belegt. Ist der Groschen nun gefallen? Für einen streitbaren Zeitgenossen wurde das gesuchte Nahrungsmittel jedenfalls zur durchaus teuren Angelegenheit – aber ab jetzt schön der Reihe nach und Benvenuto!

Pizzaservice patzt bei drei Lieferungen in Folge

Lieferdienst ist bekanntlich nicht gleich Lieferdienst und zugestandenermaßen kann es auch vorkommen, dass es gelegentlich an der Qualität der gelieferten Speisen hapert. Doch dermaßen kuriose Folgen wie im vorliegenden Fall, von dem die „Augsburger Allgemeine“ jüngst berichtete, ereignen sich wohl nicht alle Tage.

Hier nahm alles seinen Lauf allerdings nicht mit der berühmten Mafiatorte, sondern mit einer bestellten Portion Pasta. Ein hungriger Kunde eines Pizzalieferservice hatte verärgert zur Kenntnis genommen, dass die gelieferte Schale halbleer gewesen war. Auch die nächste Order beim selben Unternehmen gab Anlass zu einigem Unmut – der belegte Teigfladen erwies sich laut Maßband als um einiges kompakter als versprochen. Zudem hatte der enttäuschte Auftraggeber ein als Sonderangebot deklariertes Reisgericht bestellt. Zu dumm nur, dass ihm der volle Preis ohne Rabatt berechnet wurde.

Wegen fünf Euro vor Gericht

Bei dermaßen viel Unprofessionalität sah der enttäuschte Freund der schnellen, schmackhaften Küche schließlich tomatenrot. Und folglich tat er, was jeder Zeitgenosse mit gesundem Menschenverstand tun würde – nämlich die Sache verdauen und vergessen –, konsequent nicht. Stattdessen reichte er trotz eines Schadens von gerade einmal fünf Euro beim Amtsgericht Augsburg Klage gegen den Lieferdienstleister ein. Besagter Betrag ergab sich aus der Hälfte des Preises des Nudelgerichts, der Preisdifferenz zwischen der bestellten Pizza und deren nächstkleineren Ausgabe sowie dem ursprünglich versprochenen Rabatt. Zuvor habe es zwar außergerichtliche Verhandlungen gegeben, allerdings hatten sich diese als erfolglos erwiesen.

Prinzipienreiterei ist manchmal eben nicht ganz billig

Der klagefreudige Pastaliebhaber konnte immerhin kaum behaupten, dass sein Anliegen nicht ernst genommen wurde. Der Lieferservice wurde nämlich letztendlich verurteilt, insgesamt zwei Euro an ihn zu zahlen. Ein Euro wurde hierbei für die zu kleine Pizza angesetzt und ein weiterer für den vergessenen Rabatt. Also Grund zur Freude? Theoretisch ja, wenn die durch das Verfahren entstandenen Kosten von insgesamt 140 Euro nicht gewesen wären. Kann man somit von einem Sieger sprechen? Gute Frage, nächste Frage! Das Verhältnis von Kosten und Nutzen des juristischen Kraftakts erwies sich somit als – gut, nennen wir es: beachtlich!

Wer bis jetzt besonders aufmerksam gelesen hat, mag sich zudem die Frage stellen, was mit den restlichen drei Euro geschehen ist. Des Rätsels Lösung: Diese wurden dem enttäuschten Pasta-Fan durch das Gericht verwehrt, da er bereits eine Flasche Wein als Wiedergutmachung erhalten hatte. Die beherzte Klage war somit nur teilweise erfolgreich gewesen.

Da lässt sich nur sagen: „Mamma mia!“

Viele sagen, dass es sich oft lohnen kann, „aus Prinzip“ zu handeln. Ob es sich bei der vorliegenden Kuriosität um einen derartigen Fall handelt, geben wir gerne zur Diskussion frei. Eine Stellungnahme des „erfolgreichen“ Pasta-Klägers liegt zum augenblicklichen Zeitpunkt jedenfalls nicht vor. Durchaus realistisch scheint allerdings, dass der frischgebackene Pizza-Prinzipienreiter bezüglich seiner Ernährung in Zukunft diverse Alternativen in Betracht ziehen wird.

(JSC)

Foto : ©iStockphoto.com


Rechtstipp vom 13.11.2015

Tipp der Juristischen Redaktion von anwalt.de

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