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Kündigung eines Vertrages mit einem Fitnessstudio

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Wie jedes Jahr locken die Fitnessstudios die Menschen mit sog. Lockangeboten zu sich, um ihnen dann einen meist mehrjährigen Vertrag anzubieten. Wird dann in der Euphorie der ersten Trainingsminuten voreilig eine Mitgliedschaft abgeschlossen, ist es oft nicht so einfach, schnell wieder aus dem Vertrag mit dem Fitnessstudio raus zu kommen.

Umzug ist kein Kündigungsgrund 

Ein berufsbedingter Umzug ist nach Auffassung des Bundesgerichtshofes (BGH) kein ausreichender Grund für eine außerordentliche Kündigung, wie aus einem Urteil (Az.: XII ZR 62/15) hervorgeht. Fraglich bleibt daher allein, ob eine Kündigung des Vertrags vorgelegen hat. Grundsätzlich kann ein Dauerschuldverhältnis außerordentlich aus wichtigen Gründen gekündigt werden. Stets wird auf einen wichtigen Grund zur Kündigung abgestellt. Ein wichtiger Grund liegt vor, wenn dem kündigenden Teil unter Berücksichtigung aller Umstände des Einzelfalls und unter Abwägung der beiderseitigen Interessen die Fortsetzung des Vertragsverhältnisses bis zur vereinbarten Beendigung oder bis zum Ablauf einer Kündigungsfrist nicht zugemutet werden kann.

Dies verneinte der BGH bei einem Umzug. Denn die Änderungen der Umstände liegen in der Risikosphäre des Kunden und dieser trägt das Risiko, eine vertragliche Leistung des Fitnessstudios nicht mehr nutzen zu können, soweit sich etwas in seinen Lebensumständen ändert. 

Krankheit 

Sofern der Kunde die angebotenen Leistungen des Fitnessstudios aber aufgrund einer dauerhaften Erkrankung nicht mehr oder zumindest nicht umfassend nutzen kann, wird ein außerordentlicher Grund für eine Kündigung gegeben sein. Denn eine Krankheit liegt nicht in der Risikosphäre des Kunden. Dabei reicht zur Glaubhaftmachung der Erkrankung zwar ein ärztliches Attest, mit dem bestätigt wird, dass der Kunde infolge einer Erkrankung die Leistungen nicht weiter in Anspruch nehmen kann. Sollte es aber zu einem Prozess kommen, so muss der Kunde vollumfänglich Beweisen – ggf. mit einem teuren medizinischen Sachverständigengutachten – dass er tatsächlich gesundheitlich gehindert ist, die Leistungen des Fitnessstudios anzunehmen. Es ist in diesen Fällen ratsam, den Vertrag ggf. in beiderseitigem Einvernehmen gegen Zahlung einer bestimmten Vergleichssumme aufzulösen.

Schwangerschaft 

Ist in der Regel nicht mit einer Erkrankung gleichzusetzen und gibt grundsätzlich kein besonderes Kündigungsrecht. Sofern die Schwangere aber auf ärztlichen Rat keine Leistungen des Fitnessstudios mehr annehmen kann, sollte der Vertrag für die Dauer des Mutterschutzes ausgesetzt werden. Innerhalb dieser Zeit wäre die Kundin von der Zahlung des Beitrages frei, im Gegenzug dürfte sie aber auch keinerlei Leistungen des Fitnessstudios nutzen. Viele Studios bieten bereits in ihren Allgemeinen Geschäftsbedingungen eine Unterbrechung der Vertragslaufzeit bei Schwangerschaft an. 

Kündigungsgründe 

Ein Kündigungsgrund ist dann gegeben, wenn das Studio seine vertraglichen Pflichten verletzt: werden angekündigte Kurse abgesagt, funktionieren die Dusche und die Sauna nur unzureichend oder ist der Reinigungszustand der Geräte und vor allem der Nass- und Umkleideräume mangelhaft, so kann der Kunde regelmäßig erst nach Ausspruch einer Abmahnung den Vertrag kündigen. Die Abmahnung soll dem Studio die Möglichkeit geben, sich in Zukunft vertragstreu zu verhalten. Eine ohne Abmahnung ausgesprochene Kündigung dürfte nur in besonders gravierenden Fällen zulässig sein, wie beispielsweise im Falle einer sexuellen Belästigung des Kunden durch Studiopersonal. Bei der regelmäßig sonst erforderlichen Abmahnung sollte der Kunde darauf achten, dass diese nachweisbar erfolgt. Es ist ratsam, einen Zeugen oder besser die Abmahnung schriftlich (Fax oder Einschreiben) auszusprechen.


Rechtstipp vom 30.03.2017
aus den Rechtsgebieten Allgemeines Vertragsrecht, Zivilrecht

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