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Kleinunternehmer: Ja oder Nein?

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Kleinunternehmer erheben in ihrer Rechnung keine 19 % Umsatzsteuer (auch Mehrwertsteuer genannt, die Begriffe sind inhaltlich gleich). Kleinunternehmer können daher auch keine Vorsteuer abziehen. Vorsteuer nennt man Umsatzsteuer, die ein Unternehmer seinerseits zunächst zahlt, wenn er beispielsweise Waren einkauft und dann vom Finanzamt erstattet bekommt. 

Oft wird gerade am Beginn der selbständigen Tätigkeit von der sog. Kleinunternehmerregelung Gebrauch gemacht, um sich den Verwaltungsaufwand mit der monatlichen Umsatzsteuervoranmeldung zu ersparen. Es gibt in diesem Zusammenhang zwei Grenzen zu beachten. Außerdem kommt es darauf an, ob Sie sich erst im laufenden Jahr oder bereits im vorangegangenen Jahr selbständig gemacht haben. 

Woran erkenne ich, ob ich (noch) Kleinunternehmer bin?

1. Selbständig im laufenden Jahr / steuerliche Erfassung im laufenden Jahr

17.500 € – Grenze: Maßgeblich ist das Jahr der Unternehmensgründung. Hier gilt die 17.500 € – Grenze abzüglich 19 % Umsatzsteuer, also anders gesagt 14.175 € netto (17.500 € minus 19 % USt aus 17.500 € i.h.V. 3.325 €). Vermeiden Sie einen sehr verbreiteten Fehler: Bei der Berechnung Ihrer Umsätze müssen Sie also Ihrem Netto-Umsatz 19 % Umsatzsteuer dazurechnen! Das bedeutet, auch wenn Ihr Netto-Umsatz zwischen 14.175 € und 17.500 € liegt, gilt die Kleinunternehmerregelung für Sie nicht mehr.

Beispiel: Herr Müller hat eine Bäckerei eröffnet. Sein voraussichtlicher Umsatz im ersten Geschäftsjahr beträgt 15.000 €. Diesem Wert muss Herr Müller noch die Umsatzsteuer hinzurechnen: 15.000,00 € zzgl.  19 % USt i.H.v. 2.850,00 € = 17.850,00 €. Damit liegt Herr Müller über der Grenze und fällt nicht unter die Kleinunternehmerregelung!     

50.000 € – Grenze: Ihr voraussichtlicher Umsatz im Folgejahr darf nicht mehr als 50.000,00 € betragen. Auch hier müssen Sie Ihren voraussichtlichen Umsatz wieder mit der Mehrwertsteuer addieren.

2. Selbständig im vorangegangen Jahr

Vorsicht beim Überschreiten der Umsatzgrenze im vorangegangenen Jahr!

Wenn Sie die Anforderungen an einen Kleinunternehmer nicht mehr erfüllen, d.h. Ihr Netto-Umsatz im Vorjahr mehr als 14.175 € beträgt, müssen Sie selbstständig ab dem Beginn des folgenden Geschäftsjahres die Umsatzsteuer in Ihrer Rechnung aufweisen und an das Finanzamt im Wege der Umsatzsteuervoranmeldung abführen. Die Pflicht zur Erhebung der Umsatzsteuer entsteht kraft Gesetzes. Tun Sie dies nicht, könnte es sehr teuer für Sie werden. Die entsprechende Aufforderung des Finanzamts kommt erst frühestens am Ende eines Geschäftsjahres, wenn Sie die Umsatzsteuererklärung abgeben. Sie müssen dann die Umsatzsteuer für alle zurückliegenden Monate nachbezahlen. Eine rückwirkende Rechnungskorrektur ist zwar grundsätzlich möglich und dürfte gegenüber einem Unternehmer, der selbst Umsatzsteuer erhebt, keine Probleme bereiten. Gegenüber einem Endkunden, der nunmehr mit einer rückwirkenden Erhöhung Ihrer Rechnung um 19 % nach Ablauf mehrerer Monate konfrontiert ist, dürfte eine solche Korrektur nur sehr schwierig sein. Tipp für Kleinunternehmer: Überprüfen Sie Ihren Umsatz des Vorjahres vor der Ausstellung der ersten Rechnung! Ist die Grenze von 14.175 € überschritten, müssen Sie ohne eine Aufforderung des Finanzamtes in Ihrer Rechnung Mehrwertsteuer berechnen. 

Rückkehr zur Kleinunternehmerregelung

Sobald Ihr Vorjahresumsatz (zuzüglich Umsatzsteuer) wieder unter 17.500 € liegt und der Jahresumsatz des Folgejahres voraussichtlich unter 50.000 € bleiben wird, können Sie beim Finanzamt den Kleinunternehmer-Status auf Antrag wiedererlangen. 

Verzicht auf Kleinunternehmerregelung

Sie sind nicht verpflichtet, die Kleinunternehmerregelung in Anspruch zu nehmen. Ihre Entscheidung für oder gegen die Kleinunternehmer-Regelung teilen Sie dem Finanzamt in der Regel auf dem „Fragebogen zur steuerlichen Erfassung“ mit, indem Sie beim Finanzamt Ihre selbständige Tätigkeit anmelden. Die für die Kleinunternehmer-Regelung entscheidenden Formularfelder 154, 156 und 157 finden Sie auf Seite 6 des amtlichen Vordruckes für steuerliche Erfassung: http://www.amtsvordrucke.de/forms/4193843c6039a525b7d0ee335c10688e.pdf 

Kleinunternehmer ja oder nein? Was ist besser für mich?

Bevor Sie eine Entscheidung treffen, sollten Sie die Vor- und Nachteile abwiegen. 

Der Vorteil der Kleinunternehmerregelung liegt zum einen in der Verwaltungsvereinfachung. Die Brutto-Netto-Unterscheidung bleibt Ihnen bei Ausgangsrechnungen als auch bei Ihren Betriebsausgaben erspart und Umsatzsteuervoranmeldungen sind nicht erforderlich. Außerdem können Sie im Privatkunden-Geschäft Ihre Leistungen günstiger anbieten als Mitbewerber, die der Regelbesteuerung unterliegen, da Sie keine Umsatzsteuer berechnen müssen.

Nachteil: Bei positiver Unternehmensentwicklung müssen Kleinunternehmer zwangsläufig zur Regelbesteuerung übergehen. Wer zuvor den Preis-Vorteil an seine Privatkunden weitergereicht hat, muss nun Preiserhöhungen durchsetzen. Gelingt das nicht, droht ein spürbarer Gewinneinbruch. Auch im Firmenkunden-Geschäft kann die Kleinunternehmer-Regelung von Nachteil sein. Fehlende Umsatzsteuerangaben auf Kleinunternehmer-Rechnungen erwecken bei manchen Firmenkunden den Eindruck, der Anbieter sei kein richtiger Profi.

Außerdem erhöht die fehlende Vorsteuerabzugsberechtigung von Kleinunternehmern die Betriebsausgaben. Dies kann in der Startphase kleiner Unternehmen zum Nachteil werden, da oftmals hohe Anfangsinvestitionen erforderlich sind, bei denen die zunächst gezahlten Umsatzsteuern zurückerstattet werden können. 

Wenn Sie nicht sicher sind, ob Sie noch ein Kleinunternehmer sind oder eine Einschätzung möchten, ob die Inanspruchnahme der Kleinunternehmerregelung für Sie sinnvoll ist, helfen wir gern. Nagorski & Partner Rechtsanwälte sind auf dem Gebiet des Steuerrechts für kleine und mittelständige Unternehmer spezialisiert. Eine Einschätzung Ihres Falls im Rahmen einer telefonischen Erstberatung ist für Sie kostenlos und völlig unverbindlich.


Rechtstipp vom 05.05.2017
aus dem Rechtsgebiet Steuerrecht

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