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Kolumbianische Steuerreform 2016 – Steuervorteile bei Investitionen in Konfliktzonen

Rechtstipp vom 24.10.2016
Rechtstipp vom 24.10.2016

Der kolumbianische Finanzminister Mauricio Cárdenas hat vergangenen Mittwoch den Regierungsentwurf zur Steuerreform vorgelegt. Der 183 Seiten und 311 Artikel lange Entwurf wird nun im kolumbianischen Kongress debattiert.

Im Fokus der öffentlichen Diskussion steht die Anhebung des regulären Umsatzsteuertarifs von derzeit 16 % auf künftig 19 %.

Im Folgenden soll auf einen bislang wenig beachteten Punkt der Reform aufmerksam gemacht werden, der vor allem internationale Investoren interessieren dürfte: Das Reformprojekt sieht beträchtliche Steuervorteile für Unternehmen vor, die sich in den vom kolumbianischen Binnenkonflikt betroffenen Regionen niederlassen.

Der Entwurf nennt diese Regionen ZOMAC (zonas más afectadas por el conflicto armado = die vom bewaffneten Konflikt am meisten beeinträchtigten Zonen). Der Entwurf ermächtigt die kolumbianische Regierung, eine Rechtsverordnung zu erlassen, wonach sie die Gemeinden (municipios) bestimmen kann, die zu den ZOMAC gehören sollen.

Nach dem Entwurf sind neue kleine Unternehmen, die in den ZOMAC nach Erlass der Steuerreform gegründet werden, bis zum Steuerjahr 2021 von der Körperschaftsteuer (impuesto sobre la renta) befreit. Von 2022 bis 2024 gilt eine Senkung des regulären Körperschaftsteuertarifs um 75 %, von 2025 bis 2027 um 50 %.

Der reguläre Körperschaftsteuertarif in Kolumbien beträgt derzeit pauschal 25 %. Gerade ausländische Unternehmen hatten sich in jüngster Zeit zunehmend über die Unternehmenssteuerlast in Kolumbien beklagt.

Als kleine Unternehmen (micro y pequeñas empresas) gelten Unternehmen, deren Vermögen (activos totales) bis einschließlich 5000 kolumbianische Mindestlöhne (salarios mínimos mensuales legales vigentes) beträgt, derzeit insgesamt ca. USD $ 1.200.000.

Mittlere und große Unternehmen (medianas y grandes empresas) können ebenfalls Steuervorteile in Anspruch nehmen, wenn sie sich in ZOMAC niederlassen, allerdings in etwas geringerem Umfang als kleine Unternehmen.

Voraussetzung wird sein, dass die neu gegründeten Unternehmen ihre gesamte ökonomische Aktivität in den ZOMAC abwickeln und bestimmte Mindestanforderungen im Hinblick auf Investment und die Schaffung von Arbeitsplätzen erfüllen, die die Regierung noch genau durch Rechtsverordnung festlegen muss.

Nach dem Wortlaut des Regierungsentwurfs gelten nur solche Unternehmen als neue Unternehmen, die nach Erlass der Steuerreform gegründet wurden, also bei der zuständigen Handelskammer (Cámara de Comercio) registriert wurden.

Dies würde zu einer ungerechtfertigten Ungleichbehandlung führen im Vergleich zu den Unternehmen, die in denselben geographischen Zonen vor Erlass der Steuerreform, etwa im Laufe des Jahres 2016, gegründet wurden.

Man wird sehen, ob diese Ungleichbehandlung im Zuge der Debatte im Kongress behoben wird oder ob die Regierung später durch Rechtsverordnung nachbessern wird.

In jedem Fall stellen die Steuervorteile für ausländische Investoren eine große Chance dar. Schon jetzt gibt es ausländische Unternehmen, die in den vom kolumbianischen Bürgerkrieg besonders betroffenen Regionen große Standorte eröffnet haben.

So unterhält zum Beispiel das indische Unternehmen Hero MotoCorp, einer der größten Motorradhersteller der Welt, seine Fabrik für ganz Lateinamerika seit ca. 2 Jahren in der pazifiknahen Gemeinde Villa Rica im Departement Cauca, einer Region die historisch zum Kernland der FARC Guerilla gehörte.

Es lohnt sich, die Entwicklungen um die Steuerreform genau im Auge zu behalten. Diese werden unternehmerische Entscheidungen, wie die Standortwahl und den Zeitpunkt der Unternehmensgründung, in entscheidendem Maße beeinflussen.


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