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Krankschreibung ist kein Hausarrest

Rechtstipp vom 26.07.2016
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Rechtstipp vom 26.07.2016
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Was der Arzt nicht verbietet, ist erlaubt. Das bedeutet: Einem arbeitsunfähig erkrankten Arbeitnehmer ist alles erlaubt, was den Heilungsprozess nicht negativ beeinflusst. Damit gilt umgekehrt: Es ist alles verboten, was die Genesung verzögert oder verhindert.

Wer arbeitsunfähig krankgeschrieben ist, muss nicht zwangsläufig Bettruhe halten. Rechtlich gesehen darf der Arbeitnehmer alles machen, was der Genesung nicht zuwiderläuft. Dabei ist von Krankheit zu Krankheit zu unterscheiden. Wer zum Beispiel Fieber hat, sollte auf lange Spaziergänge im strömenden Regen verzichten. Wer Rückenprobleme hat, sollte Gartenarbeit meiden, darf jedoch ins Kino gehen.

Dem Arbeitgeber ist die Art der Erkrankung meistens unbekannt. Die ärztliche Diagnose ist auf der für den Betrieb vorgesehenen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung nicht vermerkt. Lediglich die Krankenkasse wird darüber auf dem Formular informiert. So kann es über die Zulässigkeit von Aktivitäten eines erkrankten Arbeitnehmers zum Streit kommen, wenn dieser von einem Kollegen oder seinem Vorgesetzten beobachtet wird.

Derartige Konflikte lassen sich vermeiden, wenn der Arbeitnehmer seinem Arbeitgeber freiwillig die gestellte Diagnose mitteilt.

Ist ein Arbeitnehmer krankgeschrieben und gefährdet seine Gesundheit durch unerlaubte Tätigkeiten, verletzt er seine arbeitsvertraglichen Pflichten. Er riskiert in diesem Fall eine Abmahnung oder gar eine verhaltensbedingte Kündigung, unter Umständen sogar eine fristlose Kündigung. Das gilt auch, wenn der Arbeitnehmer eine Krankheit nur vortäuscht. Denn durch das Vortäuschen falscher Tatsachen bezieht ein Arbeitnehmer unberechtigterweise eine Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall durch den Arbeitgeber; dies ist eine schwere Pflichtverletzung.

Der ärztlichen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung kommt ein hoher Beweiswert zu, dass der Arbeitnehmer tatsächlich erkrankt ist. Es gilt der Grundsatz: Solange der Arzt seinen Patienten krankschreibt, ist er auch krank. Ausnahme: der Arbeitnehmer hat seinen Arzt angelogen und eine Krankschreibung erschlichen.

Hat der Arbeitgeber begründete, ernsthafte Zweifel daran, dass der Arbeitnehmer tatsächlich arbeitsunfähig krank ist, kann er den Beweiswert der Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung erschüttern. Dazu muss er konkrete Umstände vortragen und beweisen, zum Beispiel im Zusammenhang mit der Bescheinigung selbst, durch das Verhalten des Arbeitnehmers vor der angeblichen Erkrankung oder während der bescheinigten Dauer der Arbeitsunfähigkeit.

Beispiele:

  • der Arbeitnehmer hat mit Krankheit gedroht, falls er keinen Urlaub bekommt; 
  • der Arbeitnehmer wird regelmäßig gleichzeitig mit einem Kollegen krank, mit dem er eine Fahrgemeinschaft bildet;
  • der Arbeitnehmer übt eine mit der Krankheit unvereinbare Nebentätigkeit aus.

Der Arbeitgeber darf sogar einen Detektiv einschalten, wenn der auf Tatsachen gründende Verdacht einer nur vorgetäuschten Arbeitsunfähigkeit besteht.

Bei berechtigten Zweifeln an der krankheitsbedingten Arbeitsunfähigkeit kann der Arbeitgeber auch ein Gutachten des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen veranlassen. Hierbei prüft ein unabhängiger Arzt, ob der Arbeitnehmer tatsächlich arbeitsunfähig erkrankt ist. Verweigert der Arbeitnehmer diese Untersuchung, spricht das in der Regel gegen die Richtigkeit der ursprünglich ausgestellten Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung.


Rechtstipp aus der Themenwelt Abmahnung und Kündigung und dem Rechtsgebiet Arbeitsrecht

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