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Konfliktlösung im Internet: Chancen und Risiken der Onlinemediation

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Konfliktlösung im Internet: Chancen und Risiken der Onlinemediation
Auch bei der Onlinemediation gilt: Trotz der bestehenden Wortähnlichkeit, hat sie kaum etwas mit der Meditation gemeinsam.

Heutzutage kann man fast alles, was in der analogen Welt möglich ist, auch bequem im Internet erledigen. Dabei ist die Palette der Möglichkeiten fast so groß wie das Internet selbst. So lassen sich sogar juristische Angelegenheiten mithilfe des Internets bewältigen. Angefangen bei der Recherche der juristischen Regelungen und idiotensicheren Erklärungen der Rechtslage über die Suche nach dem besten Anwalt und die Bestellung vorgefertigter Rechtsprodukte bis hin zur Streitbeilegung im Wege der Mediation.

Nicht jeder Rechtstreit muss zwingend vor den Gerichten ausgetragen werden, denn außergerichtliche Streitbeilegungsverfahren wie die Mediation ermöglichen es den Streitparteien, auch ohne Richter eine Lösung für ihren Streit zu finden. Und das kann – so erstaunlich es klingen mag – sogar über digitale Wege im Internet funktionieren. Dieser Rechtstipp erläutert deshalb

  • was eine Mediation grundsätzlich ist,
  • welche Vorteile die Mediation gegenüber dem klassischen Gerichtsverfahren hat,
  • die Einsatzmöglichkeiten der Onlinemediation und
  • die Vorteile bzw. Nachteile der digitalen Variante.

Mediation – das alternative Verfahren zum Gang vor Gericht

Konflikte sind ein unvermeidbarer Teil unseres Alltags. Dabei ist ein Konflikt per se noch gar nichts Negatives, sondern vom Begriff her generell die Beschreibung einer Situation, bei der mindestens zwei Menschen unterschiedlicher Meinung sind, verschiedene Ansichten vertreten oder kollidierende Interessen haben. Ob sich ein Konflikt positiv oder negativ entwickelt, hängt davon ab, wie mit ihm umgegangen wird. Die meisten Konflikte werden tatsächlich von den Streitenden selbst bewältigt. Fährt sich ein Streit dagegen fest, hilft oft nur eine außenstehende Person. Das muss aber nicht immer ein Richter sein, sondern in sehr vielen Konstellationen kann auch ein Mediator helfen.

Definitionsgemäß ist die Mediation ein außergerichtliches Konfliktlösungsverfahren, das dadurch gekennzeichnet ist, dass die am Konflikt beteiligten Parteien – nun Medianten genannt – selbst eine Lösung für ihren Streit finden. Unterstützt werden sie dabei von einem allparteilichen Mediator, der für die Struktur des Verfahrens sorgt und den Medianten hilft, die Interessen zu erkennen, die hinter ihren Positionen im Konflikt stecken. Auf diesem Fundament entwickeln die Medianten gemeinsam eine Lösung, die ihren Konflikt optimalerweise in eine Win-win-Situation umwandelt. Im Rechtstipp „Mediation – Konfliktlösung statt Hokuspokus“ finden Sie mehr Informationen rund um das Verfahren der Mediation.

Welche Vorteile hat die Mediation gegenüber dem Gerichtsverfahren?

Prinzipiell eignet sich die Mediation zwar nicht pauschal für jeden Konflikt, sie ist aber dennoch in der Mehrzahl der Fälle eine gute Alternative zum Gerichtsverfahren, die zumindest versucht werden kann. Im Vergleich zum Gerichtsverfahren hat die Mediation typischerweise folgende Vorteile:

  • Prinzip der Eigenverantwortung der Parteien

In der Mediation behalten die Konfliktparteien ihren Streit bis zum Schluss in der eigenen Hand. Sie allein sind verantwortlich für den Inhalt der Mediationssitzungen und die finale Lösung ihres Konflikts. Es entscheidet am Ende keine außenstehende dritte Partei, sondern allein die Medianten, wie die Lösung für den Konflikt aussieht.

  • Lösung des Konflikts

Das Mediationsverfahren führt im Ergebnis meist tatsächlich zur einer Lösung des gesamten Konflikts. Im gerichtlichen Urteil wird hingegen nur entsprechend der Rechts- und Beweislage über die vorgebrachten Anträge entschieden, die aber in der Regel nur die Spitze des Konflikts darstellen.

  • Win-win-Situation statt Loose-loose

In vielen Fällen sorgt der Richterspruch nicht einmal für einen Gewinner, sondern es verlieren beide Seiten, weil der Prozess die gute Freundschaft oder Geschäftsbeziehung endgültig zerstört hat. In der Mediation wird hingegen eine Lösung erarbeitet, der beide Seiten freiwillig zustimmen.

  • Weniger Kosten

Die Dienstleistung des Mediators ist zwar auch nicht umsonst, aber seine Kosten sind dennoch meist niedriger als die auf Streitwertbasis berechneten Gerichtsgebühren.

Eine ausführliche Gegenüberstellung der Vorteile liefert der Rechtstipp Gerichtsverfahren vs. Mediation – welche Vorteile bietet die außergerichtliche Alternative?

Einsatzmöglichkeiten der Onlinemediation

Zwar lebt die Mediation gerade von der Kommunikation, moderne Techniken ermöglichen es aber, dass ein virtueller Raum den realen ersetzt. Dafür gibt es zahlreiche textbasierte Programme, Chatfunktionen, Funktionen zum Teilen von Dokumenten, Video- und Audiotechnologien und sogar komplett digitale Räume, die mit diversen Kreativtechnikoptionen ausgestattet sind, sodass selbst Brainstorming, Mindmapping & Co. problemlos virtuell durchgeführt werden können. Auf diese Art und Weise können sowohl einzelne Phasen der Mediation als auch ganze Mediationsverfahren online durchgeführt werden – vorausgesetzt, die Medianten besitzen ein internetfähiges Gerät mit Kamera. Eine gesonderte Software müssen sie dafür nicht installieren, denn sie erhalten kurz vor Beginn der Mediation vom Mediator einen Link zur verwendeten Plattform und damit den Schlüssel zum virtuellen Konferenzraum.

Es gibt zahlreiche Konflikte, bei denen sich die Onlinemediation gut einsetzen lässt. Gerade in unserer heutigen globalisierten Welt, bei der Entfernungen weder im Privatleben noch im Geschäftsleben noch eine große Rolle spielen, gibt es etliche Konflikte, die im oder zumindest durch das Internet entstehen. Sei es beim Onlineshopping oder beim Teilen, Liken und Sharen in sozialen Netzwerken. Große Distanzen der Konfliktparteien sind daher keine Seltenheit. Selbst Familien leben heute nicht mehr zwingend im selben Ort, sondern oft in völlig verschiedenen Städten oder gar Ländern. Mit der Onlinemediation wird diese Distanz überwunden, denn es muss kein gemeinsamer Ort für die Mediationssitzungen gefunden werden, es ist keine zeitaufwendige Anreise nötig und auch keine Übernachtung oder Ähnliches. Selbst bei Kindesentführungen ins Ausland wird oft auf das Instrument der Onlinemediation zurückgegriffen. Hier ist der zeitliche Druck enorm und das Erscheinen in einem realen Raum praktisch ausgeschlossen.

Vorteile der Onlinemediation

Die Onlinemediation bringt viele Vorteile mit sich. Sie ermöglicht es beispielsweise, die Kosten des Konflikts noch weiter zu senken, da gerade bei weit entfernt sitzenden Medianten keine hohen Anfahrtskosten zu den jeweiligen Mediationssitzungen entstehen. Zeitlich ist die Onlineversion bei der Termingestaltung deutlich flexibler und es müssen keine Räume gesucht oder gebucht werden. Handelt es sich um einen besonders emotionsgeladenen Konflikt (besonders im Erb- und Familienrecht der Fall), kann die Distanz der Onlinemediation hilfreich sein.

Nachteile der Onlinemediation

Die Onlinemediation bringt aber nicht nur Vorteile mit sich, sondern hat auch einige Nachteile. So können z. B. nonverbale Kommunikationssignale verloren gehen und die Risiken hinsichtlich der Vertraulichkeit sind größer, weil das geschriebene Wort im Vergleich zum Gesprochenen deutlich langlebiger ist. Zudem ist es im virtuellen Konferenzraum nicht ausgeschlossen, dass im Hintergrund noch weitere Personen versteckt anwesend sind.

(THE)

Foto : Shutterstock.com/vectorfusionart


Rechtstipp vom 23.12.2017
aus dem Rechtsgebiet Mediation

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