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Körperverletzung beim Boxen oder bei einer verabredeten Schlägerei? Boxkampf von Fler und Bonez MC

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Die Rapper Fler und Bonez MC haben schon seit einigen Monaten Beef. Irgendwann haben sie sich über die sozialen Medien zu einem Boxkampf verabredet. Der Kampf wird nun wahrscheinlich doch nicht stattfinden, aber die rechtlichen Fragen sind trotzdem interessant. Darf man sich eigentlich einfach so zu einem Boxkampf oder vielleicht sogar zu einer Schlägerei verabreden? Oder macht man sich strafbar? 

Und macht es einen Unterschied, ob der Kampf im Rahmen eines öffentlichen Events, eher privat in einer Kneipe oder auf offener Straße stattfindet? Das alles klären wir in diesem Beitrag. Schauen Sie sich gern auch mein YouTube-Video dazu an!

Boxkampf – welche Straftatbestände kommen in Betracht?

Wenn zwei Einzelpersonen sich zu einem Boxkampf verabreden, fügen sie sich in der Regel gegenseitige Körperverletzungen zu. Wer eine Körperverletzung begeht, macht sich strafbar nach § 223 StGB. 

Kampfsport, insbesondere auch Boxen, ist gerade auf die gegenseitige Zufügung durchaus erheblicher Körperverletzungen angelegt. Hier kommt es nicht nur zu einfachen Körperverletzungen. 

Mehrere Schläge gegen den Kopf können durchaus als eine das Leben zumindest abstrakt gefährdende Handlung angesehen werden, was dann eine gefährliche Körperverletzung ist, strafbar nach § 224 StGB. Selbst die Zufügung schwerer Körperverletzungen im Sinne des § 226 StGB ist beim Boxen nicht ausgeschlossen, denn es ist durchaus nicht vollkommen fernliegend, dass durch Schläge auf das Ohr die Hörfähigkeit, durch Schläge auf das Auge die Sehfähigkeit verloren gehen könnten. 

In letzter Konsequenz kann es sogar passieren, dass einer der beiden an den Verletzungen stirbt, sodass eine Körperverletzung mit Todesfolge gem. § 227 StGB in Betracht kommt. 

Wieso können Boxkämpfe trotzdem legal ausgetragen werden?

Bei so vielen Strafvorschriften könnte man sich fragen, wieso überhaupt legal Boxkämpfe ausgetragen werden können. 

Einwilligung gem. § 228 StGB

Die Lösung ist § 228 StGB. Nach dieser Norm kann man grundsätzlich in Körperverletzungen einwilligen. 

Immer dann, wenn man sich beispielsweise eines ärztlichen Eingriffs, vom Blutabnehmen bis hin zur Herz-OP, unterzieht, willigt man in diese Körperverletzungen, die der Arzt zufügt, ein. Der Arzt erfüllt dann zwar den Tatbestand der Körperverletzung, er handelt aber aufgrund der Einwilligung nicht rechtswidrig und macht sich deshalb im Ergebnis nicht strafbar. Genau so läuft das bei einem Boxkampf. 

Grundvoraussetzung einer solchen Einwilligung ist immer, dass sie vor dem Ereignis, hier also vor dem Kampf ausdrücklich gegenüber dem anderen erklärt wird und währenddessen auch weiterhin bestehen bleibt, also insbesondere nicht widerrufen wird. 

Beide Kämpfer müssen außerdem bei klarem Verstand sein und freiwillig einwilligen. Wenn einer von beiden seine Einwilligung zum Beispiel unter Druck, aufgrund einer Täuschung des anderen oder Alkohol- oder Drogeneinfluss erteilt hat, ist das ein Problem. Auch Einwilligungen, die nur als Scherz gemeint waren, sind unwirksam. 

Wenn diese Grundvoraussetzungen vorliegen, gibt es trotzdem noch gewisse Einschränkungen. Man kann beispielsweise in schwere Körperverletzungen sowie auch in abstrakt lebensgefährliche Verletzungshandlungen einwilligen, wie das bei der gefährlichen Körperverletzung zum Beispiel möglich ist, allerdings nicht in konkret lebensgefährliche Verletzungen. Eine solche Einwilligung ist sittenwidrig und deshalb unwirksam. 

Boxkampf: sportliche Regeln

Die Einwilligung in einen verabredeten Boxkampf zwischen zwei einzelnen Personen ist in jedem Fall grundsätzlich erstmal wirksam, wenn beide sich an sportliche Regeln halten. 

Einwilligung sichert alle Verletzungen ab, die durch Handeln nach sportlichen Regeln entstehen

Schauen wir uns jetzt die Einwilligung in Bezug auf die einzelnen Verletzungen an, die bei einem Boxkampf entstehen können. 

Kampfsport, insbesondere Boxen, zielt wie gesagt gerade auf durchaus erhebliche Körperverletzungen ab. Die einzelnen Körperverletzungen, die sich zwei Boxer während eines Boxkampfes zufügen, sind in diesem Fall immer dann von der Einwilligung gedeckt, wenn sie regelgerecht zugefügt wurden. 

Wenn beispielsweise einer der beiden Boxer durch einen Punch ins Gesicht einen Knochenbruch erleidet, ist diese Verletzung von seiner Einwilligung gedeckt, denn die Verletzung wurde unter Einhaltung der sportlichen Regeln zugefügt. 

Wenn allerdings ein Boxer dem anderen plötzlich zwischen die Beine tritt, ihn beißt oder seine Boxhandschuhe mit Nadeln spickt, sind diese Verletzungen nicht von der Einwilligung gedeckt und strafbar, denn sie wurden nicht unter Einhaltung der sportlichen Regeln zugefügt. 

Besonderheit: Es kommt zum Tod eines Boxers

Eine Besonderheit gibt es noch, wenn einer der Boxer während des Kampfes an seinen Verletzungen verstirbt. Denkbar wäre etwa, dass der Gegner aufgrund mehrerer harter Schläge gegen den Kopf plötzlich Hirnblutungen erleidet und an diesen verstirbt. 

Da man im Falle des § 227 StGB – also Körperverletzung mit Todesfolge – zwar in die abstrakt lebensgefährlichen Schläge gegen den Kopf einwilligen kann, nicht aber in die sich daraus vielleicht ergebende Todesfolge, wäre der Boxer, der zwar vorsätzlich die Schläge gegen den Kopf seines Gegners verübt hat, aber darauf vertraut hat, dass die Schläge nicht tödlich sind, zwar nicht wegen Körperverletzung mit Todesfolge, aber je nach Ausgestaltung des Einzelfalls wegen fahrlässiger Tötung gem. § 222 StGB zu bestrafen. 

Die Möglichkeit, dass man sich beim Boxen wegen fahrlässiger Tötung strafbar macht, besteht also immer, weil der andere in die Todesfolge schlicht nicht einwilligen kann. 

Ganz besonders auf der sicheren Seite sind sie natürlich, wenn man das Ganze im Rahmen eines offiziellen Events macht und einen mit dem offiziellen Regelwerk vertrauten Ringrichter einsetzt. 

Ein Boxkampf, der unter Ausschluss der Öffentlichkeit in einer Kneipe stattfindet, bei dem sich aber trotzdem beide an die offiziellen Regeln halten, ist aber natürlich auch kein Problem. 

In beiden Fällen bleibt, wie immer beim Boxen, das Risiko einer Strafbarkeit wegen fahrlässiger Tötung bestehen. 

Schlägerei

Wenn sich zwei Personen nicht, wie Fler und Bonez MC, es offenbar vorhatten, zu einem Boxkampf, der nach sportlichen Regeln abläuft, verabreden, sondern eher zu einer Schlägerei, wäre etwas mehr Vorsicht geboten. 

Bei einer Schlägerei zwischen zwei Einzelpersonen machen die beiden sich zwar zunächst nicht wegen Beteiligung an einer Schlägerei gem. § 231 StGB strafbar, weil hierfür eine Schlägerei zwischen mindestens drei Personen erforderlich wäre und es außerdem zu einer schweren Körperverletzung oder zum Tod einer Person kommen müsste. 

Wenn aber keine sportlichen Regeln zwischen den beiden Personen gelten oder vielleicht sogar noch die Gefahr besteht, dass weitere Personen sich in die Schlägerei einmischen, könnte auch bei einer Schlägerei zwischen nur zwei Personen das Risiko einer gefährlichen Eskalation der Situation bestehen. 

Sofern die Absprachen vorher klar sind, das heißt also, dass beide wissen, in welche Verletzungshandlungen und Verletzungen, die natürlich nicht konkret lebensgefährlich sein dürfen, sie einwilligen, sich nicht einer von beiden entgegen vorheriger Absprache bewaffnet, und auch nicht das Risiko einer gefährlichen Eskalation, etwa durch Einmischung dritter Personen besteht, dürfte eine Einwilligung auch in eine Schlägerei wirksam sein. 

Keine Auswirkung der Einwilligung auf Rechtsgüter Dritter

Unabhängig davon, ob es sich um einen Boxkampf nach sportlichen Regeln oder eher eine Schlägerei zwischen zwei Personen handelt, ist das Risiko, dass beide sich strafbar machen, besonders groß, wenn der Kampf auf offener Straße ausgetragen wird. 

Auf offener Straße ist das Risiko, dass dritte Personen sich einmischen und es dann in einer Massenschlägerei zu schweren Körperverletzungen kommt oder im schlimmsten Fall sogar jemand stirbt, besonders hoch. Dann wäre jeder, der an der Schlägerei beteiligt war, wegen Beteiligung an einer Schlägerei strafbar, es sei denn, er ist nur ganz versehentlich zwischen die sich prügelnden Menschen geraten. 

Ein Straßenkampf ist außerdem deshalb problematisch, weil die Einwilligung gem. § 228 StGB in die Körperverletzung keine Auswirkung auf andere Rechtsgüter hat, die von einem Kampf vielleicht ebenfalls betroffen sind. Wenn zwei Personen den Kampf auf offener Straße austragen, könnte dadurch zum Beispiel die Verkehrssicherheit gefährdet sein und eine Strafbarkeit beider Personen nach § 315 c StGB kommt in Betracht. 

Wenn unbeteiligte Personen den Kampf sehen und davon ausgehen, dass eine strafbare Handlung vorliegt, rufen sie vielleicht die Polizei. Auch dann ist Ärger vorprogrammiert. 

Zusammenfassung

Wenn sich zwei Personen zu einem sportlichen Kampf verabreden möchten, sollten sie vorab die Regeln klar abstecken und sich unbedingt an diese Regeln halten. Beide sollten nach freiem Willen, ohne Druck oder Täuschung gemeinsam vorab entscheiden, in welche – möglicherweise auch abstrakt lebensgefährlichen – Körperverletzungen sie einwilligen. 

Beiden muss klar sein, dass falls einer von beiden durch eine dieser Körperverletzungen zu Tode kommt, der andere zwar nicht wegen Körperverletzung mit Todesfolge, aber wegen fahrlässiger Tötung bestraft werden kann. 

Beiden muss klar sein, dass man in konkret lebensgefährliche Verletzungen von vorn herein nicht einwilligen kann. Außerdem sollten beide dafür sorgen, dass dritte Personen sich nicht einmischen können und dass Rechtsgüter Dritter oder der Allgemeinheit nicht tangiert werden. 

Anzeige wegen Körperverletzung?

Wenn Sie eine Strafanzeige wegen Körperverletzung erhalten haben, steht Ihnen Dr. Arabella Pooth als Fachanwältin für Strafrecht gern zur Verfügung. 


Rechtstipp aus dem Rechtsgebiet Strafrecht | Europäisches Recht, Russisches Recht

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