Zur Navigation springen Zum Inhalt springen Zum Footer springen

Künstliche Intelligenz bei der Personalsuche: Fluch oder Segen?

Rechtstipp vom 10.01.2019
Rechtstipp vom 10.01.2019

Es ist heute keine große Meldung mehr, wenn bekannt wird, dass Arbeitgeber ihre Angestellten bei Facebook und anderen sozialen Medien „unter die Lupe“ nehmen. Doch dieses Beispiel ist fast schon nebensächlich, wenn man sich die Möglichkeiten ansieht, die durch „Big Data“ entstehen.

Was geht mit KI und Big Data?

Die künstliche Intelligenz ist auf dem Vormarsch, und sie umgibt uns längst täglich, beispielsweise in Form von Algorithmen, wenn wir online einkaufen oder Suchmaschinen bedienen. Doch auch in der Arbeitswelt macht sich die Datensammlung immer breiter. So wollte ein Arbeitgeber kürzlich nur handschriftliche Bewerbungen auf seinem Schreibtisch sehen, um die Handschrift seiner Bewerber durch künstliche Intelligenz (KI) auswerten zu lassen.

Diese Methode zielt ab auf das Erkennen bestimmter Kerncharakteristika von potenziellen Mitarbeitern, die ohne die Hilfe von KI so nicht erkennbar wären. Natürlich gehören auch Auswertungen der Bewegungen innerhalb der sozialen Medien zur Aufgabenstellung von KI: Was postet er, auf welchen Blogs oder in welchen Gruppen ist er aktiv, was für Personen befinden sich in seiner Freundesliste? Die Arbeit mit Big Data macht auch vor vermeintlich harmlosen Fotos nicht Halt, sondern analysiert auch diese, immer in der Hoffnung (wir sprechen hier natürlich von den Hoffnungen des Menschen, denn KI kennt dieses Gefühl nicht), Aussagen über die Persönlichkeit eines potenziellen Bewerbers zu erhalten.

Aus der Sicht der Arbeitgeber ist der Einsatz von Big Data und KI durchaus sinnvoll. Lange Bewerbungsverfahren lassen sich, so die Aussicht, erheblich verkürzen, zudem kommen Bereiche wie die allgemeine Personalplanung, Learning & Development oder auch die Steuerung der Motivation zum Einsatz und können optimiert werden, wenn mit künstlicher Intelligenz gearbeitet wird.

Vor diesem Hintergrund ist der Wunsch nach einer handschriftlich verfassten Bewerbung schlüssig, denn sie wird nicht mehr von Arbeitgebern gelesen, sondern von Computerprogrammen, und die Auswertung erfolgt nicht mehr „aus dem Bauch heraus“, sondern durch Algorithmen.

Was sagt das Arbeitsrecht zu Big Data und KI?

Nicht viel, könnte man vermuten. Schließlich ist das Arbeitsrecht zu großen Teilen in Zeiten verfasst worden, da waren KI und Big Data noch kein Thema. Doch grundsätzliche Gesetze gelten auch im Zusammenhang mit Big Data und dem Einsatz von Algorithmen. Letztere dürfen beispielsweise keine diskriminierenden Elemente enthalten. Aspekte wie etwa eine aktuelle oder denkbare Schwangerschaft müssen Algorithmen ebenso ausklammern wie die nach einer Art der Behinderung eines Bewerbers. Denkbar ist also auch eine „digitale Diskriminierung“. Verstöße können – ebenso wie im analogen Bewerbungsverfahren – zu Schadenersatzansprüchen führen.

Und ein weiterer Aspekt ist aus arbeitsrechtlicher Sicht wichtig: Denn sofern ein Betriebsrat vorhanden ist, muss dieser in die neuen Verfahren eingebunden werden. Letztlich ist der Einsatz von KI nämlich die Einführung technischer Einrichtungen, die dazu dienen, Mitarbeiter zu überwachen, und in einem solchen Fall greift das Mitbestimmungsrecht, das nicht umgangen werden darf. Darüber hinaus kann der Algorithmus durchaus als eine Art Personalfragebogen betrachtet werden, und wenn das so ist, muss der Betriebsrat gemäß Betriebsverfassungsgesetz mit einbezogen werden.

Macht künstliche Intelligenz Schule auf dem Arbeitsmarkt?

Die Antwort auf diese Frage mag spekulativ erscheinen, doch realistisch betrachtet, wird die künstliche Intelligenz weiter Fahrt aufnehmen. Die Auswertungen über Big Data sind längst in vollem Gange und es ist allgemein bekannt, dass der Mensch macht, was er machen kann.

Ob die Algorithmen tatsächlich erfolgreich sind und potenzielle Bewerber besser beurteilen können als ein Mensch das kann, steht (noch) auf einem anderen Blatt. Und das Arbeitsrecht wird sich in Zukunft auch bewegen müssen, denn es ist absehbar, dass Situationen entstehen, die durch die bisher gültigen Gesetze nicht abgedeckt sein werden.

Spannend bleibt die Entwicklung auf alle Fälle.


Rechtstipps aus dem Rechtsgebiet Arbeitsrecht

Sie haben Fragen? Gleich Kontakt aufnehmen!

Rechtstipps zum Thema

Rechtstipps des Autors

Damit Sie wissen, wann Sie im Recht sind

Neue Urteile, hilfreiche Tipps und Kurioses im wöchentlichen anwalt.de-Newsletter.