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Kredit: Widerruf mit Widerrufs-Joker. Ohne Vorfälligkeitsentschädigung. Problem Anschlussfinanzierung?

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Haus-Kredit: Widerruf ohne Vorfälligkeitsentschädigung – der Widerrufs-Joker hat 80 % Erfolgschance. So berichten übereinstimmend viele Medien. Die Verbraucherzentrale Hamburg nennt Fakten: Ca. 2.000 Kreditverträge verschiedenster Banken und Versicherungen hat die Verbraucherzentrale geprüft. Ergebnis: in ca. 80 % der Fälle waren die Widerrufsbelehrungen mangelhaft. Folge: Die Bankkunden haben ein ewiges Widerrufsrecht, den sog. Widerrufsjoker.

Viele Bankkunden fragen sich – kann es wirklich wahr sein, dass die Banken so schwere Fehler gemacht haben? Kann es wirklich so einfach sein, 40.000 Euro (ARD-plusminus vom 08.10.2014) oder gar fast 80.000 Euro (ZDF-WISO vom 03.03.2014) zu sparen?

Teil 1 dieser Frage lässt sich einfach bejahen. Die Zahlen der Verbraucherzentrale Hamburg sind im Internet nachlesbar. Ergänzend führt Finanztest auf der Seite test.de/kreditwiderruf eine Liste nachweislicher Erfolge. Mehr als 150 von Anwälten erzielte Erfolge beim Widerrufs-Joker werden dort schon genannt - gegen immerhin mehr als 100 verschiedene Banken und Sparkassen.

Teil 2 der Frage, die Anschlussfinanzierung, schien aber eine Hürde zu sein. Es mehrten sich eine Zeit lang Meldungen, dass viele Banken keine Finanzierungsangebote machen, wenn ein Kunde den Widerrufs-Joker nutzen will. Zum Glück hat Finanztest jetzt Entwarnung gegeben: Aufgrund einer Erhebung durch Umfrage hat test.de ermittelt, dass viele Banken und Finanzmakler sehr wohl Anschlussfinanzierungen anbieten. Die tabellarische Aufstellung ist über die Finanztest-Seite abrufbar.

Katrin Wedekind, Fachanwältin für Bankrecht: „Die Bankkunden unterschätzen oft, wie viel eine Zinsdifferenz von 1% oder 2% oder ggf. gar 3% ausmacht. Erst wenn z. B. ein Hausverkauf eine vorzeitige Ablösung erforderlich macht, wird vielen Bankkunden durch die Höhe der seitens der Bank verlangten Vorfälligkeitsentschädigung bewusst, um wie viel Geld es geht.“

Wie hoch der Zinsvorteil ist, kann selbstverständlich auch im Rahmen der Klärung der Anschlussfinanzierung ermittelt werden. Es geht regelmäßig um mehrere Zehntausend Euro.

Die Banken beklagen sich teilweise, der Widerrufs-Joker sei unfair und berufen sich auf "Treu und Glauben". Man könnte sich aber schon fragen, ob die Bank das Mitleid ihrer Kunden verdient, und ob sie auf das Mitleid ihrer Kunden wirklich angewiesen ist. Zudem ist das Widerrufsrecht vom Gesetzgeber bewusst so ausgestaltet worden, dass ein ewiges Widerrufsrecht gilt, solange bis die Bank den Verbraucher zutreffend über sein Widerrufsrecht belehrt hat. Letztlich haben es die Banken also selbst in der Hand. Sie müssen nichts weiter tun, als eine rechtmäßige Widerrufsbelehrung bzw. Widerrufsinformation zu erteilen. Eine richtige Belehrung über den Beginn der Widerrufsfrist kann die Bank übrigens jederzeit auch nachträglich übersenden. (Bei einer nachträglichen Belehrung beträgt die Widerrufsfrist 1 Monat.)

Was aus vielen Medienberichten immer wieder deutlich wird: Der Weg zum Erfolg gegen die Bank wird meist kein „Spaziergang“. Die Banken wissen, um wie viel Geld es geht - immerhin sind 80% der Kreditverträge ab 2002 betroffen. Wer Erfolg haben will, braucht die Bereitschaft, sich notfalls mit der Bank „anzulegen“ und sollte sich dabei i.d.R. durch einen spezialisierten Fachanwalt verstärken. Dass die Chancen auf Erfolge real sind, belegen die oben genannten Statistiken der Verbraucherzentrale Hamburg sowie die von Finanztest geführte Liste bereits erzielter Erfolge.

Allzu lange zögern sollte man nicht. Denn es tickt die Uhr – noch haben wir historisch niedrige Zinsen und ist die Rechtslage günstig – aber wie lange noch?

Alle Angaben nach bestem Wissen und Gewissen, aber ohne Gewähr. Allgemeine Ausführungen können niemals eine Beratung im Einzelfall ersetzen. Soweit hier auf anderweitige Berichterstattung oder Einschätzungen hingewiesen wird, erfolgt dies ohne sich die dortigen Inhalte oder Aussagen zu eigen zu machen.

 


Rechtstipp vom 24.10.2014

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