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Können Pflegekräfte wegen „schlechter Arbeit“ gekündigt werden?

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Auch Pflegekräfte sind vor Kündigungen nicht gefeit. Doch wo Menschen mit Menschen arbeiten, ist die Brisanz im Einzelfall besonders gravierend. Die Bezeichnung „schlechte Arbeit“ wirkt sich hier insofern aus, als es um die Versorgung von Menschen geht. Kann daher die Kündigung leichter ausgesprochen werden?

Es klingt nachvollziehbar: Wenn Menschen, die Pflege benötigen, nicht mehr sorgfältig und angemessen versorgt werden, hat die Pflegekraft ein Problem. Der Arbeitgeber könnte daher argumentieren, dass eine Kündigung unausweichlich ist, sollte die Versorgung nicht mehr sichergestellt werden. Auf der anderen Seite ist die Belastung von Pflegekräften erheblich. Wann also ist die Arbeit schlecht? Und wann sind es eher die Arbeitsbedingungen?

Kündigungsgründe bei schlechter Arbeit 

Grundsätzlich wird zwischen zu wenig erbrachter Arbeitsleistung und qualitativ minderer Arbeit unterschieden. Leistet die Pflegekraft zeitlich zu wenig, kann dies ein Kündigungsgrund sein, versorgt sie die Betroffenen nicht angemessen, ebenfalls. Allerdings muss der Arbeitgeber sowohl den einen als auch den anderen Kündigungsgrund belegen. Im Recht wird dabei differenziert. Der Arbeitnehmer schuldet seinem Arbeitgeber eine „angespannte Leistung“. Was er ihm nicht schuldet, ist eine „Überanstrengung“. Wo die Grenze fließt, ist individuell zu klären. Kommt das Kündigungsschutzrecht zum Tragen, wird entsprechend der Voraussetzungen für eine „verhaltensbedingte Kündigung“ entschieden.

Kündigungsgrund Krankheit?

Da die Anforderungen an Pflegekräfte hoch sind, liegt es nahe, dass auch die Krankheitsrate höher ist als bei anderen Berufen, deren Belastungen geringer sind. Die Entwicklung in Pflegeberufen hat sich in den letzten Jahren für die Beschäftigten oft negativ entwickelt, entsprechend steigt die Krankheitsquote.

Wegen Krankheit zu kündigen, ist dennoch nicht so einfach möglich. Zunächst muss entweder eine Langzeiterkrankung vorliegen. Das ist der Fall, wenn ein Arbeitnehmer länger als acht Monate am Stück krank ist. Alternativ können auch wiederholte kurze Krankschreibungen zu einem Kündigungsgrund werden, wenn sich diese drei Jahre lang verteilt auf jeweils mehr als sechs Wochen summieren. Doch auch dann muss zunächst die Prognose geprüft werden, also etwa die Frage, ob abzusehen ist, dass sich diese Entwicklung fortführt. Kommen dann Auswirkungen auf den Betrieb hinzu, rückt die Kündigung möglicherweise näher. Diese liegen vor, wenn die Belange des Betriebes insofern betroffen sind, als andere Mitarbeiter unter der Mehrbelastung leiden oder die Versorgung der Patienten nicht mehr gewährleistet werden kann.

Kündigungsgründe sind in der Pflege oft gestörte Arbeitsverhältnisse

Gravierende Fehler in der Arbeit kommen in der Pflege eher selten vor, zumindest führen diese nicht oft zur Kündigung. Das mag daran liegen, dass Menschen, die sich für Pflegeberufe entscheiden, gewissermaßen einer inneren Berufung folgen, Menschen helfen wollen und ihren Job sehr ernst nehmen. Doch die Belastungen ziehen an den wenigsten Pflegekräften spurlos vorbei, sodass die psychischen Probleme wachsen. In der Folge stimmt häufig „die Chemie“ zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern nicht mehr. Ist das der Fall, reichen immer wieder kleine Vergehen aus, um zur Eskalation und letztlich zur Kündigung zu führen.

Viele Arbeitgeber ersparen sich jedoch diesen Weg, der sich lange hinziehen kann. Denn normalerweise kann eine Kündigung, solange sie fristgerecht ist, auch ohne konkrete Begründung ausgesprochen werden. Lediglich wenn Arbeitnehmer unter besonderen Kündigungsschutz fallen, ist die ordentliche Kündigung nicht ohne Weiteres möglich. Dies ist beispielsweise der Fall, wenn das Schwerbehindertenrecht zur Anwendung kommt (§§ 168-175 SGB IX), Angehörige der Pflegekraft gemäß den Voraussetzungen des Pflegezeitgesetzes (PflegeZG) versorgt werden oder die Pflegekraft ihre Arbeitszeit entsprechend des Familienpflegezeitgesetzes (FamPfZG) reduziert hat.


Rechtstipp aus dem Rechtsgebiet Arbeitsrecht

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