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Krankheit des Arbeitnehmers – Krankengeld von der Krankenkasse

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Im Anschluss an die Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall können die Mitglieder der gesetzlichen Krankenversicherung Anspruch auf Krankengeld von ihrer Krankenkasse haben. Der Anspruch aus § 44 Sozialgesetzbuch 5 (SGB V) setzt voraus, dass der Betroffene gesetzlich krankenversichert ist und ihn eine Krankheit arbeitsunfähig macht oder er auf Kosten der Krankenkasse stationär in einem Krankenhaus, einer Vorsorge- oder Rehabilitationseinrichtung (§ 23 Abs. 4, §§ 24, 40 Abs. 2 und § 41 SGB V) behandelt wird.

Bei Vorliegen der Voraussetzungen für den Bezug von Krankengeld bei Arbeitsunfähigkeit hat ein Arbeitnehmer einen Anspruch gegen die Krankenkasse auf Zahlung von Krankengeld.

Dieser Anspruch ist in zeitlicher Hinsicht begrenzt auf einen Zeitraum von maximal 72 Wochen.

Die Höhe des Krankengeldes ergibt sich aus der Regelung von § 47 SGB V. Dort ist in Absatz 1 normiert, dass das Krankengeld 70 % des erzielten regelmäßigen Arbeitsentgelts und Arbeitseinkommens vor der Arbeitsunfähigkeit beträgt, soweit es der Beitragsberechnung unterliegt (Regelentgelt), maximal aber 90 % des Nettoarbeitsentgelts. Allerdings wird das Regelentgelt nur bis zur sogenannten Beitragsbemessungsgrenze berücksichtigt. Diese liegt Stand 2018 bei 4.425,00 Euro.

Das Krankengeld wird tagesgenau berechnet. Für die Berechnung der Höhe des Krankengeldes ist das Arbeitsentgelt des letzten vollständigen vor der Arbeitsunfähigkeit liegenden Abrechnungszeitraum zugrunde zu legen. Es werden aber mindestens die letzten vier abgerechneten Wochen berücksichtigt. Das Arbeitsentgelt wird dabei um einmalig gezahlte Entgelte gekürzt. Bei Schwankungen des Arbeitsentgelts wird der Durchschnitt der letzten 3 Monate vor der Arbeitsunfähigkeit gebildet.

Ein Anspruch auf Krankengeld besteht auch während des Bezugs von Arbeitslosengeld I (ALG I), wenn der Betroffene länger als sechs Wochen arbeitsunfähig erkrankt ist. Während der ersten sechs Wochen der Erkrankung zahlt die Agentur für Arbeit weiterhin Arbeitslosengeld. Im Anschluss daran besteht dann ein Anspruch gegen die Krankenkasse auf Zahlung von Krankengeld.

Ganz wichtig im Hinblick auf ungekürzten Erhalt von Krankengeld ist stets, dass die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung innerhalb von einer Woche nach Ausstellung der Bescheinigung durch den Arzt an die Krankenkasse geschickt wird. Das Risiko hierfür trägt derjenige, der Krankengeld beanspruchen möchte. Bei Versäumen dieser Frist zahlt die Krankenkasse nicht, da der Anspruch auf Krankengeld in diesem Falle gemäß § 49 Abs.1 Nr. 5 SGB V ruht. Mir sind Fälle bekannt, in denen die Krankenkasse behauptet, die per normaler Post übersandte AU-Bescheinigung nicht erhalten zu haben und die Gewährung von Krankengeld aus diesem Grunde verweigert. Aus diesem Grunde empfehle ich, die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung unverzüglich und nachweisbar an die Krankenkasse zu schicken.

Die Krankenkassen suchen nämlich immer wieder Wege das Krankengeld der Höhe oder der Dauer nach oder auch dem Grunde nach zu kürzen oder zu verweigern. So ist zum Beispiel einem Mandanten das Krankengeld zunächst vollständig verweigert worden, da die Krankenkasse sich auf den Standpunkt stellte, der Mandant sei an einer Schlägerei beteiligt gewesen und würde eine Mitschuld an den erlittenen Verletzungen tragen. Nach schriftlicher, rechtsanwaltlicher Aufforderung unter Bezugnahme auf die Ermittlungsakten der Staatsanwaltschaft konnte die Krankenkasse davon überzeugt werden, dass der Mandant hier das Opfer war und in Notwehr handelte. Im Ergebnis führte dies zu einer korrigierten Entscheidung der Krankenkasse und der Auszahlung des Krankengeldes.

In einem anderen Fall behauptete die Krankenkasse, die arbeitsunfähig erkrankte Arbeitnehmerin sei nach Aktenlage nicht mehr arbeitsunfähig und kürzte den Zeitraum des Bezuges des Krankengeldes trotz rechtzeitiger Vorlage ärztlicher Bescheinigungen. Hier muss nun im Klageverfahren das Sozialgericht entscheiden. Eine Entscheidung liegt bislang noch nicht vor.

Leider sind dies keine Einzelfälle und das Ausbleiben von Krankengeld führt bei den Betroffenen, die gesundheitlich ohnehin schon beeinträchtigt sind, zusätzlich zu finanziellen Sorgen und Nöten.

Gerne berate und vertrete ich Sie gegenüber der Krankenkasse und erforderlichenfalls in einem Klageverfahren vor dem Sozialgericht. Melden Sie sich gerne bei mir.


Rechtstipp vom 06.07.2018
aus der Themenwelt Behörden und Konflikte und dem Rechtsgebiet Sozialrecht

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